Sonstige Veranstaltungen 2017


Polnisches Kino in Jena 19: Hiszpanka/Die Spanische Grippe

Hiszpanka (c) Filmpolska
Hiszpanka (c) Filmpolska

R:Lukasz Barczyk, PL 2014, 122 MIN, Originalfassung mit deutschen Untertiteln

Polen gegen Ende des Ersten Weltkrieges. Eine Gruppe Telepathen, unter ihnen das Liebespaar Krystian und Wanda, nehmen Kontakt zum berühmten Pianisten und Freiheitskämpfer Ignacy Paderewski auf. Dieser soll nach Polen zurückkehren, um für dessen Unabhängigkeit zu kämpfen. Allerdings stehen sie bald vor großen Schwierigkeiten: Paderewski leidet an der Spanischen Grippe und auch das deutsche Medium und Erzschurke Dr. Abuse stellt sich ihrem Vorhaben in den Weg. Dieser hat andere Pläne für Paderewski und so nutzen beide Parteien ihre mystische Begabung, um das Schicksal Polens in ihrem Sinne zu beeinflussen.

Doch nicht nur das Geschehen auf der Leinwand kann sich sehen lassen, auch die Hintergründe zu "Hiszpanka" sind interessant. So konnte Barczyk nur durch die Teilnahme an einem Wettbewerb der Woiwodschaft Großpolen die nötigen Mittel für seinen Film eintreiben. In dem Wettbewerb sollte ein Drehbuch ausgezeichnet werden, welches den "Großpolnischen Aufstand" oder "Posener Aufstand" von 1918/19 behandelte. Grund dafür war anscheinend die zu geringe Bekanntheit des Austandes, obwohl dieser ein Erfolg auf ganzer Linie war.

Mit einem Budget von 25 Mio. Złoty, umgerechnet ca. 6 Mio Euro, wurde "Hiszpanka" zum teuersten Film der jüngeren polnischen Filmgeschichte. Allerdings wurde er, trotz guter Kritiken, zu einem der größten Kassenflops, da nur etwas über 16.000 Zuschauer in die Kinos gelockt werden konnten. Das Problem sei wohl die Kombination des historischen Fundaments mit der opulenten Umsetzung als phantastisches Drama.

In Deutschland hingegen kamen Vorführungen des Films wesentlich besser an. Die FAZ lobte den Film nach filmPOLSKA 2016, obwohl der Film nie regulär in deutschen Kinos gezeigt wurde. Die Parallelen und Anspielung, auf etwa die "Spione" und "Mabuse" von Fritz Lang sprachen das deutsche Kinopublikum an. Gleichzeitig ist der Film gespickt mit Anspielung auf die Literatur und Kulturavantgarden der Kriegs- und Zwischenkriegszeit in Polen. Einige Kritiker glaubten sogar in dem gezeigten Theaterstück ein kaum bekanntes Werk des Avantgarde-Dramatikers Stanisław "Witkacy" Witkiewicz wiederzuerkennen.

Der Film balanciert geschickt mit dem Element des Fantastischen, vielen geschichtlichen Referenzen und Filmzitaten. Dabei kommt der Griff ins Popcorn allerdings nie zu kurz.

Montag, 27. November 2017
Zeit: 19:30 Uhr

Kino im Schillerhof, Helmboldstrasse 1 07749 Jena
Eintritt: 4/6,00 €

Reihe: POLNISCHES KINO IN JENA 18: Im Namen des ...

R: Malgorzata Szumowska, Pl 2012 96 min, Originalfassung mit deutschen Untertiteln

Adam (Andrzej Chyra) ist Jesuitenpriester aus Warschau und betreut eine kleine bäuerliche Gemeinde sowie ein Heim für schwererziehbare Jugendliche in der tiefsten polnischen Provinz. Brutale Auseinandersetzungen und Diskriminierung bestimmen den Alltag. Um Frieden in die Gemeinschaft einkehren zu lassen, hält Pater Adam jeden Sonntag feierliche Predigten in der dorfeigenen Kirche, die tiefgründig und geprägt von lebensphilosophischen Weisheiten sind. Er spricht von Gleichheit, einem Punkt im Inneren eines jeden Menschen, der Gott gehört und ein Funken Helligkeit bedeutet.

