Dr. Igor Cașu

Forschungsprojekt am Kolleg


Warum Individuen und soziale Gruppen den Kommunismus akzeptieren oder ablehnen: Kollaboration, Kooptation und Widerstand im sowjetischen Moldawien im osteuropäischen Kontext (1944-1972)

Dieses Forschungsprojekt beschäftigt sich mit der Kollaboration, der Kooptation und dem Widerstand der lokalen Bevölkerung in Moldawien während des sowjetischen Regimes, einem von der Forschung bisher kaum beachteten Thema. Insbesondere dem Widerstand wurde im postsowjetischen Moldawien wie auch in den anderen ehemaligen Sowjetrepubliken, allen voran in den baltischen Staaten, der Ukraine und den ehemaligen Satellitenstaaten in Ost- und Ostmitteleuropa, extrem große Aufmerksamkeit zuteil. Dieser Umstand kann darauf zurückgeführt werden, dass die Problematik von Kollaboration und Kooptation bei den Menschen Schamgefühle über ihre Vergangenheit hervorruft, während geleisteter Widerstand ihr Selbstwertgefühl sowie die ihnen von anderen entgegengebrachte Wertschätzung steigert. Beispiele hierfür lassen sich sowohl in den ehemaligen Sowjetrepubliken als auch im Westen beobachten. Um ein komplexes Bild von den Entwicklungen zu bekommen, die sich in den ersten zweieinhalb Jahrzehnten des sowjetischen Regimes in Moldawien abspielten, sollten die drei genannten Phänomene parallel, in einer Studie untersucht werden. Ein solche Vorgehensweise kann dazu beitragen, eine der zentralen Fragen dieses Projektes zu beantworten: Was bringt Individuen und soziale Gruppen dazu, den Kommunismus zu akzeptieren oder abzulehnen? Diese Art der Forschung kann nur unter Einbeziehung eines vergleichenden Ansatzes realisiert werden. Dabei wird die Ausprägung von Kollaboration und Widerstand in der moldawischen Sowjetrepublik mit derjenigen in den baltischen Staaten, insbesondere der Westukraine, gegenüberstellt und dem Projekt auf diese Weise eine transnationale Ausrichtung verliehen. Die Realisierung dieses Projektes scheint aus mehreren Gründen überfällig zu sein. Zum einen sind bereits einige wichtige Studien zum Widerstand sowie zur Kollaboration in der ehemaligen Sowjetunion erschienen, die das Problem sowohl aus theoretischer als auch aus empirischer Perspektive beleuchten. Zum anderen ist das Projekt auch deshalb notwendig und durchführbar, weil die Archive in Moldawien im Jahr 2010 geöffnet wurden und seitdem zugänglich sind.


Forschungsschwerpunkte


  • Sowjetische Nationalitätenpolitik in Bessarabien und Ostmoldawien
  • Politische Repressionen und Gewalt in der MASSR und der MSSR
  • Alltagsleben, Korruption und kulturelle Opposition im Kommunismus 



Funktionen und Mitgliedschaften


  • Direktor des Zentrums für Totalitarismusforschung an der Fakultät für Geschichte und Philosophie der Staatlichen Universität Moldawiens
  • Mitglied der Gesellschaft für Slawistik, Osteuropa- und Eurasienstudien (ASEEES)