Dr. Gerd Koenen

Curriculum Vitae


Gerd Koenen ist Historiker und selbständiger Publizist in Frankfurt/Main. 2008-2010 war er Fellow am Freiburg Institute for Advanced Studies (FRIAS). Daraus ging sein Buchessay "Was war der Kommunismus?" (2010) hervor. Im Jahr 2002 wurde Gerd Koenen an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen mit einer Arbeit zum Thema "Rom oder Moskau. Deutschland, der Westen und die Revolutionierung Russlands" im Fachbereich Osteuropäische Geschichte promoviert. Diese Arbeit erschien gekürzt unter dem Titel "Der Russland-Komplex. Die Deutschen und der Osten, 1900-1945" (2005) und wurde 2007 mit dem Leipziger Buchpreis zur europäischen Verständigung ausgezeichnet. Grundlage war die längjährige Mitarbeit Mitte der 1990er Jahre an dem von Lew Kopelew geleiteten Wuppertaler Projekt der "West-östlichen Spiegelungen" zur Erforschung der deutsch-russischen Fremdenbilder. Daraus ging insbesondere der mit Kopelew gemeinsam herausgegebene, 1998 erschienene Sammelband "Deutschland und die russische Revolution, 1917-1924" hervor. Daneben war Gerd Koenen als Journalist in Presse, Funk und Fernsehen sowie als Autor einer Reihe von Sachbüchern zur Geschichte des internationalen Kommunismus und der Neuen Linken tätig.


Forschungsprojekt am Kolleg


"Die Farbe Rot. Kommunismus als Weltgeschichte"

Das in Entstehung begriffene Buch (für C.H. Beck, geplant 2017) behandelt die Geschichte des "Weltkommunismus" als eines historischen Phänomens eigener Ordnung. Anders als frühere Gesamtdarstellungen (wie die von Furet, Malia, Brown, Service und Priestland), die die kommunistischen Bewegungen, Regimes und Systeme vorwiegend aus ihren eigenen ideologischen Prämissen und sozialgeschichtlichen Voraussetzungen heraus interpretiert haben, wird diese Arbeit versuchen, die Machteroberungen, Massenmobilisierungen und Gesellschaftsprojekte kommunistischer Parteien stärker in den globalen realgeschichtlichen Kontext des (je nach Betrachtung "kurzen" oder "langen") 20. Jahrhunderts einzubetten. Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf dem Vergleich der vielfältig miteinander verknüpften Geschichten der alten Reichsvölker Russlands und Chinas und ihres osteuropäischen bzw. ostasiatischen Umfeld. Insoweit geht es um eine engere Verknüpfung der selten miteinander abgeglichenen Forschungen im Bereich der Osteuropäischen Geschichte bzw. Soviet Studies und der Sinologie bzw. Asian Studies. Zur globalgeschichtlichen Kontextualisierung gehören vor allem die imperialistischen Konkurrenzen und Kataklysmen der beiden Weltkriege, die das entscheidende Medium kommunistischer Machteroberungen waren, wobei vor allem die faschistischen Regimes mit ihren jeweiligen Eroberungs- und Versklavungsprojekten als Steigbügelhalter gedient haben. Einen das Zeitalter von 1917 bis 1989 übergreifenden Kontext bilden darüber hinaus die von den westlichen Mächten vorangetriebenen und dominierten Prozesse der kapitalistischen Globalisierung sowie der darauf reagierenden Prozesse der Nationalisierung und des nation-building, namentlich auch der hegemonial oder kolonial unterworfenen Länder und Völker. Die Arbeit ist also ein Versuch, mit einer Kombination aus Ideengeschichte und Biographik, Sozial-, Wirtschafts- und Kulturgeschichte, Politik- und Militärgeschichte, National- und Globalgeschichte das einst so beherrschende Phänomen des "Kommunismus" noch einmal in groben, eher interpretativen als darstellenden Zügen in die Geschichte des vergangenen Jahrhunderts einzuzeichnen - einschließlich der Frage nach den hartnäckigen oder sogar vitalen Residuen eines "Post-Kommunismus".


Forschungsschwerpunkte


  • Kommunismusgeschichte
  • Osteuropäische und Russische Geschichte
  • Deutsch-russische Beziehungsgeschichte
  • Geschichte der Neuen Linken