Courses winter term 2011/2012

Lecture

Die Volksrepublik Polen 1945-1989: Eine Einführung in die Sozial- und Alltagsgeschichte

Dozent: Prof. Dr. Jerzy Kochanowski


Zeit: Di 14 Uhr c.t.


Ort: Fürstengraben 1 - HS 146


Wenn wir vor dem September 1939 von einer "Gesellschaft Polens" sprechen, dann sprechen wir nach 1945 eher von der "polnischen Gesellschaft". Diese Gesellschaft bildete eine ungewöhnliche Mischung aus Vergangenheit und Zukunft, Vormoderne und Moderne, Plan- und Marktwirtschaft, Unterdrückung und Freiheit.
Die Vorlesung möchte eine Einführung in die Geschichte Polens im 20. Jahrhundert bieten. Ein Schwerpunkt wird dabei auf die Sozialgeschichte der Zwischenkriegszeit, dem Zweiten Weltkrieg und die Sozial- und Alltagsgeschichte Nachkriegspolens liegen. Die Volksrepublik Polen war nur theoretisch das Land der Arbeiter und Bauern, in der Wirklichkeit spielten weiterhin Adel und Kleinbürger eine Rolle, nicht zuletzt als kulturelle Muster. Außerdem werden auch Alltagsprobleme thematisiert, wie die gesellschaftliche Rolle des Fleisches, das in der Volksrepublik sowohl für die Bevölkerung als auch die Behörden "das Problem Nr. 1" darstellte. Doch es wird auch um Dollar und Gold, den Massentourismus, Autos und nicht zuletzt um die kollektive Erinnerung an den Krieg, an Zwangsmigrationen und an die ehemaligen Ostgebieten gehen. Zur Veranschaulichung des polnischen Alltags werden Bilder und Ausschnitte aus polnischen Spielfilmen präsentiert.


Seminars

Geschichtskulturelle Debatten im östlichen Europa

Dozenten: Prof. Dr. Joachim von Puttkamer, Dorothea Warneck M.A.


Zeit: Mi. 12 Uhr c.t.


Ort: Seminarraum des Imre Kertesz Kollegs, Leutragraben 1, 14. Etage



Die öffentliche Erinnerung an das 20. Jahrhundert ist in den Ländern des östlichen Europas nahezu durchweg hoch umstritten. So schwelt in Polen seit der Diskussion um die Ermordung der Juden von Jedwabne die Frage nach einer Mitschuld am Holocaust, und die Flugzeugkatastrophe von Smolensk hat gezeigt, wie aktuell der Konflikt um ein angemessenes Gedenken an die Opfer von Katyn in außen- wie innenpolitischer Hinsicht ist. Ähnlich gelagerte Debatten werden in den meisten Ländern des östlichen Europas geführt. Da sie in Deutschland aufmerksam verfolgt werden, stellt sich zugleich die Frage, wie weit deutsche Formen der Erinnerungskultur einen Maßstab für das östliche Europa bieten können. Vor diesem Hintergrund untersucht das Seminar ausgewählte geschichtskulturelle Debatten in den jeweiligen Ländern und fragt danach, wie sie sich in ein gesamteuropäisches Bild einfügen. 



Sozial- und Kulturgeschichte der Tschechoslowakei 1945 – 1989

Dozent: Dr. Stanislav Holubec


Zeit: Mo. 14 Uhr c.t.


Ort: Seminarraum des Imre Kertesz Kollegs, Leutragraben 1, 14. Etage



Das Seminar bietet eine problemorientierte Einführung in Geschichte der Tschechoslowakei der Jahre 1945 bis 1989. Im Vordergrund werden die Politik, Sozial- und Kulturgeschichte stehen, mit einem besonderen Blick auf die Fragen der Herrschaftslegitimation, Herrschaftspraktiken und Diskurse im Staatssozialismus. Auf der einen Seite werden politische Schlüsselereignisse thematisiert wie das Kriegsende, die kommunistische Machtübernahme 1948, Stalinismus und Entstalinisierung, der "Prager Frühling", die Phase der Normalisierung und die Samtene Revolution von 1989. Zum anderen sollen aber auch kultur- und alltagsgeschichtliche Themen behandelt werden, etwa die Nomenklatura, die Dissidenten, Jugend, Gender und Freizeit. Dabei wird Tschechoslowakei in eine vergleichende Perspektive zu anderen staatsozialistischen Gesellschaften, insbesondere der DDR gestellt. Textgrundlage werden ausgewählte Quellen sowie neuere Forschungsergebnisse zur Geschichte der Tschechoslowakei sein.