Steven Müller
Curriculum Vitae


Steven Müller ist seit April 2016 assoziiertes Mitglied der Doktorandenschule des Imre Kertész Kollegs. Seit 2015 ist er Doktorand der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Zuvor war er als Wissenschaftliche Hilfskraft an den Universitäten Wien und Heidelberg sowie an der Mitarbeit an dem Ausstellungsprojekt "Die Wittelsbacher am Rhein - Die Kurpfalz und Europa" an den Reiß-Engelhorn-Museen Mannheim tätig. Von 2012 bis 2015 absolvierte er sein Masterstudium in Osteuropäischer Geschichte an der Universität Wien. Von 2009 bis 2012 studierte er im Bachelorstudium Mittlere und Neuere Geschichte sowie Politikwissenschaft an der Universität Heidelberg und der Staatlichen Universität St. Petersburg.


Forschungsprojekt am Kolleg



Der Thronwechsel 1730 in Russland aus europäischer Perspektive - Die Etablierung einer Aristokratie im Zarenreich als Gefährdung des europäischen Mächtegleichgewichts? (Arbeitstitel)

Mit dem unerwarteten Tod des 14-jährigen russischen Zaren Peter II. 1730 war nicht nur die männliche Line der Dynastie der Romanovs erloschen, sondern auch die Zukunft des russischen Reiches insgesamt ungewiss. Der Thronwechsel im Russländischen Reich 1730 stellt auf Grund seiner Besonderheiten das zentrale Thema dieses Dissertationsvorhabens da.Es handelte sich hierbei nicht nur um den Versuch der Etablierung einer aristokratischen Regierungsform, sondern auch um die Wahl einer Frau zur Herrscherin, um das aufgetretene dynastische Nachfolgeproblem zu lösen.
Dieses Dissertationsprojekt untersucht die Wahrnehmung des Thronwechsels im Zarenreich aus der Perspektive ausgewählter Höfe in Europa. Hierbei geht es neben dem Kaiserhof in Wien um die Höfe Preußen, Holstein-Gottorf, Mecklenburg-Schwerin, England sowie die in Personalunion regierten Höfe Sachsen und Polen. Die diplomatischen Beziehungen dieser Staaten mit dem Zarenreich werden anhand der jeweiligen Gesandtschaftsakten (Archivalien) für den Untersuchungszeitraum von der Erkrankung Peters II. (18. Januar 1730) bis zur Ausrufung Anna Ivanovnas zur Autokratin (8. März 1730) analysiert und ausgewertet.
In einer ersten Betrachtung werden die bilateralen Beziehungen zwischen dem Moskauer Hof und den jeweiligen europäischen Höfen in den Blick genommen, um die Wahrnehmungen der russischen Gegebenheiten aus Sicht der verschiedenen europäischen Höfe aufzuzeigen. Wie wurden die Initiatoren, Unterstützer und Feinde der aristokratischen Bewegung von den europäischen Diplomaten wahrgenommen? Wie interagierten die Gesandten der einzelnen europäischen Höfe untereinander und mit den Würdenträgern des russischen Hofes? Auf welche Informationsquellen können sie sich stützen und welchen Stellenwert nehmen Gerüchte in ihren Berichten ein?
In einem zweiten Schritt wird untersucht, inwieweit der kaiserliche Hof in Wien Einfluss auf die Reaktionen Preußens, Holstein-Gottorfs, Mecklenburg-Schwerins, Englands sowie Sachsens und Polens auf die russischen Gegebenheiten nahm.
Aus dieser doppelten Betrachtung ergibt sich, inwieweit die Wahl einer Frau zur Zarin, die Restriktionen ihrer Macht und die Ausdifferenzierung der außenpolitischen Akteure Auswirkungen auf die Bündniskonstellationen des Kaiserhauses in Wien hatten. Gefährdete der Versuch der Etablierung einer aristokratischen Regierungsform in Russland das Gleichgewicht der europäischen Mächte als Ganzes?


Forschungsschwerpunkte


  • Diplomatiegeschichte
  • Europäische Verflechtungsgeschichte (18. Jahrhundert)
  • Russische Geschichte (18. Jahrundert)