Reihe: POLNISCHES KINO IN JENA - 11: Ki – nie polubisz jej/Ich heiße Ki

Filmplakat

R: Leszek Dawid, PL 2011, 99 min, Originalfassung mit englischen Untertiteln


Kinga, genannt Ki, ist die junge alleinerziehende Mutter des 2-jährigen Pio. Sie will mehr vom Leben und zieht nach der Trennung vom Vater ihres Kindes in eine Wohngemeinschaft mit dem bodenständigen Miko. Statt sich jedoch um Pios Erziehung zu kümmern, tut sie lieber alles, um dem Klischee einer ausgebrannten, alleinerziehenden Mutter zu widersprechen. Während sie sich die Nächte auf Partys um die Ohren schlägt, beginnen sich zuhause die Rechnungen zu stapeln. Immer wieder kollidiert die Verantwortung, die die Erziehung ihres Sohnes mit sich bringt, mit dem Wunsch nach einem sorgenfreien, unbestimmten Leben. Allmählich stößt sie aber mit dem Alltag, ihrem Kind, diversen Jobs und Partys an die eigenen Grenzen - und an die ihrer Mitmenschen. Als ihr dann auch noch das Sozialamt droht, scheint das Chaos perfekt...Der Dokumentarfilmer Leszek Dawid zeichnet in seinem Spielfilmdebüt "Ich heiße Ki" ein Portrait übers Erwachsenwerden in der modernen, urbanen Welt, und darüber für sich selbst und andere Menschen Verantwortung zu übernehmen. Ein Lehrstück über das Projekt "Leben". "Die größte Entdeckung des diesjährigen Festivals in Gdynia. So ein authentisches, tiefes und in psychologischer Hinsicht überzeugendes Portrait einer jungen Frau in der heutigen Zeit gab es im polnischen Kino seit Jahren nicht mehr." (Przemysław Gulda, Gazeta Wyborcza) Festivals und Auszeichnungen: Venedig International Filmfestival, Filmfestival Cottbus (Beste Hauptdarstellerin & Publikumspreis), Göteburg International Film Festival, Gdynia Film Festival (Beste Hauptdarstellerin), OFF Plus Camera (Bester Spielfilm)

Eine Veranstaltung der Filiale Leipzig des Polnischen Instituts Berlin in Kooperation mit dem Aleksander-Brückner-Zentrum für Polenstudien an der Friedrich-Schiller-Universität Jena und dem Kino im Schillerhof. Mit freundlicher Unterstützung des Imre Kertész Kollegs an der Friedrich-Schiller-Universität Jena.
Einführung: Andrea Priebe (Aleksander-Brückner-Zentrum Jena)
Datum: Montag, 30. November 2015
Zeit: 19:30 Uhr
Ort: Kino im Schillerhof, Jena, Helmboldstraße 1
Eintritt: 6 / 4 €

Podiumsdiskussion: OSTEUROPA,DEUTSCHLAND UND DIE FLÜCHTLINGSKRISE

Termin: Montag, 19. Oktober 2015, 18:00
Ort: Großer Rosensaal, Fürstengraben 27, 07743 Jena

Der Zustrom und die Aufnahme von Flüchtlingenstellen Europa vor bislang ungeahnte Aufgaben und die EU erneut auf eine harte Probe. In den mitunter schrillen Tönen etwa aus Ungarn, Polen oder der Slowakei werden vertraute Ängste und Abwehrreflexe, aber auch unterschiedliche historische Erfahrungen sichtbar. Darüber, wie man sich gegenüber der großen Zahl an Flüchtlingen und Zuwanderern verhalten will, wird in allen europäischen Ländern durchaus kontrovers gestritten, vielfältiger und heftiger, als dies in deutschen Medien sichtbar wird.
Das Imre Kertész Kolleg an der FSU Jena möchte hier ansetzen. Eine Reihe von Wissenschaftlern, die zur Zeit am Kolleg zu Gast sind berichten im Rahmen einer öffentlichen Podiumsdiskussion aus ihren osteuropäischen Heimatländern. Moderiert wird das Gespräch vom Direktor der Kertész Kollegs, Prof. Dr. Joachim von Puttkamer.
Der Eintritt ist frei, die Öffentlichkeit ist herzlich eingeladen. Die Veranstaltung findet zum Teil in englischer Sprache statt.

