Dr. Volha Bartash

Curriculum Vitae


Bevor Volha Bartash zum Imre-Kertész-Kolleg kam, recherchierte sie am Wiener Wiesenthal Institut für Holocaust-Studien zum Thema des nationalsozialistischen Genozids an der Roma-Bevölkerung in Weißrussland und Litauen. 2013-2015 hielt sie ein Kone Foundation Fellowship am Helsinki Collegium for Advanced Studies sowie ein Jeff and Toby Herr Fellowship am United States Holocaust Memorial Museum. Im Jahr 2013 erhielt Volha Bartash den Marian Madison Gypsy Lore Society Young Scholar's Prize für Roma-Studien. 2011 wurde sie im Bereich der Anthropologie vom K. Krapiva Institut für Kunst, Ethnographie und Volkskunde der Nationalen Akademie der Künste Weißrussland promoviert, wo sie an verschiedenen Gruppenprojekten beteiligt war.


Forschungsprojekt am Kolleg


Während des Fellowships am Kolleg, wird Volha Bartosh an ihrem Buchprojekt "Überleben als tägliche Routine. Geschichte und Erinnerung des nationalsozialistischen Genozids an den Roma in der Region der weißrussisch-litauischen Grenze" arbeiten. Neben der jüdischen Minderheit, waren auch die Roma in der Region der weißrussisch-litauischen Grenze vom nationalsozialistischen Genozid betroffen. Trotzdem ist über ihr Leid und ihren Überlebenskampf nur wenig bekannt: die Überlebenden haben uns keine Memoiren überlassen und auch die Archivakten können keine Einblicke in das Leben der lokalen Roma-Gemeinden geben. Daher eröffnet ethnographische Feldarbeit unter den Roma eine vollkommen neue Perspektive auf das Leben der Menschen unter der Besatzung. Für sie war der Kampf ums Überleben ein alltägliche Routine, die aus drei zentralen Fragen bestand: wo sollen wir uns verstecken, wie sollen wir für unsere Familien sorgen und wie sollen wir weiter in Bewegung bleiben?Durch die Kombinationen verschiedener wissenschaftlicher Erkenntnisse, möchte das Projekt folgende Fragen beantworten: Was waren Antworten der Roma auf die Verfolgung durch die Nationalsozialisten und welche Überlebensstrategien entwickelten sie? Wie unterschieden sich diese Strategien zwischen sesshaften und nomadischen Gemeinden? Gab es einen Roma-Widerstand und wie sah dieser aus? Auf welche Weise traten die Roma Partisaneneinheiten bei? Was waren Auswirkungen der lokalen interethnischen Beziehungen auf das Schicksal der Roma unter der deutschen Besatzung?Außerdem untersucht die Arbeit die Formen des Gedenkens der lokalen Roma-Gemeinden, um zu zeigen, wie heute an die Opfer des nationalsozialistischen Genozids erinnert wird und welchen Platz die Massengräber der Roma in der heutigen Erinnerungskultur der Grenzregion haben.


Forschungsschwerpunkte


  • Geschichte und Ethnologie der europäischen Roma (insbesondere in Weißrussland und den baltischen Staaten)
  • Holocauststudien
  • Erinnerungskultur
  • Anthropologie der sowjetischen und post-sowjetischen Gesellschaften



Funktionen und Mitgliedschaften


  • außerordentliches Mitglied des Europäischen Akademischen Netzwerks für Roma-Studien