Politische Ideen in Rumänien zwischen den Weltkriegen

Hauptseminar
Dozenten: Dr. Joachim von Puttkamer, Dr. Wolfgang Dahmen
Zeit: Mi. 12 - 14 Uhr
Ort: Fürstengraben 13, Seminarraum des Historischen Instituts


Sollte sich Rumänien stärker an Frankreich oder an Deutschland orientieren? Rumänien war mit einem aus dem Hause Hohenzollern-Sigmaringen stammenden König an der Spitze des Staates im Ersten Weltkrieg zunächst neutral geblieben, dann aber an der Seite Frankreichs als Sieger aus dem Krieg hervorgegangen. Am Ziel der nationalen Einigung sah sich das Land zugleich als Frontstaat gegenüber dem nunmehr bolschewistischen Rußland. Die alte Debatte über das Verhältnis zu Europa überschnitt sich fortan mit scharfen weltanschaulichen Kontroversen, die sich bald auch gleichermaßen produktiv wie problematisch in der Philosophie, Soziologie und Belletristik auswirkten. Autoren wie Mircea Eliade, Emile Cioran, Eugène Ionesco und zuletzt Mihail Sebastian wurden schließlich weit über die Grenzen Rumäniens hinaus bekannt.

In dem interdisziplinären Seminar werden ausgewählte Schriften gelesen und in ihrem politischen und literarischen Kontext erschlossen. Rumänisch- und/oder Französischkenntnisse sind nicht erforderlich (aber hilfreich, wo vorhanden).

Wege und Orte der Shoah (mit Exkursion nach Polen)

Hauptseminar
Dozenten: PD Dr. phil. Habil. Jörg Ganzenmüller, Dr. Raphael Utz
Zeit: Di. 14 - 16 Uhr
Ort: Intershop Tower - Seminarraum Imre Kertesz Kolleg

Die Ermordung der europäischen Juden im Verlaufe des Zweiten Weltkrieges fand vor allem an Orten in den von deutschen Truppen besetzten Gebieten Osteuropas statt. Dieser Umstand begünstigte zum einen die nach dem Krieg weit verbreitete Schutzbehauptung, man habe nichts gewusst, und sorgte zum anderen tatsächlich für eine einseitige Prägung der Vorstellungen und Bilder von der Shoah. Das Seminar will deshalb den Fokus erweitern und ganz bewusst die Wege und Orte des Holocaust in den Blick nehmen. Dies können etwa Sammelorte oder Bahnhöfe in Jena und Deutschland sein, die bei den Deportationen der deutschen Juden eine Rolle spielten, aber auch Ghettos und die Tötungsorte in Polen. Im Mittelpunkt der Seminarsitzungen soll die möglichst genaue Rekonstruktion des Geschehens auf verschiedenen Wegstrecken und an verschiedenen Orten stehen. Ergänzt wird dies durch eine Exkursion Ende Juli 2014 an ausgewählte Orte der Shoah in Deutschland und Polen, um die erinnerungskulturellen Repräsentationsformen anhand des im Seminar gelernten kritisch zu befragen.

Einführende Literatur: Saul Friedländer: Das Dritte Reich und die Juden, 2 Bde., München 1998 und 2006; Gerd R. Ueberschär (Hg.): Orte des Grauens. Verbrechen im Zweiten Weltkrieg, Darmstadt 2003.

Polnisch für Historiker: Quellen zur Zweiten Polnischen Republik (1918-39)

Übung zur Quellenkunde
Dozent: Dr. Jochen Böhler
Zeit: Mo. 14 - 18 Uhr
Ort: Intershop Tower - Seminarraum Imre Kertesz Kolleg


Die Übung bietet eine Einführung in die historische Interpretation polnischsprachiger Quellen zur Zweiten Polnischen Republik. Sie ist zudem thematisch lose an die Vorlesung "Faschistische Bewegungen und autoritäre Regime in Ostmittel- und Südosteuropa 1918-1945" angelehnt, wobei eine zusätzliche Belegung dieser Veranstaltung sinnvoll, aber nicht verpflichtend ist. Doch werden uns vor allem Fragen nach autoritären Zügen der polnischen Rzeczpospolita einerseits und ihrem Verhältnis zum Dritten Reich und zur Sowjetunion andererseits beschäftigen.

Teilnahmevoraussetzung sind elementare Lesekenntnisse im Polnischen, wobei ein begleitendes Tutorat sprachliche Hilfestellung bieten wird.

