Further Announcements

Das Ende der tausendjährigen Sprachlosigkeit

© FSU Jena


Ehrendoktorwürde der Universität Jena für Herta Müller und Włodzimierz Borodziej

Am 20. Juni 2017 verlieh die Friedrich-Schiller-Universität Jena mit der Ehrendoktorwürde ihre höchste Auszeichnung an die Schriftstellerin Herta Müller und den Historiker Prof. Dr. Włodzimierz Borodziej. Wie der Präsident der Universität, Prof. Dr. Walter Rosenthal in seiner Begrüßung ausführte, wurden ganz bewusst zwei Persönlichkeiten für ihre herausragenden Leistungen gewürdigt, die für die Beschäftigung mit den östlichen Nachbarn Deutschlands im 20. Jahrhundert stehen. Der wissenschaftliche und künstlerische Blick stünden dabei keineswegs in einem Konkurrenzverhältnis zueinander. Im Gegenteil, so Rosenthal weiter: „Vielmehr erhellen und ergänzen sich beide gegenseitig.“

Das Imre Kertész Kolleg freut sich besonders über die Auszeichnung für Włodzimierz Borodziej, der von 2010 bis 2016 gemeinsam mit Prof. Dr. Joachim von Puttkamer das Kolleg als Co-Direktor leitete. Gegenwärtig ist er Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats des Kollegs und der Universität Jena unverändert eng verbunden. Der Dekan der Philosophischen Fakultät, Prof. Dr. Stefan Matuschek, bezog sich auf den engen Zusammenhang von „Erkennen und Erzählen“ im Werk von Imre Kertész als einem Kompass für die Entscheidung, Müller und Borodziej zu ehren: „Romane und wissenschaftliche Geschichtsschreibung können solidarisch sein, indem sie beide auf ihre Weise daran arbeiten, historische Erfahrung zu bewahren, zu vermitteln und besser zu verstehen.“

In ihrer Laudatio auf Borodziej erklärte Prof. Dr. Gesine Schwan ihre Bewunderung für seine „ungewöhnliche Verbindung von betont nüchternem und sehr differenziertem Urteil und persönlicher Zurückhaltung, ja Bescheidenheit.“ Dies stehe, so Schwan, in Zusammenhang mit Borodziejs intellektueller Reaktion auf den Gegenstand seines wissenschaftlichen Interesses, der Geschichte Polens im 20. Jahrhundert im europäischen Kontext: „Das Ergebnis ist eine unaufhörliche Bemühung, verschiedene, auch konträre Perspektiven in den Blick zu nehmen und zu würdigen, ohne im Unentschiedenen zu verbleiben. Dazu gab es einfach in dem, was er historisch betrachtet, zu viel Grausamkeit, Leid, Schuld und Verantwortung.“

Besonders hob Schwan die ihrer Meinung nach „segensreiche“ Rolle Borodziejs als Vermittler zwischen Ost und West und als vielbeachteter Aufklärer über das östliche Europa in einer westlichen Öffentlichkeit hervor. Aufgrund seiner „tiefen und reflektierten, auch faktengesättigten Einsicht in komplexe historische Zusammenhänge“ sei er „ein Segen für sein Land, für seine Zunft, für Europa und für den Frieden.“

In seinen Dankesworten zog Borodziej eine Bilanz der deutsch-polnischen Beziehungen. Für die längste Zeit der Geschichte hatten sich Polen und Deutsche, „selbst die Größten der beiden Kulturen“ nicht viel zu sagen: „Im Raum standen Fremdheit und Ungleichzeitigkeit, der strukturelle Gegensatz zwischen dem preußisch geprägten Kleindeutschland und dem geteilten Polen, oft Desinteresse und Herablassung – dies freilich nur auf deutscher Seite.“ Nach dem Zweiten Weltkrieg und seinem „Schatten von Hass, Angst und Verachtung“ sei es, so Borodziej, zum ersten Mal in der Geschichte zu wirklichen Begegnungen und Gesprächen gekommen. Er würdigte dabei insbesondere die Protagonisten des schwierigen Verständigungsprozesses auf beiden Seiten: „Die politischen Emigranten Hannah Arendt und Czesław Miłosz; Marion Gräfin Dönhoff und der Reformkommunist Mieczysław Rakowski; Leszek Kołakowski und Gesine Schwan; Władysław Bartoszewski und Helmut Kohl.“

