Die russischen Revolutionen 1917

Basismodul Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts
Dozent: Dr. Raphael Utz
Zeit: Di. 14-16 Uhr
Ort: Intershop Tower - Seminarraum Imre Kertesz Kolleg
Tutorium: Mo. 18-20 Uhr

Das 'Epochenjahr' 1917 steht für das Ende des langen 19. Jahrhunderts und des alten Europa. Neben dem Einritt der Vereinigten Staaten in den Ersten Weltkrieg ist für diese Wahrnehmung in erster Linie der Umsturz in Rußland zentral, der bereits die Zeitgenossen tief erschütterte - oder begeisterte! Mitten im Krieg beendete der Sturz des Zaren Nikolaus II. die 300jährige Herrschaft des Hauses Romanov, ohne daß sich in der Folge ein neues Machtzentrum etablieren konnte. Verschiedene liberale und sozialistische Parteien, das in sich gespaltene Militär, städtische und ländliche Bevölkerung, nationale Gruppen und die Alliierten kämpften um Einfluß und Macht, während weite Teile des Riesenreiches der Autorität der Provisorischen Regierung entglitten. Die Oktoberrevolution der Bolschewiki unter der Führung Lenins machte sich dieses Machtvakuum zu Nutze und etablierte die erste Regierung der Welt, die den Aufbau einer sozialistischen Gesellschaftsordnung anstrebte und sich gegen konkurrierende Gruppen und politische Entwürfe in einem langen und blutigen Bürgerkrieg durchsetzen konnte.
Das Seminar soll anhand intensiven Quellenstudiums einen multiperspektivischen Blick auf dieses Schlüsselereignis des 20 Jahrhunderts richten, um einführend zentrale Methoden, Konzepte und Werkzeuge der Geschichtswissenschaft einzuüben. Russische Sprachkenntnisse sind willkommen, aber keine Voraussetzung, da die Quellen in Übersetzung vorliegen. Die Teilnahme am zugehörigen Tutorium ist verpflichtend.
Literatur zur Einführung: MANFRED HILDERMEIER Die Russische Revolution 1905-1921, Frankfurt a. M. 1989.

Sozialismus und Freiheit. Polen 1956-1981

Hauptseminar
Dozent: Prof. Dr. Joachim von Puttkamer
Zeit: Mi. 12-14 Uhr
Ort: Historisches Institut, Seminarraum

Als das stalinistische Regime im "Polnischen Oktober" von 1956 durch Władysław Gomułka abgelöst wurde, schienen sich die Perspektive eines polnischen, freiheitlichen Sozialismus aufzutun. Der Revisionismus, der sich in diesen neuen Freiräumen entwickelte, geriet jedoch bald in Opposition zur Parteiführung. Die antisemitische Kampagne vom März 1968 und der Exodus jüdischer Intellektueller markierte eine tiefe Zäsur im politischen Denken in Polen und den Übergang zu einer an Bürgerrechten orientierten Dissidenz. Im Seminar sollen Schlüsseltexte dieser Entwicklung von Leszek Kołakowski über Jacek Kuroń und Karol Modzelewski bis zu Adam Michnik und der entstehenden Solidarność gelesen werden. Die Texte liegen überwiegend in deutscher Übersetzung vor.
Einführende Lektüre: Borodziej, Włodzimierz: Geschichte Polens im 20. Jahrhundert, München 2010 (Europäische Geschichte im 20. Jahrhundert).

Einführung in die Südosteuropastudien

Vorlesung

Dozenten: Prof. Dr. Wolfgang Dahmen, Prof. Dr. Joachim von Puttkamer, Prof. Dr. Thede Kahl
Zeit: Do. 12-14
Ort: Carl-Zeiß-Straße 3 - SR 226

In dieser Vorlesung werden grundlegende Wissensbereiche der Südosteuropastudien vermittelt. Folgende Bereiche werden diskutiert:
1. "Südosteuropa" - Definition, räumliche Grenzziehungen, Begriffsgeschichte (Dahmen/Kahl/von Puttkamer)
2. Antike und Mittelalter, Ethnogenese, Mythen, Religionen (Dahmen/Kahl/von Puttkamer)
3. Geographische Grundlagen: Relief, Klima, Vegetation (Kahl)
4. Osmanisches Reich und Habsburgermonarchie/Imperiale Herrschaft in Südosteuropa in der Frühen Neuzeit (von Puttkamer)
5. Nationalstaatsbildung im 19. und frühen 20. Jahrhundert (von Puttkamer)
6. Zweiter Weltkrieg und sozialistische Diktaturen (von Puttkamer)
7. Die aktuelle Sprachenkarte Südosteuropas (Dahmen)
8. Der Beitrag der Sprachwissenschaft zu Fragen der Ethnogenese der Völker Südosteuropas (Dahmen)
9. Balkansprachbund und Eurolinguistik (Dahmen)
10. Zwischen Standard und Minderheit. "Neue" Sprachen in Südosteuropa (Kahl)
11. Kultur im Wandel: Byzantinische und osmanische Spuren in den heutigen Kulturen Südosteuropas (Kahl)
12. Evtl. Erinnerungskultur in Südosteuropa (Kahl)
13. Enddiskussion (Dahmen/KahlPuttkamer)

