Martin Müller-Butz M.A.

Curriculum Vitae

Seit August 2011 Doktorand und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Imre Kertész Kolleg "Europas Osten im 20. Jahrhundert" an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Zuvor Tätigkeit am Kolleg als Wissenschaftliche Hilfskraft und als Redakteur im Internetprojekt "[Ge]denkmuster: Sowjetische Verbrechen - russische Erinnerung". Von 2004 bis 2010 Magisterstudium der Osteuropäischen Geschichte und Politikwissenschaft in Jena und Krakau (Magisterarbeit: "Wer das Pathos der Geschichte spüren kann..." - Der Umgang mit Geschichte in der polnischen Opposition am Beispiel des Ruch Młodej Polski 1977-1981).

Promotionsprojekt


Unheimliche Heimat? Das Russische Zarenreich in polnischen Memoiren und Autobiographien des Zwanzigsten Jahrhunderts

Im Rahmen dieses Forschungsprojekts beschäftige ich mich mit polnischen Erinnerungen an den Zusammenbruch des Russischen Zarenreiches 1917. Dabei untersuche ich, wie in Autobiographien, in Memoiren und in Tagebüchern von Polen aus den westlichen Gouvernements des Russischen Zarenreichs, sowie aus dem Landesinneren Russlands der Zerfall des russischen Imperiums infolge des Ersten Weltkriegs, die Entstehung des neuen polnischen Staates und die eigene Erfahrung von Flucht, Vertreibung und Gewalt vor dem Hintergrund der Entstehung und Entwicklung der Sowjetunion durch das zwanzigste Jahrhundert hindurch erinnert wird. Ein wichtiger Fokus liegt auf dem zeitlichen Entstehungskontext der Erinnerungen. Die Arbeit fragt deshalb, welchen zeitgenössischen Deutungsmustern die autobiographische Verarbeitung der persönlichen Erfahrungen im Zarenreich und des Scheiterns der imperialen Gesellschaftsordnung unterliegt. Welche Bilder und Vorstellungen vom zaristischen Russland werden dabei entworfen? In Anlehnung an Reinhart Kosellecks Kategorienpaar von "Erfahrungsraum" und "Erwartungshorizont" untersucht die Arbeit auch, welche nationalen Ideen und politischen Konzepte anhand der eigenen Erinnerungen in der Zwischenkriegszeit, in der Zeit des Kalten Krieges in Volkspolen und im polnischen Exil entwickelt werden. Von Interesse für das Vorhaben sind dabei auch all jene Erinnerungen und Autobiographien, die nicht den Weg in eine polnische Öffentlichkeit fanden - seien es private Familienerinnerungen oder zensierte Teile publizierter Autobiographien. Hier lassen sich Aussagen über Grenzen und Freiräume der verschiedenen polnischen Öffentlichkeiten wie der der Zwischenkriegszeit, oder später im polnischen Exil und in der Volksrepublik machen. Dabei spielen Verflechtungen und Interdependenzen zwischen den einzelnen Erinnerungsdiskursen ebenfalls eine wichtige Rolle.


Forschungsschwerpunkte

  • Polnische und russische Geschichte des 20. Jahrhunderts
  • Zeitgeschichte Polens
  • Theorien und Ansätze der Geschichtskultur/ Erinnerungskultur
  • angewandte Geschichte


Funktionen und Mitgliedschaften

  • Mitglied der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Thüringen e.V.
  • Künstler für Andere e.V. (Träger des Thüringer Archiv für Zeitgeschichte "Matthias Domaschk")