Dr. Jürgen Heyde

Curriculum Vitae 


PD Dr. Jürgen Heyde ist seit dem 1. Mai Fellow am Imre Kertesz Kolleg. Bis April 2013 arbeitete er an einem DFG-Projekt: Der "Ghetto"-Begriff in der polnisch-jüdischen Historiographie und Publizistik 1868-1918. Eine begriffs- und kommunikationsgeschichtliche Untersuchung an der Universität Halle-Wittenberg, wo er seit 2003 als wissenschaftlicher Mitarbeiter tätig war und im Jahre 2009 habilitiert wurde. Von 1998 bis 2003 war er als wissenschaftlicher Mitarbeiter am DH Warschau tätig; promoviert wurde er 1998 an der FU Berlin. Zuvor studierte er osteuropäische Geschichte, Polonistik/Slavistik und Mittlere Geschichte von 1987-1993 in Gießen, Mainz, Warschau und Berlin.

Forschungsprojekt am Kolleg


"Vom Programm zur Politik. Handlungsszenarien antisemitischer Publizistik in Polen 1880-1939" Das Projekt untersucht die Entwicklung handlungsleitender Elemente in der antisemitischen Publizistik im polnischen Sprachraum zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Es geht von der Grundannahme aus, dass antisemitische Polemik sich jeweils bestenfalls mittelbar an Juden richtete, aber in erster Linie gedacht war, die eigene Anhängerschaft in ihren Überzeugungen zu stärken und zur Umsetzung der in der Polemik angelegten politischen, gesellschaftlichen wirtschaftlichen Leitlinien zu bewegen.
In der politischen Wirksamkeit antisemitischer Polemik im polnischen Sprachraum stellt die Wiedererrichtung der Polnischen Republik nach 1918 eine wesentliche Zäsur dar. Anders als vor 1918 gab es im "polnischen Staat", anfangs zumindest theoretisch, später auch praktisch, die Möglichkeit, antisemitische Politik mit staatlichen Mitteln durchzusetzen. Doch bereits vor 1918 hatten antisemitische Publizisten darüber nachgedacht, was "man" mit "den Juden" tun müsse, um die "jüdische Frage" zu lösen. Solche handlungsleitenden (zur Handlung aufrufenden und konkrete Maßnahmen vorschlagenden) Elemente, die sich ausdrücklich an die bereits überzeugten Anhänger der antisemitischen "Wir-Gruppe" richteten, waren nicht von Anfang an Teil der antisemitischen Publizistik, und sie entwickelten sich im Lauf der Jahrzehnte zwischen ca. 1880 und 1939 in Abhängigkeit von den jeweils aktuellen gesellschaftlichen Debatten.
Das Projekt möchte die wesentlichen Entwicklungsstufen der handlungsleitenden Elemente in der polnischen antisemitischen Publizistik in jener Zeit herausarbeiten und fragt nach den jeweiligen diskursiven Kontexten, in denen sie jeweils präsentiert wurden.


Forschungsschwerpunkte


  • nicht dominante Gruppe in der frühen Neuzeit Osteuropas
  • Jüdische Geschichte in Polen-Litauen (Mittelalter - frühes 20. Jahrhundert)
  • Allgemeine Polnische Geschichte
  • Baltische Geschichte in der frühen Neuzeit



Funktionen und Mitgliedschaften


Mitglied im Redaktionsbeirat:

  • Tuna. Ajalookultuuri Ajakiri [Past. Journal of Cultural history], Estonia
  • Ajalooarhivi toimetised [Publications of the Historical Archives], Estonia


Mitgliedschaft:

  • Polskie Towarzystwo Studiów Żydowskich [Polish association of Jewish Studies]
  • Gesellschaft zur Erforschung der Geschichte der Juden
  • Baltische Historische Kommission
  • Verband der Osteuropahistorikerinnen und -historiker e.V. (VOH)
  • Verband der Historiker und Historikerinnen Deutschlands