Dr. Piotr Osęka

Curriculum Vitae


Piotr Osęka ist von Juli bis Dezember 2014 Fellow am Imre Kertész Kolleg. Er beendete im Jahr 2005 seine Promotion an der Universität Warschau, bevor er als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Politikwissenschaftlichen Institut der Polnischen Akademie der Wissenschaften in Warschau tätig wurde. Bereits seit 2001 schreibt Piotr Osęka historische Essays für die "Gazeta Wyborcza", "Polityka" sowie für "Newsweek". Zwischen 2006-2010 war er Mitglied des Forschungsteams zum Projekt "Around 1968: Activism, Networks, Trajectories" (Um 1968: Aktivismus, Netzwerke, Abläufe), das von Professor Robert Gildea an der Universität Oxford geleitet wurde. In seiner Forschung konzentriert er sich in erster Linie auf die politische und Gesellschaftsgeschichte des modernen Polens, auf kollektive Biographien, politische Rituale sowie totalitäre Propaganda.


Forschungsprojekt am Kolleg 


Vollstrecker? Eine kollektive Biographie der Mitarbeiter des Sicherheitsapparates im kommunistischen Polen, 1944-1989

Das Buch wird sich in erster Linie mit folgenden Fragen beschäftigen: Wer waren die Mitarbeiter der Geheimpolizei? Was waren ihre Motive, um der Geheimpolizei beizutreten? Aus welchen sozialen Gruppen und Gesellschaftsschichten stammten sie, was waren ihre politischen Traditionen? Wer waren ihre Eltern? Wie haben sie ihre Identität in Lebensläufen, persönlichen Erklärungen und Anschreiben konstruiert? Welche Mechanismen haben ihre Karrieren geformt? Warum und unter welchen Bedingungen haben sie die Geheimpolizei wieder verlassen? Und bis zu welchem Grad entsprachen ihre Karrierestrategien den Zielsetzungen der Institution beziehungsweise liefen sie diesen zuwider?In meiner Annäherung an die Sozialgeschichte des polnischen Sicherheitsapparates nutze ich die prosopographische Methode. Sie verbindet Techniken der quantitativen Geschichtswissenschaft mit denen der Sozialwissenschaften, was sich bei diesem Thema besonders gut anbietet. Eine Auswahl von mehreren hundert Biographien von Mitarbeitern der Geheimpolizei wurde unter Nutzung eines Fragebogens erarbeitet, der nach grundlegenden Informationen wie Alter, Bildungsgrad und Geburtsort sowie auch nach komplexeren Informationen zur kulturellen und politischen Identität, Karrieremustern (nachfolgende Positionen), Heirat, professionellen Entwicklung und Disziplinarakten fragt. Daten aus den archivierten Personalakten wurden in eine digitale Datenbank eingegeben, um die wichtigsten Karriereprofile herauszufiltern. Die Resultate werden mit dem vielfältigen qualitativen Material verglichen, das sich mit der Rekrutierung und der Kaderpolitik des Ministeriums für öffentliche Sicherheit, des Innenministeriums und der Polnischen Vereinigten Arbeiterpartei befasst. Indem diese kollektive Biographie der Mitarbeiter der Geheimpolizei rekonstruiert wird, werde ich auf die Frage nach der gesellschaftlichen Unterstützung des Regimes eingehen. Mein Ziel ist es herauszufinden, welche persönlichen Erfahrungen diejenigen prägten, die wohl die begeistertsten Anhänger des Systems waren. Auf diese Weise bietet das Projekt eine Möglichkeit, um die Beziehungen zwischen den Herrschern und Beherrschten im sowjetischen Block besser zu verstehen.


Forschungsschwerpunkte  


  • Neuere politische und soziale Geschichte Polens
  • kollektive Biographien 
  • politische Rituale
  • totalitäre Propaganda


Positionen und Mitgliedschaften


Assistenzprofessor, Institut für Politische Studien der polnischen Akademie der Wissenschaften