Prof. Dr. Claudia Kraft

Curriculum Vitae


Claudia Kraft ist von Oktober 2014 bis März 2015 Fellow am Imre-Kertész-Kolleg. Seit 2011 arbeitet sie als Professorin für Europäische Zeitgeschichte an der Universität Siegen. Von 2005 bis 2011 hatte sie eine Professur für Geschichte Ostmitteleuropas an der Universität Erfurt inne. Weitere wissenschaftliche Stationen waren die Ruhr-Universität Bochum (2004-2005), das Deutsche Historische Institut in Warschau (2001-2004) sowie das Geisteswissenschaftliche Zentrum Kultur und Geschichte Ostmitteleuropas e.V. in Leipzig (1999-2000). 2007 wurde sie mit dem Jabłonowski-Preis der Societas Jablonoviana für herausragende Leistungen bei der Erforschung und Popularisierung der polnischen Geschichte in Deutschland ausgezeichnet.


Forschungsprojekt am Kolleg


Claudia Kraft ist eine der Autor/innen des Handbuchs "Staatlichkeit in Osteuropa", das am Imre-Kertész-Kolleg als Teil einer vierbändigen "Geschichte Ostmittel- und Südosteuropas im 20. Jahrhundert" entsteht. Sie arbeitet an dem Themenkomplex "Staatlichkeit nach 1945". Dabei wird untersucht, wie sich das Selbstverständnis und das Handeln des Staates im Sozialismus in eine Typologie des neuzeitlichen Staates einordnen lässt und welche Spezifika - auch vor dem Hintergrund sich wandelnder politischer und gesellschaftlicher Rahmenbedingungen während der gut 4 Jahrzehnte währenden sozialistischen Herrschaftsformation im östlichen Europa - die sozialistischen Staatsmodelle aufwiesen. Es geht dabei zunächst um die Frage der Etablierung und Begründung staatlicher Herrschaft im Sozialismus, wobei besonderes Interesse auf das Verhältnis zwischen staatlichen und parteilichen Handlungsträgern gerichtet sein wird. Als ein weiteres Charakteristikum sozialistischer Staatlichkeit wird die sukzessive Ausweitung der Staatsaufgaben beleuchtet und der Staat als zentraler Akteur im Wirtschaftsleben betrachtet. Des Weiteren wird danach gefragt, wer von staatlicher Fürsorge profitieren konnte und wie der Zugang zu wohlfahrtsstaatlichen Leistungen und politischer Teilhabe geregelt wurde. Hier wird besonders deutlich werden, dass der Bereich sozialistischer Sozialstaatlichkeit sich exzellent dazu eignet, das enge Zusammenspiel von Wohlfahrt und Disziplinierung zu demonstrieren. Nicht nur in diesem Zusammenhang ist auch der Gewalthaftigkeit staatlichen Handelns im Sozialismus nachzuspüren. Schließlich soll untersucht werden, auf welche Weise in praxi Legitimität sozialistischer Staatlichkeit hergestellt, aber auch wie diese sukzessive in Frage gestellt wurde. Ziel ist es, die regionalen Spezifika von Staatlichkeit in Ostmittel- und Südosteuropa herauszuarbeiten und diese zugleich vor dem Hintergrund gesamteuropäischer Entwicklungen zu reflektieren.


Forschungsschwerpunkte


  • Geschichte Polens und Ostmitteleuropas im 19. und 20. Jahrhundert 
  • Transnationale Rechtsgeschichte in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts
  • Geschichte des Staatssozialismus in Mittel- und Osteuropa 
  • Geschlechtergeschichte 
  • Geschichte der Zwangsmigrationen im 20. Jahrhundert 
  • Geschichtskultur(en) und Geschichtspolitik(en) in Europa 



Funktionen und Mitgliedschaften


  • Mitherausgeberin der Zeitschrift für Geschichte Ostmitteleuropas sowie von L'Homme - Europäische Zeitschrift für feministische Geschichtswissenschaft
  • Mitherausgeberin von Docupedia-Zeitgeschichte (docupedia.de/zg) 
  • Mitglied im Kompetenznetzwerk "Phantomgrenzen im östlichen Europa" (phantomgrenzen.eu) 
  • Mitglied des Collegium Carolinum - Forschungsinstitut für die Geschichte Tschechiens und der Slowakei
  • Mitglied der Deutsch-Tschechischen und Deutsch-Slowakischen Historikerkommission
  • Mitglied der gemeinsamen deutsch-polnischen Schulbuchkommission