Programmflyer als PDF-Datei

Reihe: POLNISCHES KINO IN JENA - 10: Obywatel/ Citizen

Filmplakat

Regie: Jerzy Stuhr, Polen 2014, 108 Min., Originalfassung mit englischen Untertiteln

Der durch Kieślowski-Filme international bekannt gewordene Schauspieler Jerzy Stuhr hat sich in den letzten 15 Jahren auch als Regisseur einen Namen gemacht. Seine Werke tragen eine typische Autoren-Handschrift – sie pendeln zwischen Komik und Tragik, behandeln alltägliche Dinge mit großer Tragweite und haben mindestens eine Nebenrolle für den Regisseur parat. In dieser Hinsicht ist „Obywatel“ zu 100 % Stuhr – denn hier ist Stuhr in seiner Hauptrolle als Jan Bratek nicht nur Dreh- und Angelpunkt der Handlung, sondern wagt retrospektiv aus dem Krankenhausbett auch noch einen Parforceritt durch die gesamte polnische Geschichte nach 1945.
Genau genommen bekommt der Zuschauer sogar 200 % Stuhr, denn der junge Jan Bratek wird durch keinen Geringeren als Stuhrs Sohn Maciej verkörpert, der hier erstmals in die Haut seines Vaters schlüpft. Beide werden vom Strudel der Ereignisse immer wieder mitgerissen und haben dabei ein traumwandlerisches Geschick, zielsicher in den einzigen vorhandenen Fettnapf zu treten. Der Zuschauer bekommt also nicht nur einen tragisch-tolpatschigen Helden, mit dem er sich identifizieren kann, sondern auch noch eine außergewöhnliche Lehrstunde in Zeitgeschichte. Wo auch immer Geschichte geschrieben wird – ob nun Stalinismus, Solidarność oder Nachwendewirren – Bratek stet immer in der ersten Reihe, und zwar derjenigen der Verlierer.
Stuhr verkörpert nicht nur einen Polen im Mahlstrom der Geschichte – er IST Polen. Seine Mischung aus Unbedarftheit, Feuereifer und wiederkehrendem Pech illustriert die Psyche einer ganzen Generation, die als Spielball der Kräfte wenig Raum zur Selbstverwirklichung hatte. Bei ihm gibt es keine Opfer und keine Täter, sondern Menschen aus Fleisch und Blut, die haltlos im historischen Schlamassel des 20. Jahrhunderts treiben.
Eine Veranstaltung der Filiale Leipzig des Polnischen Instituts Berlin in Kooperation mit dem Aleksander-Brückner-Zentrum für Polenstudien an der Friedrich-Schiller-Universität Jena und dem Kino im Schillerhof. Mit freundlicher Unterstützung des Imre Kertész Kollegs an der Friedrich-Schiller-Universität Jena.
Einführung: Dr. Ewa Krause (Aleksander-Brückner-Zentrum Jena)
Datum: Montag, 6. Juli 2015
Zeit: 19:30 Uhr
Ort: Kino im Schillerhof, Jena, Helmboldstraße 1
Eintritt: 6 / 4 €

