Prof. Dr. Peter Haslinger

Curriculum Vitae


Peter Haslinger ist seit April 2007 Direktor des Herder-Instituts für historische Ostmitteleuropaforschung Marburg und Professor für die Geschichte Ostmitteleuropas am Historischen Institut der Justus-Liebig-Universität Gießen und am interdisziplinären Gießener Zentrum Östliches Europa (GiZo). Es ist Mitherausgeber der Zeitschrift für Ostmitteleuropa-Forschung und war bis zuletzt Sprecher der Sektion A der Leibniz-Gemeinschaft. Zwischen 2005 und 2007 war er Vertretungs- und Gastprofessor an der LMU München und den Universitäten Regensburg, Wien und Salzburg. Seit 2001 war Peter Haslinger wissenschaftlicher Mitarbeiter 2001-2007 wissenschaftlicher Mitarbeiter und Bibliotheksreferent am Collegium Carolinum in München, davor (seit 1997) Projektmitarbeiter im Sonderforschungsbereich "Identitäten und Alteritäten" der Universität Freiburg. Zu Beginn seiner Laufbahn war er Projektmitarbeiter der Universität Wien und Leiter der Außenstelle Budapest des Österreichischen Ost- und Südosteuropa-Instituts.


Forschungsprojekt am Kolleg


Das Leitmotiv des Buchprojekts sind Expertenkulturen in Polen, Ungarn und der Tschechoslowakei (bzw. im Rahmen der imperialen Entwicklung bis 1918 und unter deutscher Besatzung während des Zweiten Weltkriegs). Unter Expertenkulturen werden Konstellationen personeller wie institutioneller Verdichtung verstanden, die sich im Kern aus wissenschaftlich qualifizierten Personen zusammensetzten, welche von Politik und Öffentlichkeit als Ansprechpartner bei der Lösung anstehender Probleme begriffen wurden. Dieser Status blieb von der Form des politischen Systems, sozio-öko­no­mi­schen Problemen und kulturellen Zuschreibung abhängig, die sich in Ostmitteleuropa in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts sehr dynamisch vollzogen. Das Projekt richtet sein Hauptaugenmerk auf Personen, die neben oder nach einer akademischen Tätigkeit als Experten aktiv publizistisch auftraten und sich v.a. im Zuge des Ausbaus der unabhängiger Nationalstaaten bald in Positionen wiederfanden, die mit besonderen politischen, administrativen oder institutionellen Verantwortungen einhergingen. Der zweite Fokus des Projekts liegt auf Raum. Über Kriege, Grenzveränderungen, Minderheitenprobleme und Stabilisierungskrisen beschäftigten Fragen zu Raum die zeitgenössischen Experten in und außerhalb der Region intensiv - und führten im Zweiten Weltkrieg bekanntermaßen zu hochproblematischen Formen anwendungsorientierter Forschung. Raumbezogene Konzepte werden im Buchprojekt daher nicht nur inhaltlich abgeglichen, sondern es wird nach Rezeptionslogiken, Einfluss- und Gestaltungsmöglichkeiten, Strategien und vor allem auch dem jeweils zugrunde gelegten Politik- und Wissenschaftsverständnis gefragt. Adressiert werden auch Faktoren, welche die Durchsetzung von Konzepten bedingten oder verhinderte. Insgesamt zielt das Buchprojekt daher auf den Überschneidungsbereich zwischen akademischen Milieus, staatlicher Macht, Medien und (Teil-)Öffentlichkeit(en) und verfolgt das Ziel, epochen­spe­zi­­fische wie länderübergreifende Entwicklungslinien und Typologien herauszuarbeiten.


Forschungsschwerpunkte


  • Geschichte Ostmitteleuropas, vor allem der böhmischen Länder, der Slowakei, Ungarns und Österreichs seit 1848 
  • Diskursgeschichte und Geschichte von Wissensordnungen 
  • Nationalismus, Regionalismus, Minderheitenfragen und Zwangsmigration 
  • Spatial turn und Kartographiegeschichte 
  • Identitäts-, Interkulturalitäts- und Loyalitätsforschung 
  • Erinnerungskultur und Musealisierung 



Funktionen und Mitgliedschaften


  • Sprecher der Leibniz Graduate School "History, Knowledge, Media in East Central Europe - Geschichte, Wissen, Medien in Ostmitteleuropa" 


  • Zweiter Koordinator des LOEWE-Schwerpunkts "Kulturtechniken und ihre Medialisierung" 


  • Mitglied im Direktorium am "Gießener Zentrum Östliches Europa" (GiZo) Principal Investigator und Mitglied des Direktoriums im "International Graduate Center for the Study of Culture" (GCSC), Justus-Liebig-Universität Gießen


  • Mitglied im Think tank "Identitätsforschung in den Altertumswissenschaften" der key topic group "identities" des Exzellenzclusters Topoi (Berlin) 


  • Mitglied im International advisory board des Centre for War Studies, University College Dublin Vorstandsmitglied im Verband der Osteuropahistorikerinnen und -historiker (VOH) 


  • Stellvertretender Vorsitzender im Wissenschaftlichen Beirat des Georg Eckert Instituts Braunschweig Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat des Instituts für Donauschwäbischen Geschichte und Landeskunde Tübingen 


  • Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat der Graduiertenschule für Ost- und Südosteuropastudien - Graduate School for East and Southeast European Studies (LMU München und Universität Regensburg) 


  • Mitglied im Kuratorium des Geisteswissenschaftliches Zentrum Geschichte und Kultur Ostmitteleuropas an der Universität Leipzig