Damit findet er nicht nur bei den Einheimischen Gehör, sondern auch bei den Jugendlichen, die er betreut. Er glaubt an sie, spielt mit ihnen Fußball, baut mit ihnen eine Mauer, wird von den jugendlichen im Heim respektiert und gemocht. Trotz allem hadert der Priester im Inneren mit einem Konflikt, zu dem ihn der Zölibat und die katholische Gemeinde zwingen. Adam ist homosexuell und kämpft mit seiner Sexualität, obwohl er sich in einen jungen Mann aus dem Heim namens Łukasz (Mateusz Kościukiewicz) verliebt hat.

Seinen Frust darüber ertränkt er in Alkohol oder in fluchtartigen Laufeinheiten im Wald, um wieder klar denken zu können. Doch Einsamkeit und seine inneren Konflikte quälen ihn weiterhin. Einzig die Nähe zu Lukasz und die Zuneigung, die er von ihm erfährt, lassen ihn für einen kurzen Moment alle Schwierigkeiten vergessen.

Im Namen des... eine emotionale Tragödie, von Małgorzata Szumowska, die sich vor allem durch einen sensiblen Erzählton und poesievolle Bildsprache auszeichnet. Gleichzeitig spielen nicht nur homophobe Diskriminierungsmuster und Gewaltstrukturen eine wichtige Rolle sondern auch der Zwiespalt von Liebe und Sexualität, der in tiefer innerer Zerrissenheit und Selbstverleugnung einhergeht.

Vom Imre Kertész Kolleg Jena und dem Polnischen Institut Berlin/Filiale Leipzig initiiert, wird die Filmreihe seit 2014 vom Aleksander-Brückner-Zentrum für Polenstudien präsentiert. Aktuelle Produktionen und ausgewählte Klassiker der polnischen Kinematografie widmen sich historischen und gegenwärtigen Formationen polnischer Staatlichkeit, Gesellschaft, Sprache und Kultur. Alle Filme werden kurz von WissenschaftlerInnen des Aleksander-Brückner-Zentrums eingeführt.

Die Veranstaltung findet in Zusammenarbeit mit der DPG Thüringen e.V. statt.

Montag, 19. Juni 2017
Zeit: 19:30 Uhr

Kino im Schillerhof, Helmboldstrasse 1 07749 Jena
Eintritt: 4/6,00 €

Reihe: POLNISCHES KINO IN JENA 17: Smoleńsk

Smoleńsk - Regie: Antoni Krauze, PL 2013-2015, OmU

Eine Maschine der polnischen Regierung befindet sich am 10. April 2010 auf dem Weg nach Smoleńsk (Russland). Anlass ist die Gedenkfeier für die Opfer des Massakers von Katyn, bei dem tausende von polnischen Soldaten im zweiten Weltkrieg durch den russischen Geheimdienst (NKWD) ermordet wurden. An Bord der Tupolew befinden sich 96 Insassen, unter anderem der polnische Präsident Lech Kaczynski und zahlreiche Sejm Abgeordnete der polnischen Partei Recht und Gerechtigkeit (Prawo i Sprawiedliwosc/PiS). Die Maschine befindet sich im Landeanflug, dichter Nebel erschwert die Sicht. Was als nächstes geschieht, ist für die einen ein Attentat, für die anderen ein tragischer Unfall. Im Film Smoleńsk erschüttern zwei Explosionen das Flugzeug und sind der Grund für dessen Absturz, der durch die Journalistin Nina versucht wird aufzuklären. Nina stößt dabei auf eine riesige Verschwörung. Diese ist der Ausgangspunkt für die Kontroverse, die der Film in Polen ausgelöst hat.