Reihe: POLNISCHES KINO IN JENA - 09: Róża/Rose

R: Wojciech Smarzowski, PL 2011, 94 min, Originalfassung mit englischen Untertiteln
Im Sommer 1945 begibt sich Tadeusz Mazur, ein ehemaliger Offizier der Heimatarmee (Armia Krajowa), in die Masuren. Er hat im Krieg miterleben müssen, wie seine Frau vergewaltigt und getötet wurde. Nachdem er Zeuge der Ermordung eines Wehrmachtssoldaten wurde, sucht er dessen Frau Róża auf ihrem Bauernhof auf, um ihr die letzten Erinnerungsstücke ihres Mannes zu übergeben. Da Plünderungen und Vergewaltigungen zunehmend zur täglichen Bedrohung werden, beschließt er, bei ihr zu bleiben.
„Róża“ zeichnet das Bild einer komplexen Zweierbeziehung vor dem Hintergrund von Gewalt, Vertreibung und Nationalismus. Dabei fragt er immer wieder nach nationaler Zugehörigkeit und Identität – eine Frage, die vor allem in den Masuren von besonderer Tragweite ist. Hier sind die Kategorien „deutsch“ und „polnisch“ nur bedingt anwendbar, dienen jedoch der Legitimation von Besitz- und Machtverhältnissen. Der Film zeigt eindringlich, wie die Region im Zuge des gerade erst überwundenen deutschen Nationalsozialismus und des neu wiederauflebenden polnischen Staates unter die Räder der Geschichte zu geraten droht.
Der Film überzeugt mit ausdrucksstarken Protagonisten (Marcin Dorociński, Agata Kulesza), die ohne lange Dialoge auskommen. In Szene gesetzt wurden sie von Wojciech Smarzowski – einem der profiliertesten polnischen Autorenfilmer, der sich auch hierzulande in den vergangenen Jahren u. a. mit „Wesele / Eine Hochzeit und andere Kuriositäten“ oder „Dom zły / The Dark House“ einen Namen gemacht hat.

Eine Veranstaltung der Filiale Leipzig des Polnischen Instituts Berlin in Kooperation mit dem Aleksander-Brückner-Zentrum für Polenstudien an der Friedrich-Schiller-Universität Jena und dem Kino im Schillerhof. Mit freundlicher Unterstützung des Imre Kertész Kollegs an der Friedrich-Schiller-Universität Jena.
Einführung: Dr. Jochen Böhler (Imre-Kertész-Kolleg)
Datum: Montag, 18. Mai 2015
Zeit: 19:30 Uhr
Ort: Kino im Schillerhof, Jena, Helmboldstraße 1
Eintritt: 6 / 4 €

Podiumsdiskussion: Was kann Angewandte Geschichte? Erkundungen des Verhältnisses von Wissenschaft und Öffentlichkeit

Termin: Montag, 11.05.2015, 16:00 - 18:00 Uhr
Ort: Graduiertenschule für Ost- und Südosteuropastudien, Landshuter Str. 4, Raum 017 (EG), Regensburg


Nicht nur bei runden Jahrestagen sind Historiker und Historikerinnen gefragt, die Vergangenheit einem breiten Publikum im Radio, Fernsehen oder den Printmedien zu erklären - wie etwa 2015 zwanzig Jahre nach Ende des Bosnienkrieges. Aktuell ist die Expertise von Osteuropa-HistorikernInnen auch in Bezug auf den Konflikt mit Rußland um die Ukraine oder die Reparationsforderungen Griechenlands an Deutschland aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges begehrt.

Geschichte in der Öffentlichkeit ist jedoch mehr als die Summe der Medienauftritte einiger renommierter Historiker. Auch Historienfilme, Computerspiele sowie Unternehmen nutzen Geschichte auf ihre Art. Und Laien erkunden die Geschichte ihrer näheren Umgebung in Projektformaten. Mit Geschichte wird also nicht nur Wissen und Politik, sondern auch Kapital und Zivilgesellschaft „gemacht“. Was Geschichte als öffentliches Gut heutzutage bedeutet, wie die Wissenschaft damit umgeht und ob öffentliche Geschichte überhaupt historisches Bewusstsein fördert oder nicht eher verfälscht, sind Ausgangsfragen der Angewandten Geschichte.


Die Chancen und Grenzen einer neuen Perspektive auf Geschichte in der Öffentlichkeit sehen die Akteure Angewandter Geschichte ganz unterschiedlich. Geht es für die einen darum, ein möglichst zielgruppengerechtes historisches 'Produkt' zu erschaffen, interessieren sich andere dafür, welcher Kompetenzen es bedarf, um historische Narrationen im öffentlichen Raum dekonstruieren zu können. Für den Bereich der Ost- und Südosteuropastudien hat diese Reflektion aufgrund des andauernden Bedarfs an historisch fundierten Wissens zum östlichen Europa in der Öffentlichkeit besondere Relevanz.


