Dr. Petr Roubal

Curriculum Vitae


Petr Roubal ist seit 2008 als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Postsozialismus (Institut für Zeitgeschichte) der Akademie der Wissenschaften in Prag tätig. Darüber hinaus arbeitet er seit 2011 als Dozent an der Philosophischen Fakultät der Karlsuniversität Prag. Zuvor war er, ebenfalls in Prag, von 2007-2011 Mitarbeiter beim Rat des Internationalen Bildungsaustauschs (Council on International Educational Exchange). Im Jahr 2007 wurde er vom Historischen Institut der Central European University promoviert, im Jahr 2002 beendete er sein Studium der Sozialanthropologie an der University of Cambridge mit einem Magister. Darüber hinaus absolvierte er im Jahr 2000 seinen Master in Geschichtswissenschaft an der Central European University.


Forschungsprojekt am Kolleg



Das Forschungsprojekt befasst sich mit dem wenig erforschten Thema der urbanen Planung Prags in der Zeit nach 1968, als sich die Zustände "normalisierten" bzw. das Regime sich konsolidierte, bis zur Samtenen Revolution 1989. Im Zentrum der Arbeit soll die Frage nach der Beschaffenheit der spätsozialistischen Regierungsweise stehen. Insbesondere wird es darum gehen, welche Rolle die Experten und technokratischen Eliten im Machtsystem der staatssozialistischen Diktatur gespielt haben, in der von der Wiege bis zur Bahre alles genauestens durchgeplant wurde. Die Erforschung der Expertenkultur enttarnt das staatssozialistische Experiment als Teil eines größeren Pools an Modernitätsprojekten, die alle einer technokratischen und von Experten gelenkten Regierungsweise zustrebten. Stadtentwicklungsplaner sind in diesem Zusammenhang ein aussagekräftiges Beispiel für die Rolle von Experten im Staatssozialismus, da sie bei ihrer Arbeit keine Rücksicht auf Standortwerte oder Eigentumsrechte nehmen mussten und über eine überraschend hohe Autonomie der Kommunistischen Partei gegenüber verfügten. Auf der anderen Seite, und im Gegensatz zu vielen anderen Experten des Staatssozialismus, waren die Visionen der Stadtentwicklungsplaner in hohem Maße von der vorhandenen "hardware" der Stadt, also der existierenden architektonischen Struktur, eingeschränkt. Dies traf insbesondere auf die mittelosteuropäischen Städte zu, die vorwiegend während der späten Phase der Industrialisierung entstanden waren. Stadtentwicklungsplaner scheinen eine ambivalente Rolle unter dem Regime nach 1968 gespielt zu haben, weil sie es einerseits durch ihre rationalen und fachgerechten Lösungsvorschläge unterstützten, es aber anderseits Ende der 1980er Jahre unterminierten, indem sie die Irrationalität des staatssozialistischen Projekts aufzeigten.


Forschungsschwerpunkte


  • politische Rituale im 20. Jahrhundert
  • Legitimation des Staatssozialismus
  • politische und geisteswissenschaftliche Geschichte des Postkommunismus
  • Geschichte Prags nach dem Zweiten Weltkrieg




Funktionen und Mitgliedschaften


  • wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Postsozialismus (Institut für Zeitgeschichte) der Akademie der Wissenschaften in Prag
  • Mitglied des Redaktionsbeirats der Zeitschrift Dějiny, teorie, kritika