Professor Paul Hanebrink

Curriculum Vitae


Paul Hanebrink ist von Oktober 2014 bis März 2015 Fellow am Kertész Kolleg. Seit 2007 hat er die außerordentliche Professur für Geschichte und Judaistik an der Rutgers University inne. An derselben Universität war er zwischen 2007 und 2013 als Direktor des Institutes für Ungarische Studien und zwischen 2001 und 2007 als Assistenzprofessor für Geschichte tätig. Von 2000 bis 2001 arbeitete er als Gastprofessor für Geschichte an der University of Nebraska. Im Jahr 2000 wurde Hanebrink von der University of Chicago promoviert.


Forschungsprojekt am Kolleg


Das Projekt untersucht in einer vergleichenden und transnationalen Perspektive die Idee des Judäo-Bolschewismus' in der europäischen Politik des 20. Jahrhunderts. Trotz aller Bemühungen von Seiten der Wissenschaft, den Mythos von der Realität zu trennen, blieb die Verbindung von Judentum und Kommunismus als Element des politischen Diskurses auch nach Beginn des 20. Jahrhunderts erhalten. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges und vor allem nach 1989 ist diese Idee zu einem wesentlichen Aspekt der Erinnerungskultur inbesondere in Osteuropa geworden, wo sie ein anhaltendes und hoch aufgeladenes Wesensmerkmal von Debatten über Krieg, Totalitarismus und Völkermord darstellt. Es sind bereits mehrere Studien zu der Frage erschienen, wie sich diese Problematik in den verschiedenen nationalen Kontexten darstellt. Diese Untersuchungen behandeln das Thema vor allem als eine machtvolle Form des 'Anderen' in der nationalistischen Vorstellungswelt. Aber nur relativ wenige Studien betrachten die Verbreitung oder die Übertragung dieses Bildes von einem nationalen Kontext auf einen anderen. Darüber hinaus verzichten die bisher erschienenen Untersuchungen überwiegend auf eine vergleichende Analyse des Problems und sind daher nicht in der Lage, Gemeinsamkeiten und wesentliche Unterschiede zwischen verschiedenen nationalen Kontexten hinsichtlich der Entstehung und der Funktion dieser Idee aufzuzeigen. Das vorliegende Projekt betrachtet diese bisher vernachlässigten Aspekte durch eine Fokussierung auf Schnittstellen und Parrallelen zwischen den Erscheinungsformen, in denen die Idee des Judäo-Bolschewismus' in den fünf Ländern Deutschland, Frankreich, Ungarn, Polen und Rumänien auftrat. Der Fokus liegt dabei insbesondere auf der Funkion, die dieses Bild in Europa zwischen 1938 und 1948 sowie in der Erinnerungspolitik des postkommunistischen Europas nach 1989 besaß. Das Projekt wird in Form eines Buches von dem Verlag Harvard University Press publiziert werden. Der vorläufige Titel lautet "Ein Gespenst geht um in Europa: Die Idee des Judäo-Bolschewismus im 20. Jahrhundert".


Forschungsschwerpunkte


  • Geschichte Ostmitteleuropas mit Schwerpunkt auf der Geschichte des modernen Ungarns 
  • Religionsgeschichte im modernen Europa 
  • Nationalismus 
  • Antisemitismus 
  • Studien zur Erinnerung mit Schwerpunkt auf der Geschichte der Holocausterinnerung 



Funktionen und Mitgliedschaften


  • Mitglied des Academic Committee des United States Holocaust Memorial Council 
  • Mitglied der Association for the Study of Slavic, East European and Eurasian Studies