Die Bandbreite der möglichen Antworten auf die Frage, was das Kerngeschäft Angewandter Geschichte sein kann, betrifft demnach nicht nur die Geschichtswissenschaften und das Phänomen der Erinnerungskultur, sondern die Didaktik ebenso wie die neu eingerichteten Public-History Studiengänge sowie alle diejenigen die in zivilgesellschaftlichen Vereinen oder marktorientierten Firmen mit Geschichte umgehen.


Als Ausgangspunkt und Anlass für die Diskussion kann der Band "Angewandte Geschichte - Neue Perspektiven auf Geschichte in der Öffentlichkeit" gesehen werden, der 2014 im Schöningh Verlag erschienen ist. Einige Autoren des Bandes werden ihre Sicht auf Ziele, Aufgaben aber auch Grenzen Angewandter Geschichte vorstellen, die kritisch kommentiert und diskutiert werden.


Es diskutieren:
Prof. Robert Traba (Polnische Akademie der Wissenschaften Berlin und Borussia e.V.),
Dr. Marcus Ventzke (Geschichtsdidaktik KU Eichstätt und Institut für digitales Lernen),
Dr. Irmgard Zündorf (Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam und AG Angewandte Geschichte im Historikerverband).

Es kommentiert 
Birgit Schwelling (Kulturwissenschaftliches Institut Essen).

Moderation
Juliane Tomann (Imre Kertész Kolleg Jena und Institut für angewandte 
Geschichte e.V.), Jacqueline Nießer (Graduiertenschule für Ost- und Südosteuropastudien und Institut für angewandte Geschichte e.V.)


Eine Veranstaltung der Graduiertenschule für Ost- und Südosteuropastudien in Kooperation mit dem Imre Kertész Kolleg Jena.

Reihe: Polnisches Kino in Jena: Dzień kobiet/Frauentag

Filmplakat

R: Maria Sadowska, PL 2012, 92 min, Originalfassung mit deutschen Untertiteln
Halina, eine zurückhaltende Kassiererin der Handelskette "Schmetterling", träumt von einem besseren Leben für sich und ihre 13-jährige Tochter Misia. Da erhält sie die Möglichkeit, zur neuen Filialleiterin aufzusteigen. Halina nimmt das Angebot an. Doch der Preis für einen besseren Verdienst und damit einen höheren Lebensstandard ist hoch: Die vormals schüchterne Halina wird nun zur gefühllosen Vorgesetzten und Erzfeindin ihrer bislang besten Arbeitskolleginnen.
Sozialpolitik und Film - diese Mischung klingt weder nach Spannung noch nach großen Emotionen. Und doch schafft der preisgekrönte Film den Spagat zwischen der Heldengeschichte einer Frau im aufopferungsvollen Kampf gegen die Windmühlenflügel eines Großkonzerns und dem glaubwürdigen psychologischen Porträt eines Menschen, der in kleinen Schritten über seine Rolle als Rädchen im System hinauswächst. Gleichzeitig zeigt der Film, dass der Arbeitsalltag in Polen genauso hart und bisweilen zynisch ist wie in anderen Ländern Europas. Der Film gewann u. a. 2012 den Hauptpreis beim Filmfestival Cottbus.
Vom Imre Kertész Kolleg Jena und der Filiale Leipzig des Polnischen Instituts Berlin initiiert, wird die Filmreihe seit 2014 vom Aleksander-Brückner-Zentrum für Polenstudien präsentiert. Aktuelle Produk­tionen und ausgewählte Klassiker der polnischen Kinematografie widmen sich historischen und gegenwärtigen Formationen polnischer Staatlichkeit, Gesellschaft, Sprache und Kultur. Alle Filme werden kurz von WissenschaftlerInnen des Aleksander-Brückner-Zentrums für Polenstudien eingeführt.
Eine Veranstaltung der Filiale Leipzig des Polnischen Instituts Berlin in Kooperation mit dem Aleksander-Brückner-Zentrum für Polenstudien an der Friedrich-Schiller-Universität Jena und dem Kino im Schillerhof. Mit freundlicher Unterstützung des Imre Kertész Kollegs an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. 
Datum: Montag, 2. Februar 2015
Zeit: 19:30 Uhr
Ort: Kino im Schillerhof, Jena, Helmboldstraße 1
Eintritt: 6 €