Sonstige Veranstaltungen 2016


Reihe: POLNISCHES KINO IN JENA 15: Demon/Dibbuk - Eine Hochzeit in Polen

Filmplakat

R: Marcin Wrona, PL/Israel 2015, 90 Min., Originalfassung mit deutschen Untertiteln
Piotr kommt aus England in die polnische Provinz, um die hübsche Żaneta zu heiraten. Das alte Haus, das ihnen aus diesem Anlass geschenkt wurde, soll ihr gemeinsames Zuhause werden. Doch es scheint einen Mitbewohner zu geben, der sich ausgerechnet in der Hochzeitsnacht bemerkbar macht - ein jüdischer Geist aus alten Zeiten erweckt die Vergangenheit zum Leben und ergreift vom Bräutigam Besitz.
Das klingt nach üblem Mystery-Kitsch und ist doch etwas ganz Anderes - nämlich ein intelligentes, irritierendes Spiel mit Genres inklusive Penderecki-Soundtrack. Marcin Wrona schlingert nicht nur galant zwischen Komödie und Tragödie hin und her, sondern hält auch noch zahlreiche Anspielungen auf andere Filme bereit. Wajdas "Die Hochzeit", Smarzowskis "Eine Hochzeit und andere Kuriositäten" und Pasikowskis "Nachlese" standen ebenso Pate wie Horrorklassiker à la "Der Exorzist" und "Ring".
Die polnische Filmwelt hielt den Atem an, als mitten ins Polnische Filmfestival in Gdynia 2015 die Schreckensnachricht platzte: Marcin Wrona hatte sich am Tag nach der Premiere von "Demon" mit 42 Jahren das Leben genommen. Somit ist sein dritter Spielfilm gleichzeitig sein Vermächtnis - ein kraftvolles, überraschendes, das mit den Erwartungen des Publikums spielt, sie stets aufs Neue enttäuscht und den Zuschauer mit zahlreichen Drehungen und Wendungen in immer wieder neue Situationen wirft. Wie in seinen vorherigen Filmen erzählt Wrona von den dunklen Seiten der Realität, lässt jedoch hier und da einen Lichtstrahl in die Düsternis scheinen.
Einführung: Dr. Jochen Böhler (Imre Kertész Kolleg, Jena)

Datum: Montag, 21. November 2016
Zeit: 19:30 Uhr
Ort: Kino im Schillerhof, Jena, Helmboldstraße 1
Eintritt: 8 €/ ermäßigt 7 € 

Reihe: POLNISCHES KINO IN JENA 14: Polskie gówno/Polish Shit

R: Grzegorz Jankowski, PL 2014, 93 Min., Originalfassung mit englischen Untertiteln
Das Angebot kann man einfach nicht ausschlagen: die alte Rockband "Tranzystory" wieder zusammentrommeln, die Revoluzzerlieder aus den Achtzigern entstauben, damit durch die Clubs des Landes tingeln und zur Krönung am Ende endlich das ersehnte eigene Album rausbringen. Und der Gerichtsvollzieher mimt sogar den Tourmanager. Also nichts wie rein in den Bandbus und ab mit ihm in die wilde Welt aus Sex, Drugs und Rock'n'Roll!
Aber der süße Rausch hält nicht lange an, denn die Musikszene ist ein Haifischbecken und bietet jenseits von Bühne und Bildschirm eher Schonkost: klapprige Tourbusse, mufflige Mehrbettzimmer, versiffte Backstageräume und unterschlagene Gagen. Der Film haut uns die Wahrheit über das polnische Showbusiness - und zwar eine, die wir so vielleicht lieber nicht gesehen hätten - als wildes, buntes Musical um die Ohren.
Dass der Film aus der Feder von Szene-Tausendsassa Tymon Tymański eine Low-Budget Produktion ist, sieht man ihm nicht an. Denn der Mangel an dicken Geldsäcken wurde durch ein Maximum an Energie und Konsequenz kompensiert, die aus einer kühnen Idee eine wirklich schräge Musikkomödie werden lassen, die sich diverse kräftige Seitenhiebe auf Musiker, Fans, Manager und Medienfuzzis leistet.