Nach „tausendjähriger Sprachlosigkeit“ herrsche nun zwischen Deutschland und Polen „eine durchaus ansehnliche Normalität entlang einer der kulturell und zivilisatorisch schärfsten Grenzen in Europa.“ In Anspielung auf die gelegentlichen Spannungen zwischen den Regierenden in Berlin und Warschau erklärte Borodziej: „Regierungen kommen und gehen; die Gesellschaften bleiben und verändern sich.“ Sein Fazit war ein gesamteuropäisches: „Ja, wir ticken anders. Ja, wir können damit immer besser umgehen. Ebenfalls: keine finalité in Sicht, genau wie in all den anderen Zuständen und Fragen Europas. Kann man eigentlich mehr Normalität erwarten?“

Dem ausgesprochen gut besuchten und musikalisch anrührend und großartig von Prof. Dr. Jascha Nemtsov (Weimar) umrahmtem Festakt in der Aula schloß sich ein beschwingter und fröhlicher Empfang im Garten um das Griesbachsche Gartenhaus an, in dem das Imre Kertész Kolleg seinen Sitz hat. 

European Commission funds research network with 300.000 €

A transnational application of history? A Jean Monnet network is researching what it requires


Many societal factors determine how history unfolds and is processed. In addition to professional historians at universities, extracurricular learning centres, memorial sites, museums and non-governmental organisations also contribute to establishing historical meaning. Over the next three years the international team constituting the Jean Monnet Network for Applied Contemporary European History of the Historical Institute at Friedrich Schiller University Jena will pursue these questions through the creation and exchange of knowledge at and between universities and extracurricular institutions. Historians and practitioners of history from Belgium, Bosnia and Herzegovina, Germany, Poland and Serbia are working together and combining the approaches of historiography, political science, sociology, social and cultural anthropology as well as that of general cultural studies.
The network is one of the Jean Monnet measures funded by the European Commission. The goal of these measures is to build knowledge about the process of European integration and its prerequisites. The Jena project was granted the maximum funding of 300,000 euros. It is the first network from the field of historiography to be funded by the Jean Monnet programme.
The goal of the network project is to develop the discipline of Applied Contemporary European History as a fundamental European field of study and, in the medium term, to establish it continent-wide as part of the university curriculum for historians. Applied history is understood as an innovative branch of historiography devoted to the interface between academic research and the non-academic contact with history. In a European comparative perspective, applied history can elucidate national cultures of remembrance in their specific constitution, correlate them with one another, and thus make potential points of conflict between national cultures of remembrance identifiable and comprehensible. Ways and means should be demonstrated as to how the political and societal treatment of history can be carried out, and subsequently be sustained through an understanding of neighbouring European cultures of history. This approach has gained increased relevance in light of the reinvigoration of populist currents in Europe. The project will focus on societies’ processing of the memory of war and violence in the twentieth century.
The network will connect historiographical research with historically and culturally engaged civil society. Each partner country provides one university-based research institution and one non-governmental organisation as members. Germany’s members comprise the University of Jena, which also acts as the coordinating office, and the Ettersberg Foundation in Weimar. The project director is Jörg Ganzenmüller (Historical Institute at FSU / Ettersberg Foundation, Weimar). Juliane Tomann (Imre Kertész Kolleg Jena) and Dennis Dierks (FSU Jena) developed the concept of the project and are also responsible for organising its content. Planning also includes academic conferences, international summer schools and the joint development of study modules, curricula and materials on the topic of applied contemporary history for academic use by universities.
Project implementation at the Imre Kertész Kolleg: Juliane Tomann
Project duration: 2016 to 2019

The Kolleg is delighted to congratulate Péter Apor and James Mark on the Mark Pittaway Best Article Prize for their paper: Socialism Goes Global: Decolonization and the Making of a New Culture of Internationalism in Socialist Hungary, 1956-1989, published in the Journal of Modern History in the prior year to the award.