Vom Imre Kertész Kolleg Jena und dem Polnischen Institut Berlin/Filiale Leipzig initiiert, wird die Filmreihe seit 2014 vom Aleksander-Brückner-Zentrum für Polenstudien präsentiert. Aktuelle Produktionen und ausgewählte Klassiker der polnischen Kinematografie widmen sich historischen und gegenwärtigen Formationen polnischer Staatlichkeit, Gesellschaft, Sprache und Kultur. Alle Filme werden kurz von WissenschaftlerInnen des Aleksander-Brückner-Zentrums eingeführt.

Einführung und Moderation: Christoph Maisch vom Aleksander-Brückner-Zentrum für Polenstudien in Jena.
Im direkten Anschluss an den Film diskutieren Prof. Joachim von Puttkamer (Jena) und der Journalist Janusz Tycner (Warschau) miteinander.

Die Veranstaltung findet in Zusammenarbeit mit dem Polnischen Institut Leipzig und der DPG Thüringen e.V. statt.

Montag, 15. Mai 2017
Zeit: 19:30 Uhr

Kino im Schillerhof, Helmboldstrasse 1 07749 Jena
Eintritt: 6,00 €

Reihe: POLNISCHES KINO IN JENA 16: Tiefe Wasser

R: Tomasz Wasilewski, PL 2013, 93 min, Originalfassung mit deutschen Untertiteln
Leistungsschwimmer Kuba steht unter Druck. Seine Mutter möchte ihren Sohn für sich haben und will, dass Freundin Sylwia auszieht. Sein Trainer will, dass er sich mehr anstrengt. Doch Kuba trifft keine Entscheidungen, entzieht sich den Erwartungen und sucht Abhilfe in leistungssteigernden Mitteln oder dem schnellen Sex mit Männern auf dem Klo der Schwimmhalle.
Als er in einer Kunstgalerie Michal kennenlernt, taucht zum ersten Mal in Kubas Leben die Möglichkeit auf, sich in einen Mann zu verlieben. Untertauchen und widerstandslos durchs Leben zu gleiten, funktionieren nicht mehr als Strategie. Sylwia schöpft Verdacht, seine Mutter kann nicht loslassen und für Michal ist kein Platz in seinem Leben reserviert. Verzweifelt sucht Kuba nach einer Möglichkeit, sich freizuschwimmen.
Tomasz Wasilewskis visuell meisterhaftes und im polnischen Kontext erstaunlich offenherzig erzähltes Drama über die schwule Selbstfindung eines jungen Mannes erhielt auf dem Internationalen Filmfestival in Karlovy Vary 2013 den Preis der Sektion „East of the West“.
Die überragenden Schauspieler vermitteln auf zupackende Weise die Sehnsucht der Jugend nach einem
selbstbestimmten Leben und nach sexueller Freiheit. Vor dem Hintergrund einer faszinierend wirkenden Großstadt (Warschau) spielt sich ein menschliches Drama ab, das die Zerrissenheit des Individuums in der sich wandelnden Gesellschaft illustriert. Somit werden im Film universelle Probleme an einem konkreten in Polen angesiedelten Beispiel auf mitreißende Art und Weise angesprochen.
Vom Imre Kertész Kolleg Jena und dem Polnischen Institut Berlin/Filiale Leipzig initiiert, wird die Filmreihe seit 2014 vom Aleksander-Brückner-Zentrum für Polenstudien präsentiert. Aktuelle Produktionen und ausgewählte Klassiker der polnischen Kinematografie widmen sich historischen und gegenwärtigen Formationen polnischer Staatlichkeit, Gesellschaft, Sprache und Kultur. Alle Filme werden kurz von WissenschaftlerInnen des Aleksander-Brückner-Zentrums eingeführt.
Einführung: Thomas Schmidt (Institut für Slawistik und Kaukasusstudien)
Montag, 23. Januar 2017
Zeit: 19:30 Uhr
Kino im Schillerhof, Jena, Helmboldstraße 1
Eintritt: 8 € / erm. 7 €