Vortrag von Prof. Dr. Włodzimierz Borodziej (Jena/ Warschau)
Datum: 08. Dezember 2014
Zeit: 18:00 Uhr
Ort: Hörsaal 250, UHG


Entlang der Ostfronten des Ersten Weltkrieges. Hinterland und Besatzung


im Rahmen der Ringvorlesung des Historischen Instituts zum Ersten Weltkrieg.

Der Erste Weltkrieg gilt gemeinhin als die "Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts" (George F.Kennan) und das Jahr 1914 - der Beginn des Krieges - als tiefer Epocheneinschnitt, der das"lange 19. Jahrhundert" abruptartig beendete. Worin aber lagen die Ursachen dieses Konfliktes,welche Formen nahm dieser totale Krieg im Laufe seiner vier Jahre an und welche Wirkkraftentwickelte er, nachdem er beendet war?Mit all diesen Fragen setzt sich eine Ringvorlesung des Historischen Instituts auseinander, in der sich renommierte Historiker und Historikerinnen aus dem In- uns Ausland zu diesen Themen äußern werden. 

Weitere Informationen finden Sie im Programmflyer

Vortrag von Prof. Dr. Włodzimierz Borodziej (Jena/ Warschau)
Datum:
06. Oktober 2014
Zeit: 19:30 Uhr
Ort: Hessisches Staatsarchiv Darmstadt, Karolinensaal, Karolinenplatz 3, 64289 Darmstadt
Veranstalter: Deutsches Polen-Institut


Die vergessene Front. Der Erste Weltkrieg im Osten.



Der Erste Weltkrieg begann im Sommer 1914. Daran erinnern heute zahlreiche historische Werke, populäre Publikationen, Ausstellungen und Fernsehdokumentationen. Aber sie sind überwiegend auf den Westen fokussiert, auf den "Stellungskrieg" in Flandern und Nordfrankreich, bei dem der "moderne" - industrielle und massenhafte - Charakter des Krieges zum Vorschein kam.

Dagegen haben wir nur eine vage Vorstellung von den Kampfhandlungen im "Osten". Dabei gab es dort mehrere Fronten, die in vergleichbaren Zeiträumen "nicht nur proportional gesehen mehr Opfer forderten" als der Stellungskrieg im Westen (W. Borodziej). Während z.B. die erschreckenden Opferzahlen der Schlacht an der Somme im öffentlichen Diskurs wahrgenommen und in das offizielle Gedenken eingeschlossen werden, ist kaum bekannt, dass die österreichische Armee allein in der Stellungsschlacht in den Karpaten 1914-15 mehr als 800.000 Soldaten verlor. Und auch der berüchtigte Gaskrieg begann nicht bei Ypern im April 1915, sondern wurde von deutschen Truppen drei Monate früher in Mittelpolen an russischen Soldaten ausprobiert.

Unterschiede in der Wahrnehmung des Krieges zwischen Ost und West lassen sich auch in dessen Beurteilung feststellen. "Der Große Krieg" beendete in den Augen der Engländer, Franzosen und Deutschen das lange 19. Jahrhundert und gilt zugleich als die "Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts" mit ihren Folgen Faschismus, Nationalsozialismus und Kommunismus. Dagegen ist eine solche Sicht im "Osten" meist fremd, denn 1918 entstand dort jenes neue Europa, das mit einer Vielzahl unabhängiger Staaten die europäische Landkarte bis heute prägt.

Zeitgeschichtliches Kolloquium

Jena Center. Geschichte des 20. Jahrhunderts in Zusammenarbeit mit dem Imre Kertész Kolleg Jena

Vortrag von:
Prof. Dr. Pavel Kolar
(Florenz): The Death Penalty, Sacrifice and the State after 1945: A Cross-Continental Perspective
Datum: 2. Juli 2014
Zeit: 18:00 Uhr, c.t.
Ort: Zwätzengasse 4 (Seminarraum) 

Vortrag von Prof. Borodziej (Jena/ Warschau)
Deutsches Historisches Institut Moskau
Datum: 10. Juni 2014 um 18:00 Uhr
Ort: Konferenzraum des DHI Moskau 


Die Ostfront(en) im Ersten Weltkrieg - Hinterland und Besatzung


Der Text geht von einer ostmitteleuropaspezifischen Erfahrung des Ersten Weltkriegs aus und versucht, einige Merkmale des historiographischen Umgangs mit dem Thema sowie der realgeschichtlichen Erlebnisse der Menschen in der Region zu skizzieren. In den Fallstudien geht es erstens um die "Kriegsbegeisterung" im Sommer 1914, deren ostmitteleuropäische Besonderheiten am Beispiel von Prag exemplifiziert werden. Zweites Thema ist die Übergangsphase zwischen Hinterland und Besatzungsgebiet (bzw. umgekehrt), sowie die Frage der "Kollaboration" und deren Ahndung durch die alt-neuen Behörden; damit verbunden um einige, besonders spektakuläre Kriegsverbrechen u.a. entlang der russischen Westfront 1914-1915. Drittens wird die Vergleichbarkeit der Erfahrungen der Zivilbevölkerung in Hinterland und Besatzungsgebiet vor allem am rumänischen Beispiel thematisiert.