Our best congratulations go also to Ferenc Laczó. His article The Foundational Dilemmas of Jenő Lévai. On the Birth of Hungarian Holocaust Historiography in the 1940s published in Holocaust Studies in December 2015, received the honorable mention.

The articles are available here: 

Socialism Goes Global: Decolonization and the Making of a New Culture of Internationalism in Socialist Hungary, 1956-1989
The Foundational Dilemmas of Jenő Lévai. On the Birth of Hungarian Holocaust Historiography in the 1940s

Zum Tod von Imre Kertész

Foto: Peter Cott/FSU

Am 9. Juli 1997 sprach Imre Kertész an der Friedrich-Schiller-Universität Jena im Rahmen der Jenaer Poetik-Vorlesungen über „Das eigene Land."
Anlässlich seines Todes veröffentlicht das Kolleg den Text „Schicksallosigkeit als historische Perspektive. Imre Kertész und sein Blick auf das 20. Jahrhundert“ von Volkhard Knigge und Joachim von Puttkamer. Er erschien erstmals in Wlodzimierz Borodziej u. Joachim von Puttkamer (Hrsg.): Europa und sein Osten: Geschichtskulturelle Herausforderungen, München (Oldenbourg Verlag) 2012.


Zum Bericht über die Beerdigung in Budapest am 22. April 2016: Neue Züricher Zeitung Abschied von Imre Kertész in Budapest

Prof. Dr. Włodzimierz Borodziej Inducted into the Berlin-Brandenburg Academy of Sciences

Prof. Dr. Włodzimierz Borodziej was officially sworn into the Berlin-Brandenburg Academy of Sciences on 11 June 2016. Borodziej, who is Co-Director of the Imre Kertész Kolleg Jena - 'Eastern Europe in the Twentieth Century: Comparative Historical Experience' at the Friedrich Schiller University in Jena and Professor of History at the University of Warsaw, was nominated to membership in the Humanities Class.

The Berlin-Brandenburg Academy of Sciences appoints members who have distinguished themselves by the excellence of their academic achievements. It currently has 173 Ordinary Members, 111 Emeritus Ordinary Members and 73 Extraordinary Members. Two persons hold Honorary Membership.

The Kolleg is delighted to congratulate Prof. Dr. Borodziej on this great honour!

COURAGE: Connecting Collections


Cultural Opposition - Understanding the Cultural Heritage of Dissent in the Former Socialist Countries



On 1 February, 2016 an international consortium coordinated by the Research Centre for the Humanities of the Hungarian Academy of Sciences launched a new research project entitled COURAGE.

Further information can be found here: COURAGE

Prof. Borodziej mit dem polnischen Wissenschaftspreis des Ministerpräsidenten ausgezeichnet

Der Ko-Direktor des Kollegs, Professor Włodzimierz Borodziej, wurde am 5. November 2015 von der Ministerpräsidentin der Republik Polen, Ewa Kopacz, mit dem Wissenschaftspreis ausgezeichnet.

