Professor Maciej Czerwiński

Curriculum Vitae


Maciej Czerwinski ist außerordentlicher Professor für slawische Sprachen und Literatur an der Jagiellonen-Universität in Krakau. Seine Forschungsschwerpunkte liegen auf der (kulturellen) Semiotik, auf marxismuskritischen Diskursanalysen sowie auf der Rhetorik. Im Jahr 2013 habilitierte er an der Jagiellonen-Universität, wo er bereits im Jahr 2000 seinen Master of Arts erhalten und im Jahr 2004 seine Promotion abgeschlossen hatte. Im Jahr 2003 war Czerwinski Gastforscher am Historischen Institut der Yale University. Er ist Autor von mehr als 100 Veröffentlichungen, darunter vier Büchern, zwei mitherausgegebenen Büchern, einer historischen Monografie und einer Vielzahl von Artikeln und Literaturkritiken sowie zahlreichen Essays über den Balkan. Er war Teilnehmer an mehr als 30 wissenschaftlichen Konferenzen. Zu Beginn seiner Forschungstätigkeit konzentrierte er sich vor allem auf soziolinguistische und stilistische Variationen innerhalb literarischer und nichtliterarischer Diskurse in kroatischen und serbischen Kulturen. Derzeit beschäftigt Czerwinski sich mit kroatischen, serbischen und einigen anderen post-jugoslawischen Narrativen in der Historiographie und der Prosa sowie möglichen Überschneidungen zwischen Philologie, Sprachphilosophie und Geschichte.


Forschungsprojekt am Kolleg


„Bilder des Zweiten Weltkrieges in Kroatien und Serbien. Literatur, Film,  Populärhistoriographie.“

Trotz der entscheidenden Rolle, die der Erste Weltkrieg bei der Gründung des südslawischen Staates im Jahr 1918 spielte, ist der Zweite Weltkrieg der zweifellos bedeutendste Moment im kulturellen Gedächtnis Jugoslawiens. Die zwischen 1941 und 1945 stattfindenden Schlüsselereignisse und die darin involvierten Schlüsselakteure haben die historischen Vorstellungen der Serben und Kroaten sowohl während der kommunistischen Herrschaft zwischen 1945 und 1990 als auch nach dessen Zusammenbruch seit den beginnenden 1990er Jahren entscheidend geprägt. Die Bilder des Zweiten Weltkrieges werden durch eine Reihe von diskursiven ‚Tropen‘ verwirklicht, z.B. in der Anwesenheit bestimmter kollektiver Figuren wie den Ustascha, Tschetniks, Partisanen, Faschisten und Kommunisten beziehungsweise den Serben, Kroaten und Muslimen/Bosniaken sowie in Form von Konzepten oder Ideen wie dem Kommunismus und dem Antifaschismus. In der Literatur und im Film sind diese Tropen ausschließlich als Allegorien dargestellt.


Das Ziel des Projektes besteht in der Rekonstruktion dieser Konzepte und deren Dynamiken in den intra- und interkulturellen Beziehungen. Zu diesem Zweck werden drei Arten von Quellen einbezogen: Prosatexte, Filme und verbreitete Synthesen über die Nationalgeschichte. Anhand der Kombination aus Historischem und Erfundenem soll demonstriert werden, inwieweit die beiden Vorstellungen einerseits gleiche und unter anderen Umständen andererseits für beide Seiten exklusive Bilder des Zweiten Weltkrieges und seiner Hauptakteure hervorrufen. Romane, Kurzgeschichten, Filme und verbreitete Synthesen über die Nationalgeschichte gehören zu den einflussreichsten Quellen der Verbreitung von kulturellen Vorstellungen über die Vergangenheit und der Konstruktion eines relevanten historischen Bewusstseins.  



Forschungsschwerpunkte


  • das frühere Jugoslawien
  • kulturelle Semiotik
  • Rhetorik
  • Literaturwissenschaft



Funktionen und Mitgliedschaften



  • Mitglied des Slavic Culture Committee der Polnischen Akademie der Wissenschaften
  • Mitglied des redaktionellen Beirates der kroatischen Zeitschrift Fluminensia und der mazedonischen Zeitschrift Balkan Social Science Review
  • Mitglied der Ethnolinguistischen Kommission des International Committee of Slavists
  • Herausgeber der Zeitschrift Sociolingwistyka