Immo Rebitschek

Curriculum Vitae 


Seit Januar 2013 Doktorand an der Graduiertenschule des Imre Kertész Kollegs an der Friedrich-Schiller- Universität Jena. Zuvor Tätigkeit am Kolleg als wissenschaftlicher Mitarbeiter und wissenschaftliche Hilfskraft. Mitarbeiter am Internetprojekt "[Ge]denkmuster: Sowjetische Verbrechen - russische Erinnerung" am Lehrstuhls für Osteuropäische Geschichte an der Universität Jena in Kooperation mit der Gedenkstätte Buchenwald.
Immo Rebitschek studierte von 2006 bis 2011 Neuere Geschichte, Germanistik und Religionswissenschaften in Jena und hat sein Studium mit einer Magisterarbeit über "Das Lager schreiben. Der stalinistische GULag in der westdeutschen und angelsächsischen Geschichtsschreibung", beendet.


Promotionsprojekt


Ordnung und „Gesetzlichkeit“. Die Geschichte der sowjetischen Staatsanwaltschaft in der Region Molotov zwischen 1939 und 1956.


Das Projekt widmet sich der Geschichte der sowjetischen Staatsanwaltschaft und ihrer Funktion in einer stalinistischen und post-stalinistischen Diktatur. Die Anziehungskraft dieser Geschichte besteht nicht nur in der offensichtlichen Verflechtung von Jurisdiktion und polizeistaatlicher Gewalt. Sie besteht vor allem in dem Kontrast zwischen Verantwortung und Amtsgewalt, der die Arbeit dieser Behörde seit dem Ende des „Großen Terrors“ bestimmte. Ohne Weisungsbefugnisse ausgestattet stand der Staatanwalt in der Verantwortung, die sowjetische Realität einer vermeintlich legalistischen Utopie anzugleichen.


Welche Rolle spielte der so genannte „bolschewistische Tribun der Gesetzlichkeit“ bei der Durchdringung der Gesellschaft  - und für die Domestizierung polizeistaatlicher Strukturen? Welche Spielräume hatten Staatsanwälte an der Peripherie gegenüber den außergerichtlichen Behörden des Innenministeriums, gegenüber den Gerichten und der Partei? Welche Ambitionen verfolgten die Staatsanwälte, wenn es darum ging, dem Konstrukt der „Sozialistischen Gesetzlichkeit“ eine praktische Ausgestaltung zu geben?


Das Projekt legt den Fokus auf die Arbeit der Staatsanwälte in der Uralregion Molotov. Über die sozialen und politischen Erschütterungen der Kriegs- und Nachkriegszeit hinweg, stehen zentrale Arbeitsbereiche dieser Behörde zur Untersuchung. Neben den Kampagnen gegen „Arbeitsplatz-Desertion“, Diebstahl und Jugendkriminalität ist es die Geschichte der Polizei- und Lageraufsicht, die das Bild vom Geheimpolizeistaat erweitern soll. In ihrem Anspruch, den Alltag der Sowjetmacht verbindlich und regelhaft zu gestalten, stießen Staatsanwälte nicht ausschließlich auf übermächtigen Widerstand. Sie formulierten und verteidigten (mitunter erfolgreich) bis 1953 das Bild einer gelenkten Justiz, dessen Regelhaftigkeit nach Stalins Tod zum Kern der politischen Tauwetterreformen werden sollte.


Dieser Anspruch auf Verbindlichkeit war kein politisches Gegengewicht. Er war durchweg stalinistisch: dahingehend, dass die Partei dem „Gesetzlichen“ erst seinen politischen Wert beimessen konnte; dahingehend, dass eben „politische Verbrecher“ auf diese Verbindlichkeit kein Anrecht hatten. Die Durchsetzung eines verbindlichen Regelapparates war ein Komplementärprojekt zur Polizeiwillkür des NKVD und MVD. Der Staatsanwalt trug dieses Projekt seit 1939 zunehmend aus beruflicher Überzeugung und empfahl sich nach 1953 als Schlüsselfigur für eine Diktatur ohne Stalin; eine Diktatur der „rationalen“ Unterdrückung.


Forschungsschwerpunkte


  • Sowjetische Geschichte
  • Historiographiegeschichte im 20. Jahrhundert
  • Erinnerungskultur in Russland