Eine Veranstaltung der Filiale Leipzig des Polnischen Instituts Berlin in Kooperation mit dem Aleksander-Brückner-Zentrum für Polenstudien an der Friedrich-Schiller-Universität Jena und dem Kino im Schillerhof. Mit freundlicher Unterstützung des Imre Kertész Kollegs an der Friedrich-Schiller-Universität Jena.  
Einführung: Andrea Priebe, M.A. ((Aleksander-Brückner-Zentrum für Polenstudien) 

Datum: Montag, 06. Juni 2016
Zeit: 19:30 Uhr
Ort: Kino im Schillerhof, Jena, Helmboldstraße 1
Eintritt: 6 / 4 € 

Reihe: POLNISCHES KINO IN JENA 13: Król życia/The King of Life

R: Jerzy Zieliński, PL 2015, 93 Min., Originalfassung mit englischen Untertiteln
Der 44jährige Edward (Robert Więkiewicz), durchschnittlicher Angestellter einer polnischen Firma, ist müde von der Eintönigkeit seiner Arbeit und dem täglichen beruflichen Konkurrenzkampf. Vor allem seine Familie bekommt Edwards Unzufriedenheit zu spüren. Ungeduld und Boshaftigkeit prägen seinen Umgang mit Ehefrau, Tochter und Vater.
Als er einen schweren Autounfall nur knapp überlebt, ändert sich jedoch seine Wahrnehmung der Wirklichkeit. Obwohl er seinen Job verliert und in derselben Wohnung lebt wie zuvor, entdeckt er das Glück nun in zahlreichen Kleinigkeiten und wirkt positiv auf die Menschen in seiner Umgebung...
Die Komödie aus dem Jahr 2015 ist das Regiedebüt des auch im Ausland bekannten polnischen Kameramanns Jerzy Zieliński (u.a. Monk, The Secret Garden, Galaxy Quest). Der Film qualifizierte sich für das Internationale Filmfestival im südkoreanischen Busan, einem der bedeutendsten Festivals in Asien, wo er in der Sektion "World Cinema" präsentiert wurde.

Eine Veranstaltung der Filiale Leipzig des Polnischen Instituts Berlin in Kooperation mit dem Aleksander-Brückner-Zentrum für Polenstudien an der Friedrich-Schiller-Universität Jena und dem Kino im Schillerhof. Mit freundlicher Unterstützung des Imre Kertész Kollegs an der Friedrich-Schiller-Universität Jena.  
Einführung: PD Dr. Vladislava Warditz (Aleksander-Brückner-Zentrum Jena)
Datum: Montag, 02. Mai 2016
Zeit: 19:30 Uhr
Ort: Kino im Schillerhof, Jena, Helmboldstraße 1
Eintritt: 6 / 4 €

Buchvorstellung und Diskussion: TIMOTHY SNYDER "BLACK EARTH"

Datum: 19. Februar 2016
Zeit: 16:15 - 17:45 Uhr
Ort: Großer Rosensaal, Fürstengraben 27, 07743 Jena


Was können wir heute, siebzig Jahre danach, aus der Erfahrung des Holocaust lernen? Der Historiker Timothy Snyder gibt darauf eine verstörende Antwort: sehr viel. Denn die treibenden Kräfte, die den Holocaust möglich gemacht hätten, seien weltweit erneut aktuell. Auf den dünnen Firnis der Zivilisation allein dürften wir uns nicht verlassen.
Mit seiner Neuinterpretation in "Bloodlands" und nun in "Black Earth" hat Snyder eine kontroverse Debatte angestoßen. Mit ihm diskutieren in Jena die Historiker Gerd Koenen und Wlodzimierz Borodziej.

Die Öffentlichkeit ist herzlich eingeladen. 

Den aktuellsten Beitrag von Timothy Snyder zum Thema Holocaust auf Deutsch finden Sie hier: In der Zone der Zerstörung, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.02.2016. 

