Zeitgeschichtliches Kolloquium

Kolloquium
Dozenten: Prof. Dr. Norbert Frei, Prof. Dr. Volkhard Knigge, Prof. Dr. Joachim von Puttkamer
Zeit: Mi. 18 - 20 Uhr
Ort: Zwätzengasse 4, Seminarraum 

Das Zeitgeschichtliche Kolloquium wird von Prof. Dr. Norbert Frei, Prof. Dr. Jörg Ganzenmüller, Prof. Dr. Volkhard Knigge, Prof. Dr. Thomas Kroll und Prof. Dr. Joachim von Puttkamer gemeinsam veranstaltet. Vorgestellt und diskutiert werden vor allem Forschungsentwürfe, laufende Untersuchungen und jüngst abgeschlossene Qualifikationsarbeiten zur Geschichte des 20. Jahrhunderts. Zur regelmäßigen Teilnahme eingeladen und aufgefordert sind insbesondere die Doktoranden, Mitarbeiter und fortgeschrittenen Studierenden der Veranstalter. Willkommen sind alle Angehörigen des Historischen Instituts und der Universität.


Das Programm für das Zeitgeschichtliche Kolloquium Wintersemester 2015/2016

Einführung in die Südosteuropastudien

Vorlesung
Dozenten: Prof. Dr. Wolfgang Dahmen, Prof. Dr. Thede Kahl, Prof. Dr. Joachim von Puttkamer
Zeit: Do. 12 - 14 Uhr
Ort: Ernst-Abbe-Platz 8, SR 301


In dieser Vorlesung werden grundlegende Wissensbereiche der Südosteuropastudien vermittelt. Folgende Bereiche werden diskutiert:
1. "Südosteuropa" - Definition, räumliche Grenzziehungen, Begriffsgeschichte (Dahmen/Kahl/von Puttkamer)
2. Antike und Mittelalter, Ethnogenese, Mythen, Religionen (Dahmen/Kahl/von Puttkamer)
3. Geographische Grundlagen: Relief, Klima, Vegetation (Kahl)
4. Osmanisches Reich und Habsburgermonarchie/Imperiale Herrschaft in Südosteuropa in der Frühen Neuzeit (von Puttkamer)
5. Nationalstaatsbildung im 19. und frühen 20. Jahrhundert (von Puttkamer)
6. Zweiter Weltkrieg und sozialistische Diktaturen (von Puttkamer)
7. Die aktuelle Sprachenkarte Südosteuropas (Dahmen)
8. Der Beitrag der Sprachwissenschaft zu Fragen der Ethnogenese der Völker Südosteuropas (Dahmen)
9. Balkansprachbund und Eurolinguistik (Dahmen)
10. Zwischen Standard und Minderheit. "Neue" Sprachen in Südosteuropa (Kahl) 11. Kultur im Wandel: Byzantinische und osmanische Spuren in den heutigen Kulturen Südosteuropas (Kahl)
12. Evtl. Erinnerungskultur in Südosteuropa (Kahl) 13. Enddiskussion (Dahmen/Kahl/Puttkamer)

Wohin nach dem Kommunismus? Ostmitteleuropa in den 1990er Jahren

Hauptseminar
Dozent: Prof. Dr. Joachim von Puttkamer
Zeit: Mo. 16 - 18 Uhr
Ort: Fürstengraben 13, Seminarraum

  
Auf den Sturz der staatssozialistischen Diktaturen im östlichen Europa folgten grundlegende demokratische Reformen und zugleich intensive Debatten darüber, wie diese unverhoffte Demokratie zukünftig aussehen sollte. Ließ sich eine liberale Gesellschaft denn politisch verordnen? Welche der sozialistischen Ideale konnten noch Geltung beanspruchen? Wie konnte und sollte an die Institutionen der Zwischenkriegszeit angeknüpft werden? Das Seminar führt in diese Debatten ein. Ein besonderer Schwerpunkt wird auf Polen liegen, hier sind die wichtigsten Debattenbeiträge ins Deutsche oder Englische übersetzt worden.

Einführende Literatur: Ther, Philipp: Die neue Ordnung auf dem alten Kontinent. Eine Geschichte des neoliberalen Europa. Berlin: Suhrkamp 2014.

Polnisch für Historiker. Vom Runden Tisch zur Regierung Mazowiecki – Der Umbruch in Polen 1989/90 in politischen Memoiren –

Übung
Dozent: Prof. Dr. Joachim von Puttkamer
Zeit: Mo. 18 - 20 Uhr
Ort: Fürstengraben 13, Seminarraum


Memoiren sind eine zentrale Quelle der Zeitgeschichte. In Polen erschienen in den 1990er Jahren eine Fülle an Büchern, oft in Interviewform, in denen führende Akteure des Jahres 1989/90 ihre Sicht der Dinge darlegten. Hier bildeten sich jene Diskussionslinien heraus, welche die Kontroverse bis heute bestimmen.

Teilnahmevoraussetzung sind einfache Lesekenntnisse im Polnischen.

Die Teilnahme am Seminar "Wohin nach dem Kommunismus? Ostmitteleuropa in den 1990er Jahren" wird empfohlen.

Frühe Zeugenberichte der Shoah aus Osteuropa 1943-1950

Übung
Dozent: Dr. Raphael Utz
Zeit: Mo. 14-16 Uhr
Ort: Intershop Tower - Seminarraum


Imre Kertesz Kolleg Von Historiographie und Justiz über Jahrzehnte vernachlässigt, sind in den letzten Jahren Berichte von Überlebenden und Augenzeugen der Shoah aus Osteuropa auch in westlichen Sprachen zugänglich geworden. Diese Zeugnisse wurden etwa in Polen in den Jahren 1944 bis 1947 systematisch von der Zentralen Jüdischen Historischen Kommission erhoben und in 39 Bänden veröffentlicht. Ähnlich früh nahm in Ungarn das Nationale Hilfskomitee für Deportierte seine Arbeit auf und befragte 1945-1946 fast 5.000 ungarische Überlebende der Shoah. Bereits während des Zweiten Weltkriegs oder unmittelbar danach entstanden, legen sie nicht nur ein zutiefst bewegendes und einzigartiges Zeugnis der Shoah ab, sondern stellen für die Geschichtswissenschaft Quellen ersten Ranges dar. Eine Auswahl dieser Texte, ergänzt um einzelne Zeugenaussagen aus frühen Nachkriegsprozessen in Osteuropa, steht im Mittelpunkt der Übung und soll quellenkritisch befragt werden: Welche Erkenntnisse über Verlauf und Wesen der Shoah lassen sich aus dieser spezifischen Quellengattung gewinnen? Welche Rolle spielte die Aufnahme von Zeugenberichten bei der begrifflich-sprachlichen Annäherung an die präzedenzlose Shoah? Wie ist das Verhältnis von Historiographie oder juristischer Aufarbeitung zu Zeugenberichten? Warum sind diese umfangreichen Quellenbestände für so lange Zeit relativ unbekannt geblieben? Das Quellenmaterial liegt in englischer oder deutscher Übersetzung vor.

Zur allgemeinen Einführung und Kontextsicherung ist die vorbereitende Lektüre von Dieter Pohl: Holocaust: die Ursachen, das Geschehen, die Folgen, Freiburg/ Basel/ Wien 2000 verpflichtend und wird über einen kurzen Essay der Teilnehmer abgefragt.