Klara Muhle

Curriculum Vitae


Klara Muhle ist seit September 2016 assoziiertes Mitglied der Doktorandenschule des Imre Kertész Kollegs. Von August bis Dezember 2016 war sie als wissenschaftliche Hilfskraft bei der Stiftung Ettersberg tätig. Seit Oktober 2016 ist sie wissenschaftliche Hilfskraft des DFG Projektes "Tribunale. Kriegsverbrecherprozesse im sozialistischen Jugoslawien". Seit 2014 war sie zunächst als studentische Hilfskraft und seit Ablegen des Ersten Staatsexamens ist sie als wissenschaftliche Hilfskraft am Imre Kertész Kolleg tätig. Klara Muhle absolvierte von 2010 bis 2015 ihr Lehramtsstudium in den Fächern Geschichte und Englisch an der Friedrich-Schiller Universität Jena (Staatsexamensarbeit: Das Gedächtnis an den jugoslawischen Film - ein erinnerungskultureller Zugang zu einem untergegangenen Staat).


Forschungsprojekt am Kolleg



Der Belgrader Prozess 1946: Ein Kriegsverbrechertribunal im frühen Jugoslawien

Nach dem Zweiten Weltkrieg stand die Regierung des neu gegründeten sozialistischen Jugoslawien vor der Herausforderung, ein Land zu befrieden, in dem Sieger, Verlierer und nicht so klar Zuzuordnende mit ihren jeweiligen Kriegserfahrungen gemeinsam zusammenleben mussten. Das Spektrum in ihrem Umgang mit einstigen Kriegsgegnern erstreckte sich von Massentötungen bis hin zur voraussetzungslosen Integration. Es beinhaltete allerdings auch über 120.000 Anklagen gegen mutmaßliche Kriegsverbrecher. Das Projekt widmet sich dem größten Kriegsverbrecherprozess gegen Četnici, dem Belgrader Prozess vom 10. Juni bis 15. Juli 1946. Angeklagt waren 24 hochrangige und während des Krieges teilweise konkurrierende Četnici, unter anderem auch der während des Krieges von der Exilregierung eingesetzte Kriegsminister Dragoljub "Draža" Mihailović. Die Todesstrafe gegen ihn ist bis heute Gegenstand erbittert geführter öffentlicher Debatten, die ihn je nach Interessenslagen populistisch instrumentalisieren. Den bisherigen Höhepunkt stellt wohl die Aufhebung der 1946 vollstreckten Todesstrafe gegen ihn nach neunjährigem Gerichtsverfahren am Höheren Gericht in Belgrad im Mai 2015 dar. Dieses Projekt setzt sich zum Ziel am Beispiel des Belgrader Prozesses die Aufarbeitung der Vergangenheit des sozialistischen Jugoslawien und des postsozialistischen serbischen Staates aus einer kulturgeschichtlichen Perspektive heraus in einem Dreischritt aus Prozess, Rezeption und Nachwirkung zu betrachten. Es soll gezeigt werden, wie der Belgrader Prozess auf unterschiedlichen Ebenen inszeniert wurde, welche zeitgenössischen Deutungen sich herausgebildet haben und wie diese bis heute in Serbien fortwirken. Somit soll es einen Beitrag zur Frühgeschichte des sozialistischen Jugoslawiens leisten und das jugoslawische Beispiel in den internationalen Kontext der Transitional Justice einordnen.


Forschungsschwerpunkte


  • Jugoslawische Geschichte
  • Erinnerungskultur in den Nachfolgestaaten Jugoslawiens
  • Holocaustforschung
  • Filmgeschichte Jugoslawiens