Einführung in die Wirtschafts- und Sozialgeschichte Ostmitteleuropas im 20. Jahrhundert

Basismodul Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts
Dozent: Dr. Stanislav Holubec
Zeit: Mi. 14 - 16 Uhr
Ort: Kahlaische Straße 1, HS Kahlaische Str.
Tutorium: Do. 18 - 20 Uhr, Fürstengraben 1 - SR 270


Polen, die ehemalige Tschechoslowakei und Ungarn sind die Kernländer Ostmitteleuropas, die zahlreiche strukturelle Gemeinsamkeiten verbinden. Sie haben infolge des Desintegrationsprozess der Habsburgermonarchie und des Zarenreiches 1918 ihre Unabhängigkeit gewonnen und haben somit ein imperiales Erbe. Seit den späten dreißiger Jahren geriet die Region zunächst in den Einflussbereich des nationalsozialistischen Deutschland, nach dem Zweiten Weltkrieg in den sowjetischen Einflussbereich. Die Nachkriegszeit war somit von einem gesellschaftlichen Umbau nach sowjetischem Vorbild geprägt. Nach dem Sturz des Kommunismus folgte eine Integration in westliche Strukturen. Das Seminar wird sich mit der folgenden Themen befassen: 1. Die Entwicklung moderner Städte und Metropolen; 2. die religiöse und ethnische Vielfalt der Region (jüdische und deutsche Minderheit, katholische, protestantische und orthodoxe Konfession) und deren Auswirkungen auf die wirtschaftliche und soziale Entwicklung; 3. die politischen Probleme der Zwischenkriegszeit (neue Grenzen, Bodenreform); 4. die Integration der Region in die nationalsozialistische Kriegswirtschaft; 5. die Etablierung stalinistischer Regime nach 1945; 6. die Krisen der sozialistischen Gesellschaften (Umweltverschmutzung, Schwierigkeiten der Modernisierung, Mangelwirtschaft); 7. der Transformationsprozess seit 1989/1990 (Globalisierung, postindustrielle Gesellschaft, Neo-Liberalismus).

Einführende Literatur: Joachim von Puttkamer, Ostmitteleuropa im 19. und 20. Jh., München 2010; Mark Pittaway, Eastern Europe 1939-2000, London 2010; Andrew Janos, East Central Europe in the Modern World. The Politics of borderland from Pre- to Post-Communism, Stanford 2000.

Ungarn von 1945 bis 1989: Geschichte und Kultur

Übung Quellenkunde / Historiographie
Dozenten: Dr. des. Silvia Petzoldt, Dr. phil. Ferenc Lörinc Laczó
Zeit: Fr. 10 - 14 Uhr (14 tägig)
Ort: Carl-Zeiß-Straße 3 - SR 127

Das Seminar bietet sowohl eine Überblicksdarstellung der wichtigsten Entwicklungen in der ungarischen Geschichte als auch der zentralen Errungenschaften der ungarischen Kultur zwischen 1945 und 1989. Politische Hauptströmungen und soziale Veränderungen werden ebenso diskutiert wie die wichtigsten literarischen und kinematografischen Werke. Die Sitzungen sind in vier Hauptthemen unterteilt, die die historische, literarische und kinematografische Perspektive kombinieren: Der ungarische Stalinismus nach dem Zweiten Weltkrieg, die Revolution von 1956, die Kádár-Epoche und die ungarisch-jüdische Geschichte nach dem Holocaust.

Einführende Literatur: Ignác Romsics, Hungary in the Twentieth Century (Budapest, 1999). Ernő Kulcsár Szabó (Hrsg.), Geschichte der ungarischen Literatur: Eine historisch-poetologische Darstellung (2013). John Cunningham, Hungarian Cinema. From Coffeehouse to Multiplex (New York, 2004). Joachim von Puttkamer, Ostmitteleuropa im 19. und 20. Jahrhundert (München, 2010). John Neubauer und Marcel Cornis-Pope (eds.), History of the Literary Cultures of East-Central Europe. Vol. I-IV. (Amsterdam, 2004-2010). Anikó Imre (ed.), East European Cinemas (London, 2005). Primärliteratur: Imre Kertész, Roman eines Schicksallosen (Sorstalanság, Reinbek b. Hamburg, 7. Aufl., 1975/2002), Péter Nádas, Ende eines Familienromans (Egy családregény vége, Reinbek b. Hamburg, 1977/1999), Sándor Márai, Land, Land! (Föld, Föld!, München, 1972/2001), Tibor Déry, Antwort (Felelet, Berlin, 1950) Filme: The Witness (A tanú, Regie: Péter Bacsó, 1969, 102 min), Diary for my Children (Napló gyermekeimnek, Regie: Márta Mészáros, 1982, 102 min), Father. Diary of one Week (Apa. Egy hit naplója, Regie: István Szabó, 1966, 98 min), Family Nest (Családi tűzfészek, Regie: Béla Tarr, 1979, 108 min).