Professor James Ward

Curriculum Vitae



James Ward ist Dozent für Moderne Europäische Geschichte an der University of Rhode Island und war bereits Gastdozent an der Stanford University, der DePauw University sowie der Queen's University of Belfast. Seine erste Monographie Priest, Politician, Collaborator: Jozef Tiso and the Making of Fascist Slovakia, 1887-1947 ist eine politische und intellektuelle Biographie von Hitlers Verbündetem Jozef Tiso, dem römisch-katholischen Priester und slowakischen Präsidenten während des Zweiten Weltkrieges. Die Arbeit erhielt 2014 bei der Verleihung des Reginald-Zelnik-Buchpreises, der von der Gesellschaft für Slawische, Osteuropäische und Eurasische Wissenschaften (ASEEEES) vergeben wird, eine Auszeichnung. James Ward promovierte 2008 an der Stanford University. Hier sowie an der University of Washington absolvierte er ebenfalls seinen Masterabschluss. Außerdem erhielt er zahlreiche Fellowships, so zum Beispiel vom United States Holocaust Memorial Museum, der Mellon Foundation, des International Research and Exchanges Board, und vom Fulbright-Hayes Programm.


Forschungsprojekt am Kolleg



Bei James Wards aktuellem Forschungsprojekt handelt es sich um eine allgemeine Geschichte der modernen Zwangsenteignungen in Zentraleuropa, das den Arbeitstitel The People's Property trägt. Konzipiert als eine Reise durch Zeit und Raum, ausgehend vom josephinistischen Wien bis zum stalinistischen Budapest, untersucht die Arbeit eine Reihe von Episoden von beziehungsweise Debatten über Zwangsenteignungen. Der Autor geht hierbei davon aus, dass Zwangsenteignungen einer inneren radikalisierenden Logik folgen, die die Modernisierung vorangetrieben haben. Während seines Fellowships am Kolleg wird James Ward am Kapitel über das 20. Jahrhundert arbeiten.

Zeitgenössische Forschungen zu Zwangsenteignungen verstehen diese nicht als einen ganzheitlichen, modernen europäischen Prozess. Und doch sind individuelle Episoden von Zwangsenteignungen kausal miteinander verbunden sowie in zentrale moderne europäische Entwicklungen, wie Säkularisierung, Demokratisierung und Genozid, eingebunden. Forscher in diesem Bereich haben sich in der Vergangenheit zum großen Teil nur auf individuelle Episoden der Zwangsenteignungen (wie beispielsweise die Plünderung der Juden während des Holocaust) konzentriert, während die wenigen Studien, die auch die Verbindungen zwischen den einzelnen Vorfällen in den Blick genommen haben (zum Beispiel im Bereich der Landreform und Kollektivierung), sich nur auf das 20. Jahrhundert beschränkten. James Ward argumentiert, dass Episoden von Enteignungen oftmals erfolgreiche Zeitabschnitte während der gesamten Moderne ermöglichten. Die verbreitete antisemitische Behauptung, dass die Juden die Arier und Christen versklavt hätten, ermöglichte beispielsweise die moralische Logik der Emanzipation des 19. Jahrhunderts. In anderen Worten, die Zwangsenteignung der Juden während des Holocaust zog in perverser Weise die Zwangsenteignung der Aristokratie als Sklavenhalter heran. Liberale hatten überzeugend argumentiert, dass der Besitz von Menschen unmoralisch sei und Zwangsenteignungen daher gerechtfertigt seien, aber diese Argumentation erlaubte es dann Antisemiten, Sklaverei als moralisches Kapital bei dem Streben nach neuen Zwangsenteignungen darzustellen. Arbeiten, die Zwangsenteignungen als eine Reflektion wechselnder Vorstellungen von Besitz untersuchen, erfassen sie besser als einen modernen Prozess, aber sie tendieren dazu, sie als etwas zu verstehen, das auf den Besitz zielt (wie beispielsweise Wälder) oder auf die Ausübungen von Eigentum (wie etwa Privatbesitz). Wie das obige Beispiel zeigt, sind aber auch Besitzer ein Schlüsselobjekt von Zwangsenteignungen. The People's Property konzentriert sich auf diese Seite der Zwangsenteignung und sieht diese Angriffe (die in Intensität, Ausmaß, moralischer Legitimität und Form stark variieren) als Teil eines größeren Projekts zur Transformierung von Gesellschaft und Politik, um die gefühlten Ansprüche eines modernen Staates zu erfüllen und um die Grenzen der Souveränität des "Volkes" auszutesten - sei es Klasse, Nation oder Rasse. Das Ziel der Forschungsarbeit ist es, die verschiedenen und unterschwelligen Logiken, die die einzelnen Episoden von Zwangsenteignungen verbinden und die zur Radikalisierung beitrugen, sowohl als individuelle Episoden als auch als modernes Vorgehen aufzudecken. Der Trend zur Radikalisierung wurde durch das Erstarken des Menschenrechtsdiskurses während des Kalten Krieges unterbrochen und im Anschluss daran galten Zwangsenteignungen nicht mehr als ein überzeugendes Werkzeug, um Menschen "Herren in ihrem eigenen Haus" werden zu lassen, sondern wurden nun immer mehr als ein Verbrechen gegen die Menschheit verstanden.


Forschungsschwerpunkte:


  • Zwangsenteignungen
  • Politischer Katholizismus
  • Nationalismus
  • Massengewalt
  • Kollaboration, Widerstand, Vergeltung
  • Das Habsburger Reich und seine Nachfolgestaaten



Funktionen und Mitgleidschaften


  • Dozent für Moderne Europäische Geschichte an der University of Rhode Island