Jana Fuchs

Curriculum Vitae 


Seit April 2013 Doktorandin am Imre Kertész Kolleg an der Friedrich-Schiller- Universität Jena. Von 2006 bis 2012 Magisterstudium der Ost- und Südosteuropäischen Geschichte, der Polonistik und der Kulturwissenschaften an der Universität Leipzig sowie in Warschau. Wissenschaftlicher Förderpreis des Botschafters der Republik Polen 2012 für die Magisterarbeit „Die Bedeutung der Trümmer. Die Große Synagoge und der Plac Bankowy im Warschauer Wiederaufbauprozess 1945-1991“. Seit Frühjahr 2012 Lektorin im Leipziger Verlag Spector Books sowie freie museumspädagogische Mitarbeit am Zeitgeschichtlichen Forums Leipzig.


Promotionsprojekt  



Vergessenes Terrain? Diskussionen um Stadtplanung, Architektur und Erinnerung in Warschau nach dem Zweiten Weltkrieg am Beispiel des "Nicht-Wiederaufbaus" des Pl. Teatralny und des Pl. Pilsudskiego

Im Zentrum der Promotion stehen zwei repräsentative Plätze im Herzen Warschaus, die nach dem Krieg in Schutt und Asche lagen: der Plac Teatralny und der Plac Piłsudskiego. Die Plätze hatten in der Zwischenkriegszeit mit vielen Denkmälern und beinahe ausschließlich öffentlichen Gebäuden in hohem Maße repräsentativen Charakter.  

Die forschungsleitende Frage ist, warum diese beiden benachbarten Plätze beinahe komplett unbebaut und damit Kriegsbrachen blieben. Bis auf das Große Theater wurde kein Gebäude wiederaufgebaut. Dennoch können diese beiden Plätze nicht uneingeschränkt als "vergessenes Terrain" (Zygmunt Stępiński) gelten. Über die Jahrzehnte wurden sehr viele Wettbewerbe abgehalten und Entwürfe gemacht, teilweise in Anschluss an die Umbau-Pläne der Zwischenkriegszeit. An diesen beiden Plätzen, die man als Zentren des Nicht-Wiederaufbaus bezeichnen kann, lässt sich untersuchen, wie die Akteure im Zeitraum 1945-1989 mit der Spannung zwischen dem Verlust, den die zerstörten Gebäude bedeuteten, und der Möglichkeit zu einem Neuanfang, die die Zerstörung der alten Bausubstanz auch implizierte, umgingen. Was wird wiederaufgebaut? Und vor allem: Was wird nicht wiederaufgebaut, sondern überbaut mit etwas Neuem? Mit anderen Worten: Was wird wie und warum wann von wem als bedeutsames Baudenkmal definiert (und was nicht)? Und wie werden die verschiedenen Argumente dazu in Position gebracht und verhandelt, also stadtplanerische, pragmatische, politisch-ideologische, finanzielle? Und wer hat mit welcher Argumentation letztlich die Entscheidungsgewalt? Die Untersuchung soll außerdem klären, inwiefern die öffentliche Meinung eine zusätzliche Schwierigkeit für die staatlichen Akteure darstellte.

Vielmehr scheinen die beiden Plätze räumlich wie im übertragenen Sinne im "Dazwischen" gelegen zu haben: zwischen der gebauten Vision der Vergangenheit (der architektonisch idealisierten, als Wohnviertel wiedererstandenen Altstadt im Norden) und der städtebaulichen Vision der Zukunft (dem sozialistischen Zentrum mit Kulturpalast und dem Plac Konstytucji im Süden). Die beiden Plätze mit den vielen zerstörten und unterschiedlichen Bauwerken stellten vor allem uneindeutiges und damit städtebaulich wie erinnerungspolitisch neuralgisches Terrain für die Akteure dar.


Forschungsschwerpunkte 


  • Stadtgeschichte, insbesondere der sozialistischen Staaten
  • Polnisch-jüdische Geschichte