Workshops 2015

Gegen unseren Willen?: Ost- und Südosteuropäer in der Waffen-SS – Kulturelle Aspekte und Historischer Kontext

Gefördert von der Gerda Henkel Stiftung

Datum
: 4.-5. Dezember 2015
Ort: Rosensäle der Friedrich-Schiller-Universität, Fürstengraben 27, Jena
Veranstalter: Imre Kertész Kolleg 

"Askaris, die mit eingesetzt waren." Zwei Trawnikis als Vertreter sogenannter „fremdvölkischer Hilfseinheiten“ der SS stehen vor den Leichen getöteter Juden in einem Hauseingang im Warschauer Ghetto [April/May 1943]. Quelle: USHMM #51008

Mehrere internationale Konferenzen in den letzten zwei Jahren machen deutlich, dass die Desiderate in der Geschichte der Waffen-SS – insbesondere in Bezug auf den Krieg im Osten – mitnichten alle erforscht sind. Im Gegenteil: 70 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges steht angesichts immer neuer Konflikte in Ost- und Südosteuropa eine Dringlichkeit im Raum, die Erforschung der Waffen- SS gerade in diesen Regionen voranzutreiben. Bei der Konferenz in Jena am 4. und 5. Dezember 2015 werden kulturgeschichtliche Aspekte im Vordergrund stehen; bisherige Forschungsergebnisse aus militär-, wirtschafts- und sozialhistorischer Perspektive sollen dabei mit einfließen. In dieser Kulturgeschichte der Kollaboration ost- und südosteuropäischer Staaten mit der Waffen-SS soll sowohl die nationalsozialistische Seite, das Herantreten der deutschen Besatzer an die Bevölkerung vor Ort, als auch die Seite der Beworbenen thematisiert werden.

Wie sahen die nationalsozialistischen Rekrutierungsstrategien für „Fremdvölkische“ in die Waffen-SS aus? Wie wurden die für die SS üblichen Rekrutierungsgrundlagen umgeschrieben und angepasst? Der multiethnische Kessel, den Südost-/Osteuropa bildet, bot für solch neue Rekrutierungsmethoden eine ideale „Spielwiese“ für die SS-Werber. Durch mangelnde Kenntnis der zu bewerbenden Gebiete stellten sich den Vertretern der SS allerdings in vielen Belangen Probleme: Wie zum Beispiel sollten sie mit der religiösen Diversität in diesem Raum umgehen? So etwa suchte die SS die Nähe zum Islam, um Muslime zu rekrutieren, konnte aber in anderen Bereichen nicht auf Orthodoxe und Katholiken verzichten.

Auf Seiten der Rekrutierten spielte aber oft die Religionszugehörigkeit bzw. die Zugehörigkeit zu einer Ethnie eine zentrale Rolle. Wie wichtig war diese Zugehörigkeit zum orthodoxen, katholischen oder muslimischen Glauben vor dem Krieg und wie veränderte sich ihr Stellenwert im Kriegsalltag? Welche Motivation lag der Entscheidung, in den Reihen der Waffen-SS zu dienen, zugrunde? Oder wurden die zukünftigen Söldner unter Zwang rekrutiert? Wurden diese „Fremdvölkischen“, nachdem sie ihren Blutzoll an der Seite der Deutschen geleistet hatten, in die „pangermanische“ Elite aufgenommen oder blieben sie weiterhin „Kanonenfutter“?
Wesentlich scheint die Tatsache, dass nebst „fremdvölkischen“ SS-Einheiten auch Auxiliarverbände, so genannte „nationale Banden“, in der Partisanenbekämpfung, bei der Umsetzung des Holocaust aber auch bei der Eskalation bereits vorhandener interethnischer Konflikte eine Rolle spielten.
Ein letzter Teil soll der Aufarbeitung der Nachkriegszeit in den sozialistischen
Staaten Südost- und Osteuropas gewidmet werden und Schicksale ehemaliger „fremdvölkischer“ SS-Angehöriger beleuchten.
Konferenzsprachen: Deutsch und Englisch (ohne Übersetzung)

