Dr. Katharina Lenski

Curriculum Vitae


Katharina Lenski ist Historikerin, Soziologin und Erziehungswissenschaftlerin. Sie wurde im Jahr 2015 zur Universitätsgeschichte im Kontext der Staatssicherheit promoviert und hat zahlreiche Forschungsprojekte vorrangig mit kulturwissenschaftlichen Methoden zur Geschichte der DDR und zu staatssozialistischen Bürokratien, besonders der Staatssicherheit, zur Universitäts- und Bildungsgeschichte, zur Geschichte der Jugend und ihrer Kulturen sowie zur Kirche nach 1945 durchgeführt. Sie forscht am Kolleg zur Ausgrenzung im Staatssozialismus in transnationaler Perspektive und fragt nach dem Weiterwirken von Stereotypen und ihrer sozialen Praxis seit der Zeit vor 1945. Seit 1991 hat sie eines der wichtigsten Gesellschaftsarchive zur Dissidenz in der DDR, das Thüringer Archiv für Zeitgeschichte "Matthias Domaschk", aufgebaut und bis 2011 geleitet. In der DDR hat sie Medizin studiert, wurde politisch exmatrikuliert und war im Anschluss in der Berliner Opposition aktiv, wo sie hauptsächlich Samisdat publizierte. Sie war seitdem bis 2001 außerdem als Keramikerin und Malerin tätig. Im Jahr 2001 wurde sie politisch rehabilitiert und schloss das anschließende Studium im Jahr 2008 als Magistra Artium ab.


Forschungsprojekt am Kolleg



Bis heute gehören "Asoziale" zur Gruppe derjenigen, die nur bedingt oder nicht als Opfer der NS-Morde anerkannt wurden. Zugleich präsentierten sie sich nicht als eigenständige Opfergruppe, was auf den Konstruktionscharakter ihrer Etikettierung verweist. Diejenigen Personen/-gruppen, die im Staatssozialismus als asozial stigmatisiert wurden, nahm die Forschung bislang ebenso marginal wahr, und auch sie bilden bis auf den Sonderfall der DDR-Ausreisebegehrenden keine eigenständige Verfolgtengruppe. Rehabilitierungsverfahren verliefen oft erfolglos, da die herrschaftssprachlichen Zuschreibungen in den Quellen meist nicht als solche begriffen wurden. Kritisch wurde die Problematik in der BRD ebenso wenig reflektiert, wenn auch der zugrunde liegende biologistische Diskurs seit dem Ende der 1960er Jahre von einer Reformdiskussion abgelöst wurde. In der DDR setzten sich zunehmend restriktivere Gesetze durch, die zum Teil auf der NS-Praxis fußten, doch auch auf Maßnahmen der SMAD zur Einrichtung von "Arbeitskolonien" aus dem Jahr 1946. Letztere schlossen an das Vorbild der Sowjetunion an, wo seit dem Ende des 19. Jahrhunderts so genannte "Parasiten" und "Zigeuner" verfolgt wurden. Für abweichende Lebens- und Kleidungsstile Jugendlicher bildete sich in der Sowjetunion der Terminus "chuliganstwo" (Hooliganismus) heraus. Dieses Stigma setzte sich offenbar auch in anderen osteuropäischen Ländern durch und scheint sich bis heute fortzusetzen. Das ist auch darauf zurückzuführen, dass das komplexe Zusammenwirken der repressiven Instanzen, von Polizei, Justiz und Geheimpolizei, mit denen der Sozialfürsorge und der "Bevölkerung" als vertikales wie horizontales Zuschreibungsnetzwerk bislang unscharf blieb. Im Mittelpunkt des Projekts stehen deshalb Ab- und Ausgrenzungsverhältnisse, die im Kontext bürokratisch fixierter Denkweisen entstehen und sich mit bzw. durch Bürokratien perpetuieren. Davon waren die gesellschaftlichen Subsysteme im Staatssozialismus in spezifischer Weise betroffen. Die gesellschaftliche Praxis folgte dort dem Sog von Ordnungsprinzipien, die Unbestimmtes nicht oder nur gegen Widerstände zulassen konnten. Insbesondere die Phase der so genannten "Normalisierung" (Fulbrook) rückt dabei ins Blickfeld. Zwar gilt sie als innenpolitische Entspannungsphase, was aber die späteren gesellschaftlichen Spannungen erklärungsbedürftig erscheinen lässt. Der Begriff ist deshalb als Quellenbegriff zu verstehen und auf seine konkrete sowie allgemeine Funktionalität im Kontext der übergeordneten Prozesse zu untersuchen. Die Ergebnisse der Studie werden publiziert.


Forschungsschwerpunkte


  • DDR Geschichte und Sowjetisch Besetzte Zone
  • Bundesrepublik Deutschland bis 1990 und Westzonen
  • Europäische Geschichte
  • Geschichte des Nationalsozialismus
  • Gesellschafts- / Sozialgeschichte
  • Theorien und Methoden in der Geschichtswissenschaft
  • Bildung, Erziehung / Sozialisation
  • Universitäts- und Wissenschaftsgeschichte
  • Geschichte der Ideen und Ideologien
  • Geschichte von Staatsbürokratien
  • Verwaltungs- und Archivgeschichte
  • Kultur und Repräsentation
  • Gedächtnis und Erinnerung



Funktionen und Mitgliedschaften


  • 1991-2011 Thüringer Archiv für Zeitgeschichte "Matthias Domaschk", Aufbau und Leitung
  • 2009-2012 Promotionsstipendiatin der Landesgraduiertenförderung Thüringen
  • 2015/2016 wissenschaftliche Mitarbeiterin der FSU Jena