Dr. Stefano Bottoni

Curriculum Vitae


Stefano Bottoni ist Senior Fellow am Historischen Institut des zur Ungarischen Akademie der Wissenschaften gehörenden Forschungszentrums für Geisteswissenschaften in Budapest. Zwischen 2005 und 2013 unterrichtete er osteuropäische Zeitgeschichte an der Universität Bologna. Sein Forschungsschwerpunkt liegt auf der Sozialgeschichte des kommunistischen Systems in Rumänien, wobei er sich insbesondere mit der ungarischen Minderheit in Transsilvanien beschäftigt. Bottoni war bereits an verschiedenen internationalen Forschungsvorhaben beteiligt. So wirkte er nicht nur an dem von 2007 bis 2008 durchgeführten und von der Volkswagen Stiftung geförderten Projekt "Inoffizielle Begegnungen und Kontakte sozialistischer Staatsbürger 1956 - 1989" mit, sondern auch an dem Projekt "Physische Gewalt im Staatssozialismus", welches von 2012 bis 2014 durchgeführt und vom Zentrum für Zeithistorische Forschung in Potsdam koordiniert wurde. Bottoni hat neben den Monografien "Sztálin a székelyeknél. A Magyar Autonóm Tartomány története 1952-1960" aus dem Jahr 2008 und "A várva várt Nyugat. Kelet-Európa története 1944-től napjainkig" aus dem Jahr 2014 den Sammelband "Az 1956-os forradalom és a romániai magyarság (1955-1959)" veröffentlicht, in dem es um den Einfluss der Ungarischen Revolution von 1956 auf Rumänien geht.


Forschungsprojekt am Kolleg



Den Ausgangspunkt und den allgemeinen Rahmen des Projektes bildet die Beziehung zwischen dem Nationalismus und dem Kommunismus in der Geschichte des Sowjetblocks. Andere Forscher haben bereits frühere Perioden dieses Verhältnisses untersucht. Dabei sind sie von einem theoretischen Standpunkt ausgegangen und haben ihre Aufmerksamkeit vor allem auf die intellektuelle Debatte um die nationalen Gefühle und die nationale Geschichte, also die symbolische Sphäre gelegt. Hingegen weiß man bisher sehr wenig über die Rolle, die der sogenannte "harte" Apparat, zu dem unter anderem die Armee und die Geheimpolizei gehörten, bei der Ethnisierung der kommunistischen Herrschaft spielte. Die Beantwortung dieser Frage ermöglicht einen Vergleich zwischen den Staats- und Nationsbildungsprozessen in verschiedenen multiethnischen osteuropäischen Staaten wie Rumänien, Bulgarien, der Tschechoslowakei oder Jugoslawien. Den Ausgangspunkt des Projektes bildet die These, dass diese multinationalen Länder hinter der vorgeschobenen offiziellen Rhetorik von "Brüderlichkeit" und "geschwisterlicher Einheit" dem sowjetischen Muster folgten und als "nationalisierende Staaten" (Rodgers Brubaker) fungierten. Für Rumänien liegen eindeutige Hinweise dafür vor, dass die dortigen Staatssicherheitsdienste (Securitate) eine Rolle bei der politischen Steuerung von ethnischen Problemen in Transsilvanien spielten. Es kann davon ausgegangen werden, dass sie entscheidend daran beteiligt waren, dass eine Eskalation der mit dem staatlich geförderten Nationalismus verbundenen Unruhen lange Zeit erfolgreich verhindert werden konnte. Ausgehend von der Biografie des intellektuellen Politikers Imre Mikó soll im Rahmen dieses Projektes das Verhältnis zwischen der rumänischen Geheimpolizei und der ungarischen Gesellschaft untersucht werden. Mikó verbrachte die aktive, von den frühen 1930ern bis in die 1970er Jahre reichende Zeit seines Lebens bei der Arbeit zwischen zwei verschiedenen Ländern - Rumänien und Ungarn - sowie vier unterschiedlichen politischen Systemen. Zur Beantwortung der Fragestellung sollen veröffentlichte und unveröffentlichte Archivquellen wie die von der rumänischen Securitate angelegten Personalakten über Mikó ausgewertet werden. Die wissenschaftliche Relevanz dieses Projektes liegt in der komplexen Analyse einer Minderheit (zum Beispiel der transsilvanisch ungarischen Minderheit) und ihren privaten und öffentlichen Reaktionen auf die Herausforderungen des Lebens in einem spezifischen totalitären System wie dem rumänischen Kommunismus. Die historische Analyse der Beziehung zwischen Mikó und der kommunistischen rumänischen Staatssicherheit wirft zwangsläufig eine weitere Frage auf: Unter welchen Umständen und zu welchem Zweck konnte ein angesehener bürgerlich-konservativer Politiker in Ungarn mit der Securitate kooperieren?


Forschungsschwerpunkte


  • Sozialgeschichte des kommunistischen Rumäniens
  • Ethnische Konflikte in Osteuropa und die postsowjetische Ära
  • Beziehungen der Staatskirchen im kommunistischen Osteuropa
  • Staatsschutz im kommunistischen Osteuropa: Gewalt, Prävention und sozialer Konsens 



Funktionen und Mitgliedschaften


  • Chefredakteur der historischen Zeitschrift Világörténet (herausgegeben von der Ungarische Akademie der Wissenschaften)
  • Mitglied der italienischen Gesellschaft für Zeitgeschichte, SISSCO
  • Früherer Mitherausgeber der historischen Zeitschrift Il Mestiere di Storico