Prof. Dr. Miranda Jakiša

Curriculum Vitae


Miranda Jakiša war Fellow am Imre Kertész Kolleg von Oktober 2013 bis März 2014. Sie ist seit 2009 Professorin für Süd- und Ostslawische Literaturen und Kulturen an der Humboldt Universität zu Berlin. Zuvor war sie am Zentrum für Literatur- und Kulturforschung in Berlin im Rahmen des BMBF-Forschungsverbunds "Topographie pluraler Kulturen mit Rücksicht auf die Verschiebung Europas nach Osten" (Projekt: Feindschaft in den Literaturen des Balkan, 2006-2009) sowie an den Universitäten Tübingen und Konstanz als Wissenschaftliche Assistentin und Mitarbeiterin tätig. Miranda Jakiša wurde an der Universität Tübingen im Rahmen des DFG-Graduiertenkollegs "Pragmatisierung/Entpragmatisierung" mit einer Arbeit zur bosnischen Literatur promoviert; sie hat in Konstanz, Glasgow und Sarajevo Slawistik, Politikwissenschaft und Englische/Amerikanische Literatur studiert.


Forschungsprojekt am Kolleg


Das jugoslawische Partisanennarrativ - Epochenerfahrung des Überlebens, selbstverpflichtende Metalepse und nationalisierte Dekonstruktion
Das in Osteuropa im 20. Jh. transnational bedeutsame, in Jugoslawien zudem äußert populäre und sogar kulturpolitisch verankerte Partisanennarrativ, das das historische Ereignis des Partisanenkriegs 1941-45 immer wieder neu erzählte, steht im Mittelpunkt des Projektes von Miranda Jakiša. Der jugoslawische, als 'Selbstbefreiung' stilisierte Kampf im NOB, der Narodnooslobodilačka Borba (dt: Volksbefreiungskampf), speiste sich als staatstragender Gründungsmythos des Zweiten Jugoslawien wesentlich aus seiner literarischen und filmischen Darstellung. Im Projekt werden drei entscheidende, ineinander verzahnte Umbruchphasen des Partisanennarrativs unterschieden (Werke der Jahre 1943/44 bis 1957, Werke der Jahre 1962-1978, Werke der Jahre 1985-1990), die in Wechselbeziehung zur jeweiligen politischen und gesellschaftlichen Gegenwart stehen und zugleich mit ästhetischen Paradigmenwechseln in der europäischen Literatur und dem Film zusammenfallen (Nachkriegsliteratur, nouvelle vague, Postmodernismus). Die kontextualisierende Überblicksdarstellung des Narrativs, die am Kolleg realisiert werden kann, fußt auf motivischen sowie narrativen Analysen exemplarischer Partisanentexte, -filme und -lieder aus fünf jugoslawischen Jahrzehnten und geht dabei davon aus, dass das Partisanennarrativ sich zwischen 1941/42 und 1992 immer dort signifikant veränderte, wo einer neuen Realität damit sinnstiftend begegnet werden sollte. Der literarischen Traumabewältigung zahlreicher Veteranen-Autoren in der direkten Nachkriegszeit, die nach den durchlebten Kriegsleiden ein Narrativ der Selbstermächtigung vom 'aktiven Opfer' erschufen (1), folgte eine Phase der metaleptischen (Selbst-)Verpflichtung einer neuen Generation zum 'partisanischen Geist', die über 'Gegenwartsbrücken' funktionierte und die zuletzt die Usurpation des revolutionären Impetus durch die Jungen bedeutete (2) sowie die spätere systematische, jedoch stets ambivalent bleibende Dekonstruktion des Partisanennarrativs, die von Ironisierungs- aber auch von Nationalisierungstendenzen gekennzeichnet ist (3). Ein deutlicher Schwerpunkt des Projekts liegt auf den frühen Partisanennarrativen der Jahre 1943/44 bis 1957, die als Nachkriegsliteratur und als Ausdruck der europäischen Epochenerfahrung des Überlebens im 20. Jh. verstanden werden. Ganz im Geist des Namensgebers des Kollegs, des Schriftstellers und kritischen Intellektuellen Imre Kertész, nimmt das Projekt die Kriegserfahrungen in den retrospektiv oft zu ideologischen 'Staatsromanen' degradierten Partisanentexte ernst. Diese zumeist autobiographisch authentifizierten Romane erfüllten therapeutische, kriegsbewältigende Funktion und schafften zugleich, obwohl oder gerade dadurch, dass in ihnen ein Bezeugen des 'Faktischen' unentwegt die Grenze zwischen Geschichte und Fiktion markierte, den Raum für eine utopische Überwindung der Realität.


Forschungsschwerpunkte


  • Slawische Literaturen der Gegenwart


  • Literatur- und Kulturtheorie


  • Osteuropäischer Film (Schwerpunkt Jugoslawien)


  • Postdramatisches Theater


  • Kunst und Politik



Funktionen /Mitgliedschaften


  • Vorstandsmitglied des DSV Deutscher Slavistenverbands seit 2009


  • Mitglied der SOG Südosteuropagesellschaft


  • Mitglied der DGO Deutsche Gesellschaft für Osteuropakunde


  • Mitglied der ASEEES Association for Slavic, East European and Euroasian Studies