Das Programm finden Sie als PDF-Dokument hier

Workshop: Neue Forschungen zur Geschichte der Perestrojka

Datum: 15.-16. Oktober 2015 
Ort: Friedrich-Schiller-Universität Jena, Imre Kertész Kolleg, Am Planetarium 7, 07743 Jena 
Veranstalter: Imre Kertész Kolleg und Lehrstuhl für Osteuropäische Geschichte der Universität Jena 
Die Geschichte der Perestrojka ist neu und wird - wohl aus dem Grund - gerne am Stück und vom Ende her erzählt. ´Perestrojka´ und ´Untergang der Sowjetunion´ erscheinen oft in nur einem Satz. Dagegen gibt es einen großen Bedarf an Forschungen, die die Umgestaltung in der UdSSR zwischen 1985 und 1991 als Geschichte vielfältiger einzelner Prozesse und verflochtener Dynamiken mit unvorhergesehenem, ungeplantem oder auch anders gedachtem Ausgang analysieren.
Mit Schwerpunkt auf den inneren Entwicklungen in der UdSSR, speziell auch in ihren Teilrepubliken, holt der Workshop in Jena solche Feldforschungen zur Perestrojka zusammen. Die Beiträge präsentieren neueste Ergebnisse aus komplexen Gebieten wie die Beziehungen zwischen Zentrum und Peripherie, Wirtschaftsentwicklung, Menschenrechte und Reflexionen und Reaktionen auf die Perestrojka in Kultur und Gesellschaft. Methodische Probleme der Erforschbarkeit dieser gerade erst zurückliegenden Epoche sollen in der Diskussion zur Sprache kommen.

Die Veranstalter freuen sich über ein Interesse an diesem Workshop, müssen aber darauf hinweisen, dass die Teilnehmerzahl aus Platzgründen begrenzt ist. Um Voranmeldung wird daher gebeten. Kontakt raphael.utz(at)uni-jena(dot)de   

Das Programm finden Sie als PDF-Dokument hier

Beyond Defeat and Victory: Physical Violence and the Reconstitution of East-Central Europe, 1914–1923

Datum: 17.- 19. September 2015
Ort: Austrian Cultural Forum, Jungmannovo nám. 18, Praha 1; Vila Lanna, V Sadech 1, Praha 6
VeranstalterMasaryk Institute and Archives of the Czech Academy of Sciences,
Prague
; Department of Austrian and German Studies, Faculty of Social Sciences, Charles University in Prague; Imre Kertész Kolleg Jena

Violence during and in the immediate aftermath of the First World War is a frequent research topic pursued in various contexts and within the framework of different methodological approaches. However, culturally inspired analyses as well as expansions of the horizon beyond the boundaries of a particular nation-state have been rare. Moreover, almost all the existing scholarship focuses on those states in East-Central Europe that emerged from the wartime collapse as defeated. The other side of the fall and reconstruction of East-Central Europe at the turn of 1910s and 1920s that did not originate from the “culture of defeat,” but rather from the opposite “culture of victory,” has been missed. The conference “Beyond Defeat and Victory: Physical Violence and the Reconstitution of East-Central Europe, 1914–1923” seeks to fill this gaps in international scholarship by exploring the possibilities in comparing the role of physical violence in the two distinct social environments formed by the “culture of victory” and “culture of defeat” in East-Central Europe during and after World War I.

The program of the conference can be viewed here

Revolution und Krieg: Die Ukraine in den großen Transformationen des neuzeitlichen Europa

Datum: 28.-29. Mai 2015
Ort: TAGUNGSWERK JERUSALEMKIRCHE Lindenstraße 85, 10959 Berlin
Veranstalter: Eine Konferenz der Deutsch-Ukrainischen Historikerkomission im VHD, dem Imre Kertész Kolleg Jena und der Graduiertenschule für Ost- und Südosteuropastudien München/Regensburg.

Eine der wichtigsten Aufgaben der Historiografie der Ukraine heute, ist die Verortung ihrer Geschichte in transnationalen Bezügen. Dazu leistet die international hochkarätig besetzte Konferenz „Revolution und Krieg. Die Ukraine in den großen Transformationen des neuzeitlichen Europa“ einen Beitrag. In vier Sektionen setzen sich Historikerinnen und Historiker mit der ukrainischen Geschichte im Rahmen europäischer Transformationsprozesse vom 17. Jahrhundert bis in das 20. Jahrhundert auseinander. Eckpunkte der wissenschaftlichen Debatte bilden Zäsuren wie der 30-jährige Krieg, 1618-1648, der Erste und Zweite Weltkrieg sowie die Entwicklung der Ukraine seit 1989.

Das Programm zur Konferenz finden Sie als PDF-Dokument hier.