Curriculum Vitae


Balázs Trencsényi hat eine außerordentliche Professur am Department of History der Central European University in Budapest inne. Sein Forschungsschwerpunkt liegt auf der Geschichte des politischen Denkens in Ostmitteleuropa. Zwischen 2008 und 2013 war er Leiter des Projektes 'Negotiating Modernity': History of Modern Political Thought in East Central Europe (www.negotiating.cas.bg), welches vom European Research Council unterstützt wurde. Außerdem ist er Mitherausgeber der Zeitschrift East Central Europe (Brill). Trencsényi veröffentlichte bereits die Monografie The Politics of 'National Character': A Study in Interwar East European Thought (Routledge, 2012) sowie als Mitherausgeber die Reihe Discourses of Collective Identity in Central and Southeast Europe (1775-1945), Vol. I-II and IV (CEU Press, 2006-2007, 2014); Whose Love of Which Country? Composite States, National Histories and Patriotic Discourses in Early Modern East Central Europe (Brill, 2010); Hungary and Romania Beyond National Narratives: Comparisons and Entanglements (Peter Lang, 2013) und 'Regimes of Historicity' in Southeastern and Northern Europe: Discourses of Identity and Temporality, 1890-1945 (Palgrave Macmillan, 2014).


Forschungsprojekt am Kolleg


Titel: Politisches Denken in Ostmitteleuropa im 20. Jahrhundert
Die Geschichte des politischen Denkens in Ostmitteleuropa ist ein Forschungsfeld, das trotz der Verfügbarkeit vieler länderbezogener Fallstudien und einer gewissen Anzahl von Arbeiten, die sich auf den transnationalen Ideologietransfer konzentrieren, noch nicht im Rahmen einer vergleichenden regionalen Studie untersucht wurde. Auch die Literatur über die globale Geschichte des politischen Denkens bietet nur sehr begrenzte Einblicke. Obwohl die regionalen Besonderheiten in der Literatur zur Nationalismusforschung relativ prominent vertreten sind, neigen die in diesem Paradigma arbeitenden Forscher dazu, weitreichende Generalisierungen über die Geschichte der nationalistischen politischen Ideen in der Region vorzunehmen, ohne dabei allerdings in der Lage zu sein, konkrete Forschungen über die intellektuellen Komplexitäten der analysierten Fälle anzustellen. Unwissentlich und paradoxerweise reproduzieren sie dadurch oft die ideologiebeladenen Selbstwahrnehmungen der nationalen bzw. nationalistischen Wissenschaft in diesen Ländern.

Ohne die Relevanz der oben genannten interpretativen Ansätze gänzlich zu verwerfen, soll mit diesem Projekt der Versuch unternommen werden, ein alternatives Modell für die Verortung der verschiedenen lokalen Diskussionen in einen multidimensionalen Dialog über Schlüsselfragen des neueren politischen Denkens anzubieten. Die Ergebnisse der Untersuchung sollen in einem Kapitel des Sammelbandes Intellectual Horizons zusammengefasst werden, der vom Kolleg herausgegeben wird.

Für die Umsetzung des Forschungsvorhabens sollen eine Reihe von thematischen Diskussionen analysiert werden, welche den komplexen Prozess der sozio-kulturellen-institutionellen Transformation widerspiegeln, der diese Region durch das 20. Jahrhundert hindurch geprägt hat. Durch die Auswahl von Schlüsselautoren und anknüpfend an eine breit angelegte kontextuelle Rekonstruktion der intellektuellen Milieus und Subkulturen, soll das Material zum einen entlang einer thematischen Achse und zum anderen entlang einer zeitlichen Achse organisiert werden. In Bezug auf die thematische Achse stehen folgende Themen im Fokus: das Problem der sich überlappenden Nation-Building-Projekte, das politische Denken über die Rolle des Staates und sein Verhältnis zu seinen Bürgern, die soziale Frage und das Aufkommen von Massengesellschaften, das Verhältnis von Politik und Religion, das politische Denken des Totalitarismus und das Denken über den Totalitarismus und zuletzt die politischen Vorstellungen, die mit der andauernden Identitätskrise der Intellektuellen in Ostmitteleuropa assoziiert werden. Diese Krise motivierte die Suche der Intellektuellen nach identitätsstiftenden Narrativen, welche die verschiedenen Fäden von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft in ein kohärentes Narrativ verweben können sollten. Für die Zeitachse sind deutliche Veränderungen im sozialen, kulturellen und politischen Kontext erkennbar, welche stark mit den zwei Weltkriegen verknüpft sind und die intellektuelle Geschichte der Region nach folgendem Schema strukturieren: die belle époque vor 1914, die Zwischenkriegszeit mit ihrer ambivalenten Kombination aus kulturellem Aufschwung und sozio-politischem Kollaps, die Zeit der kommunistischen Dominanz, welche unmittelbar oder fast unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg begann und zuletzt, als ein optimistisches Schlusswort, die post-kommunistische Periode nach 1989 (oder in einigen Fällen nach 1991).


Forschungsschwerpunkte


  • Vergleichende Geschichte des politischen Denkens in Ostmitteleuropa
  • Historiographiegeschichte
  • Nationalismusgeschichte
  • Kultur- und Geistesgeschichte 



Funktionen und Mitgliedschaften


  • Co-Direktor des Pasts, Inc. Center for Historical Studies at CEU Budapest
  • Mitherausgeber der Zeitschrift East Central Europe (Brill)
  • Mitherausgeber des Hungarian cultural periodical, 2000 (2003)
  • Mitglied der Academia Europaea (seit 2012)