Cornelia Bruhn
Curriculum Vitae  


Cornelia Bruhn ist seit Februar 2016 assoziiertes Mitglied der Doktorandenschule des Imre Kertész Kollegs. Zuvor war sie als Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Stiftung Ettersberg Weimar/ Gedenk- und Bildungsstätte Andreasstraße Erfurt  und in der redaktionellen Mitarbeit an Ausstellungsprojekten zur Weimarer Republik des Weimarer Republik e.V. und des Stadtmuseums Weimar tätig. Seit 2014 ist sie Wissenschaftliche Hilfskraft am Imre Kertész Kolleg. Von 2012 bis 2015 absolvierte sie ihr Masterstudium der „Geschichte und Politik des 20. Jahrhunderts“ an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Von 2008 bis 2012 studierte sie im Bachelorstudium Geschichte und Musikwissenschaft in Jena, Weimar und St. Petersburg. 


Promotionsprojekt


„Sag' mir, wo du stehst“


Die Akteure der DDR-Singebewegung zwischen staatlicher Inszenierung und künstlerischer Selbstbehauptung im internationalen Gefüge des Kalten Krieges


Die DDR-Singebewegung war ein weit verzweigtes, vielschichtiges und sich seit ihren Anfängen in den 1960er Jahren wandelndes gesellschaftliches Phänomen. Neben ihrer prominenten Gruppe Oktober-Klub umfasste sie Mitte der 1970er Jahre ca. 4.000 Singeklubs. Diese bespielten den Grenzbereich zwischen staatlich geförderter Kunst und einer Kulturszene, die mit kritischem Blick auf die Vorgänge im DDR-Sozialismus sah. Der Kommunikationsraum Singeklub war zugleich musikalisches Experimentierfeld und Diskussionsort in der Grauzone zwischen staatlicher Überformung und individuellem künstlerischem Ausdruck.


Aushandlungsprozesse um die staatliche Leitkultur und individuelle Freiräume gehören ebenso zur Geschichte der Singebewegung wie der staatliche und künstlerische Umgang mit der problematischen Tradierung deutschen Liedguts nach dem Nationalsozialismus, der Neuschaffung sozialistischer Lieder sowie einer genuin ,sozialistischen Kultur‘ und der musikalischen Ausrichtung der Akteure auf sowohl sowjetische als auch amerikanische und westdeutsche Vorbilder. Diese Aspekte sollen anhand ausgewählter Bands und Liedermacher*innen in historisch-musikwissenschaftlicher Perspektive untersucht werden. Auch sollen die internationalen Verflechtungen der Akteure mit ost- und westeuropäischen sowie amerikanischen Musikern nachgezeichnet werden, um die internationale Dimension der Singebewegung im Kontext des Kalten Krieges und einer internationalen Jugendbewegung zu verdeutlichen.
Die Studie endet nicht 1989/90, sondern zeichnet auch das heutige Verhältnis der damaligen Akteure zur DDR und zur Singebewegung nach, wobei nicht nur der Bruch in den Biographien sondern auch die Kontinuitäten nachgezeichnet werden sollen, wie sie etwa am Beispiel des seit 2000 erneut stattfindenden Nachfolgefestivals des Berliner „Festivals des politischen Liedes“ – des „Festivals Musik und Politik“ – sichtbar werden.


Forschungsschwerpunkte



  • Kultur- und Musikgeschichte der DDR
  • Sowjetische Geschichte
  • Holocaustforschung
  • Kuratorische Fragen