Prof. Dr. Martin Sabrow

Curriculum Vitae


Martin Sabrow hat seit 2009 die Professur für Neueste Geschichte und Zeitgeschichte an der Humboldt-Universität zu Berlin inne. Von 2004 bis 2009 war er als Professor für Neueste Geschichte und Zeitgeschichte an der Universität Potsdam tätig. Seit 2004 ist er Direktor des Zentrums für Zeithistorische Forschung Potsdam. Sabrow wurde im Jahr 2000 von der Freien Universität Berlin mit einer Arbeit über die DDR-Geschichtswissenschaft habilitiert. Seine 1993 fertig gestellte Promotion verfasste er an der Universität Freiburg zum Rathenaumord und zu gegenrevolutionären Attentaten in der frühen Weimarer Republik. Zwischen 1982 und 1993 war Sabrow Studienrat für Geschichte und Deutsch in Berlin. Nachdem er sein 1972 begonnenes Studium der Geschichte, Germanistik und Politologie in Kiel und Marburg/Lahn im Jahr 1977 abgeschlossen hatte, absolvierte er zwischen 1979 und 1981 ein Studienreferendariat für das Lehramt an verschiedenen Gymnasien in Berlin. 


Forschungsprojekt am Kolleg


Mit seinem Projekt einer Biographie Erich Honeckers verfolgt Martin Sabrow das Ziel, das System in der Person und die Person im System sichtbar zu machen. Dabei geht es ihm zum einen darum, den Charakter der kommunistischen 'Wir'-Biographie für die Inszenierung und Legitimierung der SED-Herrschaft und die kommunistische Sinnwelt zu erschließen. Zum anderen beabsichtigt er, die Rolle und die Grenzen des Persönlichen als politischem Einflussfaktor in der Geschichte der DDR und in der Struktur kommunistischer Herrschaft zu erfassen.

Die Arbeit gliedert sich in fünf Abschnitte, deren erster während des Forschungsaufenthaltes am Kolleg abgeschlossen werden soll. Dieser erste Teil thematisiert Honeckers Jugend und politische Sozialisation einschließlich seiner Zuchthaushaft bis 1945, und fragt vor allem nach dem Verhältnis von autobiographischer Wahrhaftigkeit und historischer Glättung einer kommunistischen Musterbiographie. Die weiteren geplanten Abschnitte befassen sich mit den Spezifika von 'Honeckers Herrschaft'. Dabei werden zum einen die Charakteristika politischen Machterwerbs und persönlicher Machtausübung in der SED und zum anderen die biographische Spiegelung der paradoxen Verschränkung von äußerer Stabilisierung und innerer Auflösung der Rolle Honeckers in der Niedergangsphase des zweiten deutschen Staates in den Blick genommen. Ein letzter Schwerpunkt der geplanten Biographie liegt auf der Rolle Honeckers im historischen Gedächtnis nach 1989. Im Zentrum steht hierbei der Wandel des Honecker-Bildes vom alterslosen Herrschaftsrepräsentanten zum störrischen Greis sowie die juristische Auseinandersetzung um die persönliche Verantwortung des über Lobetal und Beelitz nach Moskau geflüchteten und nach der erzwungenen Rückkehr in Berlin vor Gericht gestellten Ex-Machthabers.


Forschungsschwerpunkte


  • Politische Kulturgeschichte des 20. Jahrhunderts
  • Diktaturforschung
  • Geschichte der Geschichtskultur
  • Historiographiegeschichte



Funktionen und Mitgliedschaften 


  • Mitglied im Beirat des Geschichtswettbewerbs des Bundespräsidenten der Körber-Stiftung
  • Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat der Bürgerstiftung Unkel "Willy-Brandt-Forum"
  • Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat der Stiftung Deutsches Historisches Museum
  • Mitglied des Fachbeirats der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Geschichte
  • Mitglied der Fachkommission der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten
  • Mitglied des Internationalen Wissenschaftlichen Beirats der Bundeskanzler-Willy-Brandt-Stiftung
  • Mitglied des Beirats des Goethe-Instituts
  • Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats der Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland in Bonn
  • Mitglied des BKM-Expertengremiums für die Gedenkstättenförderung des Bundes
  • Mitglied der Unabhängige Expertenkommission zur Zukunft der Behörde des Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik (BStU): Experten-Kommission für die Reform der Stasi-Unterlagenbehörde