Ostmitteleuropa am Ende des Ersten Weltkriegs 1917-1922

Seminar Aufbaumodul Osteuropäische Geschichte
Dozent: Dr. Jochen Böhler
Zeit: Mo. 14-16 Uhr
Ort: Intershop Tower - Seminarraum Imre Kertesz Kolleg

Nach dem Niedergang der großen Kriegsmächte Russland, Österreich-Ungarn und Deutschland versinkt Ostmitteleuropa über Jahre im Chaos. Das Seminar beschäftigt sich mit der im Rahmen von Unabhängigkeitskämpfen, Grenzkriegen, ethnischen Säuberungen, Pogromen und anderen Konflikten ausgeübten Gewalt auf dem Gebiet der sich im Untersuchungszeitraum herausbildenden Zweiten Polnischen Republik sowie in den an diese angrenzenden Regionen. Untersucht werden Phänome wie Judenpogrome, Kämpfe Weiße gegen Rote Streitkräfte im Russischen Bürgerkrieg, Die Herrschaft von Warlords und Bauernaufstände in Westweißrussland, der litauisch-polnische Konflikt um die Wilna-Region, der polnisch-ukrainische Konflikt um Ostgalizien, der polnisch-sowjetische Krieg um Polens Ostgrenze, Auseinandersetzungen mit Deutschen Freikorps im Baltikum und an der deutsch-polnischen Grenze. Im Ergebnis sollen die untersuchten Konflikte Ostmitteleuropas im Zeitraum 1917-1922 analysiert und in einen historischen sowie überregionalen Rahmen eingeordnet werden.
LITERATUR: Stone, Norman (1975): The eastern front 1914-1917. New York, NY: Scribner; Borodziej, Włodzimierz (2010): Geschichte Polens im 20. Jahrhundert. München: Beck (Europäische Geschichte im 20. Jahrhundert); Prusin, Alexander Victor (2005): Nationalizing a borderland. War, ethnicity, and anti-Jewish violence in east Galicia, 1914-1920. Tuscaloosa: University of Alabama Press; Davies, Norman (1983): White eagle, red star. The Polish-Soviet war, 1919-20. [Repr.]. London: Orbis Books; Schnell, Felix (2012): Räume des Schreckens. Gewalträume und Gruppenmilitanz in der Ukraine, 1905-1933. Hamburg: Hamburger Edition; Budnitskii, Oleg (2012): Russian Jews between the Reds and the Whites, 1917-1920. 1. Aufl. Philadelphia: University of Pennsylvania Press; Wilson, Tim (2010): Frontiers of violence. Conflict and identity in Ulster and upper Silesia 1918-1922. Oxford, New York: Oxford University Press; Gerwarth, Robert; Horne, John (Hg.) (2012): War in peace. Paramilitary violence in Europe after the Great War. Oxford: Oxford University Press; Macmillan, Margaret (2002): Paris 1919. Six months that changed the world. New York: Random House.

Polnisch für Historiker: Quellen zur Entstehung der Zweiten Polnischen Republik aus den Wirren des Ersten Weltkriegs

Übung
Dozent: Dr. Jochen Böhler
Zeit: Mo. 16-18 Uhr
Ort: Intershop Tower - Seminarraum Imre Kertesz Kolleg
Die Übung bietet eine Einführung in die historische Interpretation polnischsprachiger Quellen zur Entstehung der Zweiten Polnischen Republik aus den Wirren des Ersten Weltkriegs und ist damit thematisch an das Seminar "Ostmitteleuropa am Ende des Ersten Weltkriegs, 1917-1922" angelehnt, wobei eine zusätzliche Belegung dieser Veranstaltung sinnvoll, aber nicht verpflichtend ist. Teilnahmevoraussetzung sind elementare Lesekenntnisse im Polnischen, wobei ein begleitendes Tutorat sprachliche Hilfestellung bieten wird.