Fortschritt durch Gewalt? Probleme der Stalinismusforschung

Seminar
Dozent: Dr. Raphael Utz
Zeit: Di. 14 - 16 Uhr
Ort: Intershop Tower - Seminarraum Imre Kertész Kolleg

Die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts bedeutete für Russland eine beispiellose Gewalterfahrung, der viele Millionen Menschen zum Opfer fielen. Neben dem Krieg gegen Japan 1904/ 05, den beiden Weltkriegen und dem Bürgerkrieg 1917-21 ist hierfür vor allem das Vorgehen des sowjetischen Staates gegen die eigene Bevölkerung verantwortlich. Emblematisch für den Begriff Stalinismus und die mit ihm verbundenen historischen Erfahrungen stehen die Zwangsindustrialisierung des Landes, die Vernichtung der russischen Bauernkultur durch die Kollektivierung der Landwirtschaft, die Errichtung eines weitverzweigten Netzes von Arbeits- und Straflagern (GULag), Massendeportationen größerer Bevölkerungsgruppen und der 'Große Terror' der Jahre 1937/ 38 mit seinen Verhaftungswellen und Massenerschießungen. Gleichzeitig ist die Epoche geprägt von Fortschrittsgläubigkeit, Aufbauwillen und dem Sieg über Deutschland im Zweiten Weltkrieg, der - aus der Sicht des Regimes - Gewalt und Unterdrückung zu rechtfertigen schien.

Anhand von zentralen Quellen, die alle in Übersetzung vorliegen, soll das Seminar eine vertiefende Annäherung an die Ereignisgeschichte leisten, dabei Grundfragen der Forschung problematisieren und einen Ausblick auf die Bedeutung der Epoche in der russischen Erinnerungskultur versuchen. Russische Sprachkenntnisse sind nicht erforderlich, aber sehr willkommen!

Einführende Literatur: Manfred Hildermeier: Die Sowjetunion 1917-1991, München 2001, besonders S. 1-72 und 103-147; Hans-Heinrich Nolte: Kleine Geschichte Rußlands, Bonn 2006, S. 210-297; Hans-Joachim Torke: Einführung in die Geschichte Rußlands, München 1997, S. 113-234; Sheila Fitzpatrick: Everyday Stalinism: Ordinary Life in Extraordinary Times. Soviet Russia in the 1930s, New York/ Oxford 1999.

Polnisch für Historiker: Quellen zur Entstehung der Zweiten Polnischen Republik aus den Wirren des Ersten Weltkriegs

Übung zur Quellenkunde
Dozent: Dr. Jochen Böhler
Zeit: Mo. 14 - 16 Uhr
Ort: Ernst-Abbe-Platz 8, Multimediazentrum, Raum 220


Die Übung bietet eine Einführung in die historische Interpretation polnischsprachiger Quellen zur Entstehung der Zweiten Polnischen Republik aus den Wirren des Ersten Weltkriegs. Teilnahmevoraussetzung sind elementare Lesekenntnisse im Polnischen, wobei ein begleitendes Tutorat sprachliche Hilfestellung bieten wird.

Achtung Hinweis!!! Die Übung findet gemeinsam mit einem Übersetzungskurs Sprachkurs Polnisch 1 (Friedolinnr. 45497) von Frau Dr. Ewa Krauß (Institut für Slawistk) statt.

Einführung in die Südosteuropastudien

Vorlesung
Dozenten: Prof. Dr. Wolfgang Dahmen, Prof. Dr. Joachim von Puttkamer, Prof. Dr. Thede Kahl
Zeit: Do. 12 - 14 Uhr
Ort: Ernst-Abbe-Platz 8, Seminarraum 301


In dieser Vorlesung werden grundlegende Wissensbereiche der Südosteuropastudien vermittelt. Folgende Bereiche werden diskutiert:
1. "Südosteuropa" - Definition, räumliche Grenzziehungen, Begriffsgeschichte (Dahmen/Kahl/von Puttkamer)
2. Antike und Mittelalter, Ethnogenese, Mythen, Religionen (Dahmen/Kahl/von Puttkamer)
3. Geographische Grundlagen: Relief, Klima, Vegetation (Kahl)
4. Osmanisches Reich und Habsburgermonarchie/Imperiale Herrschaft in Südosteuropa in der Frühen Neuzeit (von Puttkamer)
5. Nationalstaatsbildung im 19. und frühen 20. Jahrhundert (von Puttkamer)
6. Zweiter Weltkrieg und sozialistische Diktaturen (von Puttkamer)
7. Die aktuelle Sprachenkarte Südosteuropas (Dahmen)
8. Der Beitrag der Sprachwissenschaft zu Fragen der Ethnogenese der Völker Südosteuropas (Dahmen)
9. Balkansprachbund und Eurolinguistik (Dahmen)
10. Zwischen Standard und Minderheit. "Neue" Sprachen in Südosteuropa (Kahl)
11. Kultur im Wandel: Byzantinische und osmanische Spuren in den heutigen Kulturen Südosteuropas (Kahl)
12. Evtl. Erinnerungskultur in Südosteuropa (Kahl)
13. Enddiskussion (Dahmen/Kahl/Puttkamer)

Zeitgeschichtliches Kolloquium

Kolloquium
Dozenten: Prof. Dr. Norbert Frei, PD Dr. Jörg Ganzenmüller, Prof. Dr. Volkhard Knigge, Prof. Dr. Joachim von Puttkamer
Zeit: Mi. 18 - 20 Uhr
Ort: Zwätzengasse 4, Seminarraum


Das Zeitgeschichtliche Kolloquium wird von Prof. Dr. Norbert Frei, Prof. Dr. Jörg Ganzenmüller, Prof. Dr. Volkhard Knigge, Prof. Dr. Thomas Kroll und Prof. Dr. Joachim von Puttkamer gemeinsam veranstaltet. Vorgestellt und diskutiert werden vor allem Forschungsentwürfe, laufende Untersuchungen und jüngst abgeschlossene Qualifikationsarbeiten zur Geschichte des 20. Jahrhunderts. Zur regelmäßigen Teilnahme eingeladen und aufgefordert sind insbesondere die Doktoranden, Mitarbeiter und fortgeschrittenen Studierenden der Veranstalter. Willkommen sind alle Angehörigen des Historischen Instituts und der Universität.

Zeitgeschichtliches Kolloquium im Wintersemester 2014/15