Reihe: POLNISCHES KINO IN JENA 12: Solidarność według kobiet/Die Frauen der Solidarność

Filmplakat

R: Marta Dzido & Piotr Śliwowski, PL 2014, 113 min, poln. Original m. dt. Voiceover

Marta Dzido wühlt sich durch Fotoalben, blättert in Geschichtsbüchern und schaut Videos aus der Solidarność-Zeit Anfang der Achtzigerjahre. Immer wieder sieht sie Bilder, die zu Symbolen für den Fall des Kommunismus wurden: der geschmückte Zaun der Lenin-Werft in Gdańsk, diskutierende Streikkomitees oder Lech Wałęsa mit dem Victory-Zeichen. Überall sieht sie auch Frauen - an der Druckerpresse, bei Verhandlungen und beim Jubel nach der offiziellen Genehmigung freier unabhängiger Gewerkschaften. Bekannte Gesichter wie das von Anna Walentynowicz sind darunter, aber die meisten sind anonym. Die Historiker schweigen sich über sie aus.
Wer waren die Heldinnen der Oppositionsbewegung? Was ist aus ihnen geworden? Wie kam es, dass nur eine einzige von ihnen 1989 am Runden Tisch Platz nahm? Warum spielen sie in der Geschichtsschreibung höchstens eine Nebenrolle? Wie konnte es passieren, dass so viele von ihnen vergessen wurden, obwohl sie in den dramatischen Sommermonaten des Jahres 1980 eine fundamental wichtige Rolle spielten?

Marta Dzido macht sich mit der Kamera in der Hand auf den Weg, um die Heldinnen von damals und gemeinsam mit ihnen Antworten auf diese Fragen zu finden. Manche Protagonistinnen des Umbruchs sind leicht zu finden, anderen muss sie bis ins Ausland folgen. Gemeinsam erzählen sie ein Kapitel europäischer Zeitgeschichte neu - aus femininer Perspektive, mit neuen Hauptfiguren.

Eine Veranstaltung der Filiale Leipzig des Polnischen Instituts Berlin in Kooperation mit dem Aleksander-Brückner-Zentrum für Polenstudien an der Friedrich-Schiller-Universität Jena und dem Kino im Schillerhof. Mit freundlicher Unterstützung des Imre Kertész Kollegs an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. 

Einführung: Prof. Dr. Joachim von Puttkamer (Imre Kertész Kolleg/ Aleksander-Brückner-Zentrum für Polenstudien)
Datum: Montag, 25. Januar 2016
Zeit: 19:30 Uhr
Ort: Kino im Schillerhof, Jena, Helmboldstraße 1
Eintritt: 6 / 4 €

Podiumsdiskussion

Polen 2016: Europa und die illiberale Demokratie


Datum: 22. Januar 2016
Zeit: 16-18 Uhr 
Ort: Großer Rosensaal, Fürstengraben 27, 07743 Jena


Polen steht im Fokus: Die neue Regierung hat das Verfassungsgericht entmachtet, die Spitzenpositionen in den öffentlichen Medien ausgetauscht und plant, den öffentlichen Dienst stärker politisch zu kontrollieren. Grund genug für die EU-Kommission, diese Maßnahmen auf ihre Rechtsstaatlichkeit hin zu überprüfen. Aber was treibt die rechtskonservative Regierung in Warschau um? Geht es um die Errichtung einer illiberalen Demokratie nach ungarischem Vorbild? Welche Auswirkungen hat diese Politik auf die deutsch-polnischen Beziehungen? War die EU-Osterweiterung im Rückblick ein Fehler oder droht gar das Ende der EU?
Diesen drängenden Fragen geht das Imre Kertész Kolleg nach und veranstaltet eine öffentliche Diskussion mit Roland Freudenstein (Wilfried Martens Center for European Studies, Brüssel) und den beiden Direktoren des Kollegs Prof. Dr. Włodzimierz Borodziej (Warschau/Jena) und Prof. Dr. Joachim v. Puttkamer (Jena).
Die Öffentlichkeit ist herzlich eingeladen!