Dr Martin Jemelka

Curriculum Vitae


Martin Jemelka, von September 2013 bis August 2014 Fellow am Kolleg, ist seit 2006 Fachassistent am Lehrstuhl für Gesellschaftswissenschaften der Vysoká škola báňská - Technische Universität Ostrava (Tschechien) - und seit 2008 Mitglied des Zentrums für Wirtschafts- und Sozialgeschichte der Philosophischen Fakultät der Universität Ostrava. Zwischen 2007-2013 arbeitete er daneben als Fachassistent an der Fakultät für öffentliche Politik der Schlesischen Universität in Opava (Tschechien). Jemelka wurde 2006 mit der Dissertation Obyvatelstvo ostravských dělnických kolonií (1850-1950) ("Die Bevölkerung der Ostrauer Arbeiterkolonien (1850-1950)") am Lehrstuhl für Geschichte der Philosophischen Fakultät der Universität Ostrava promoviert. 2010 erhielt er für die Publikation Na Šalomouně: společnost a každodenní život v největší moravskoostravské hornické kolonii (1870-1950) ("In der Salomonschachtkolonie: Gesellschaft und Alltagsleben in der größten Bergarbeiterkolonie in Mährisch-Ostrau (1870-1950)") den Josef-Pekař-Preis des Historikerverbandes der Tschechischen Republik und der Pekař-Gesellschaft des Böhmischen Paradieses (Pekařova společnost Českého ráje) für die beste Publikation junger Historiker bis 35 Jahre.


Forschungsprojekt am Kolleg


Die wirtschaftliche und soziale Entwicklung ausgewählter Werkssiedlungen des Baťa-Konzerns auf dem Gebiet der heutigen Tschechischen Republik, Kroatiens, Ungarns, Polens und der Slowakei (1930-1955)
Das Projekt befasst sich mit der Erforschung ausgewählter Werkssiedlungen des Baťa-Konzerns in Mittel- und Südosteuropa im Zeitraum von ungefähr 1930 bis etwa 1955. In dieser Zeit entstanden Werkssiedlungen als Produkt einer unternehmerischen Version einer modernen kapitalistischen Wirtschaft und als Ergebnis einer Unternehmensstrategie der Minimalisierung von Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise auf die Aktivitäten des Unternehmens. In die Forschung einbezogen werden Werksstädte und Werkssiedlungen des Baťa-Konzern auf dem Gebiet der heutigen Tschechischen Republik (Napajedla, Otrokovice), Kroatiens (Borovo), Ungarns (Martfü), Polens (Chełmek und Otmęt, vor 1945 Ottmuth in Deutschland) und der Slowakei (Baťovany/Partyzánské). In der komplex konzipierten Studie gilt die Aufmerksamkeit der wirtschaftlichen Entwicklung der einzelnen Standorte vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges, während des Krieges und nachfolgend im Zeitraum des Eigentumsübergangs vom Baťa-Konzern auf den Staat. Analysiert wird außerdem die soziale Entwicklung der Standorte, wobei sich die Arbeit auf die Sozialpolitik des Unternehmens und deren Varianten konzentriert. Die urbane Entwicklung der einzelnen Standorte wird mit ihrer Beziehung zum Konzernzentrum im ostmährischen Zlín einer komparativen Betrachtung in der Dichotomie Werk - Werkssiedlung unterzogen.
Das Hauptziel des Projektes besteht darin, ein interessantes Kapitel der Wirtschafts- und Sozialgeschichte des 20. Jahrhunderts im Zusammenhang mit der Expansion des spezifischen unternehmerischen Systems der Firma Baťa zu untersuchen. Das durch das Ford'sche Modell inspirierte unternehmerische System des Baťa-Konzerns zeichnete sich neben Innovationen im Bereich Management und betriebliche Sozialpolitik durch Bemühungen aus, ein spezifisch urbanes Umfeld zu schaffen, in dem die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Arbeitnehmer eine rationalisierten Fabrikproduktion ideal ergänzen. In diesen urbanen Einheiten konnten sich in modellhafter Weise sozial-historische und sozial-räumliche Modernisierungsprozesse der Zwischenkriegszeit entfalten, die im Rahmen dieser Arbeit untersucht werden sollen. Die Forschungsergebnisse werden in Form einer Monografie zum deutschen Fabrikstandort Ottmuth/ Otmęt und einigen monografischen Studien in Fachzeitschriften präsentiert werden.


Forschungsschwerpunkte


  • Sozialgeschichte und Alltagsgeschichte in der zweiten Hälfte des 19. und im 20. Jahrhundert
  • historische Demografie
  • urbane Geschichte mit Konzentration auf die bauliche, gesellschaftliche und demographische Entwicklung der Arbeiterkolonien im Gebiet Ostrava (1850-1989)
  • Oral History mit Schwerpunkt auf die tschechischen Arbeiterschaft im Zeitraum von 1918 bis 1989



Funktionen und Mitgliedschaften


  • seit 2008: Mitglied des Zentrums für Wirtschafts- und Sozialgeschichte der Philosophischen Fakultät der Universität Ostrava
  • seit 2008: Mitglied der Gesellschaft für Wirtschafts- und Sozialgeschichte des Historischen Instituts der Akademie der Wissenschaften der Tschechischen Republik