Dr. Friederike Kind-Kovács

Curriculum Vitae

Friederike Kind-Kovács ist seit 2009 Akademische Rätin a. Z. am Lehrstuhl für Geschichte Südost- und Osteuropas an der Universität Regensburg und Mitglied der Graduiertenschule für Südost- und Osteuropastudien (Univ. Regensburg/LMU München). Sie promovierte sich 2008 in der Zeitgeschichte an der Universität Potsdam (ZZF) und schloss 2002 ihr Geschichtsstudium an der St. Andrews University (UK) ab. In ihrer aktuellen Forschung beschäftigt sie sich mit Kindheit, Hunger und Humanitarismus nach dem Ersten Weltkrieg. Sie ist Autorin der Monographie Written Here, Published There: How Underground Literature Crossed the Iron Curtain (CEU Press, 2014), die 2015 mit dem University of Southern California Book Prize in Cultural and Literary Studies auf der ASEEES ausgezeichnet wurde.


Forschungsprojekt am Kolleg


Mein Habilitationsvorhaben widmet sich der Frage, wie sich die Hautstadt Budapest in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg zu einem sozialen urbanen Brennpunkt und zugleich zu einem Testfeld internationaler humanitärer Kindernothilfe entwickeln konnte. Um die Auswirkung des Ersten Weltkriegs und des Imperienzerfalls auf das Leben von Kindern in Budapest und das System lokaler Kinderfürsorge zu verstehen, widmet sich das Buch anfangs der Entstehung und Professionalisierung lokaler ungarischer Wohlfahrt seit Ende des 19. Jahrhunderts. Das Forschungsprojekt untersucht anschließend die politischen, wirtschaftlichen und sozialen Faktoren, die Hunger, Verarmung und physische Versehrtheit der Kinder zur Folge hatten. Das Buch widmet sich anschließend der Frage, wie die Kinder von Budapest, als eine der paradigmatischen Opfergruppen der Kriegs- und Nachkriegszeit, und speziell die visuelle Repräsentation ihrer körperlichen Verfasstheit, dafür nutzbar gemacht wurden, internationale Solidarität und humanitäre Hilfe zu mobilisieren. Das Buch nimmt gleichermaßen die lokalen und internationalen Diskurse sowie die alltäglichen Praktiken der humanitären Hilfe in den Blick, um auf diesem Weg das komplexe und dynamische-zeitweise auch äußerst schwierige-Zusammenspiel lokaler und internationaler humanitärer Akteure zu identifizieren. Der transnationale Diskurs über Hunger und Versehrtheit der betroffenen Kinder eröffnet einen Einblick in die Funktion von humanitärer Hilfe im internationalen Wettkampf um wirtschaftliche, wissenschaftliche und moralische Hegemonie. Die gleichzeitige Berücksichtigung schriftlicher und visueller Quellen aus ungarischen und internationalen Archiven ermöglicht es, eine transnationale Verflechtungsgeschichte der frühen Nachkriegszeit zu schreiben. Quellen für das Buch stammen aus den Nachlässen der Save the Children Union, des Internationalen Roten Kreuzes und des Völkerbundes in Genf, des Save the Children Fund in Birmingham, der Rockefeller Foundation und dem JDC in New York, der ARA in Stanford, des ARC in Washington sowie den Staatsarchiven in Wien, London und Washington. Auf dieser breiten Quellenbasis widmet sich das Buch der Frage nach den ambivalenten Auswirkungen von internationaler humanitärer Hilfe auf die Verfasstheit lokaler Gesellschaften und die transatlantischen Machtverhältnisse der frühen Nachkriegszeit.

Forschungsschwerpunkte

  • Kultur-und Sozialgeschichte Ostmitteleuropas
  • Sozialgeschichte der Kindheit, Armut und Sozialfürsorge
  • Geschichte des Hungers, der Ernährung und der Gesundheit
  • Philanthropie und Humanitarismus
  • Grenzen, Flucht und Migration
  • Transnationale Kultur-und Mediengeschichte des Kalten Krieges

 

Funktionen und Mitgliedschaften

  • Mitglied der Graduiertenschule für Ost- und Südosteuropastudien Regensburg/München.
  • Mitglied der Association for Slavic, East European and Eurasian Studies (ASEEES) und der Society for the History of Childhood and Youth (SHCY).
  • 'Co-Investigator' im internationalen Leverhulme-Forschungsnetzwerk Connecting the Wireless World: Writing Global Radio History, Bristol University. http://www.bristol.ac.uk/arts/research/global-radio-history/people/ (2016-2019).
  • 'Co-Investigator' im internationalen Leverhulme-Forschungsnetzwerk Hunger Draws the Map: Blockade and Food Shortages in Europe, 1914-1922, Oxford University. http://greatwar.history.ox.ac.uk/?page_id=2202 (2015-2018).