Aus der Begründung der Kanzlei des Ministerrates: "Prof. Borodziej ist ein ausgewiesener Experte für die politische Geschichte des zwanzigsten Jahrhunderts, einer der bekanntesten und meist zitierten polnischen Historiker im In- und Ausland.
Prof. Borodziejs Veröffentlichungen sind oft bahnbrechenden Charakters, erschließen neue Forschungsfelder und brechen Tabus vor allem innerhalb der deutsch-polnischen Beziehungen. Seine Forschungsinteressen sind sehr breit und vielfältig gestreut. In seiner wissenschaftlichen Tätigkeit befasste er sich u.a. mit überlieferten Gestapo-Akten, deren Studium es ermöglicht, die Geschichte der Vernichtung der durch das nationalsozialistische Deutschland unterworfenen Nationen besser zu verstehen. Er arbeitete auch gewinnbringend über die Geschichte des politischen Bewusstseins innerhalb der Gesellschaften des ehemaligen Ostblocks." 

Das Kolleg gratuliert von ganzem Herzen!

Joint Research Project on "Non-Germans in the Waffen-SS" to be launched on 1 January 2015

SS Galizien recruits waiting for head of district (1943) © Muzeum Historyczne Sanok

Press release, 19 December 2014

The Imre Kertész Kolleg is pleased to announce the launch on 1 January 2015 of "Non-Germans in the Waffen-SS: A Cultural History," an international research project supported by the Gerda Henkel Foundation and conducted jointly by the Imre Kertész Kolleg (IKK) and the School of History at the University College Dublin (UCD). The project will investigate the causes, realities, and consequences of international collaboration within the Waffen-SS, an organization in which hundreds of thousands of non-Germans served either voluntarily or under duress of various kinds. Specifically, the project will investigate cases that have been largely overlooked in the growing literature on perpetrators, including recent studies of Western European or "Germanic" volunteers. The three sub-projects will explore, from a transnational and cultural history perspective, topics as varied as recruitment, individual and collective motivations, participation in war crimes, and the post-war fates of Eastern European SS volunteers, as well as efforts by German leadership to provide a theoretical and practical framework for a fighting force that, when faced with the prospect of defeat in 1943, drafted more and more 'non-Germanic' volunteers into its ranks, despite its racist beliefs.
Two Post-Docs - Franziska Zaugg/Bern and Jacek Andrzej Młynarczyk/Toruń - will each work for two years on the respective projects "Muslim Volunteers: The Case of South-Eastern Europe" (UCD) and "The Trawniki Camp Guards: A History of Eastern European Waffen-SS Men in the Shadow of the Holocaust" (IKK), each of which will conclude with the production of a monograph. While the Post-Docs will focus on the periphery of the Third Reich, the project's Principal Investigators (Robert Gerwarth, UCD, and Jochen Böhler, IKK) will examine goings-on at the center with their project "Ideology, Negotiation Processes, and Practical Constraints: The Third Reich's Recruitment of Non-Germans into the Waffen-SS and the Police." The Gerda Henkel Foundation has provided generous financial support for the entire project, including the postdoctoral fellowships, archival research, and workshops.
The year 2015 will also see the publication of proceedings from the conference "Himmler's Supranational Militia: Indigenous Participation in SS and Police Units in the Context of the Second World War," which was held in May 2014. Organized by the IKK, the UCD, and the University of Toruń with the support of the Fritz Thyssen Foundation, this conference anticipated both the substance and approach of "Non-Germans in the Waffen-SS: A Cultural History" by treating the issue from a transnational perspective within a wider European context. Franziska Zaugg will present her PHD on Albanians in the Waffen-SS in the IKK's Colloquium on 2 February 2015. An international conference on indigenous participation in Nazi occupation and crimes will be hold in Jena in early December 2015.


MDR-Figaro
Das Kulturradio des Mitteldeutschen Rundfunks

09.02.2015
Die Waffen-SS verstand sich als militärische Elite des III. Reiches. Sie war eingeschworen auf besondere Treue und Ergebenheit zum Führer. Sie wurde geführt wie ein Orden. SS-Männer hielten sich für besonders tapfer und verwegen, und nur die besten sollten in diesem militärischen Orden dienen dürfen, das heißt nur reinrassige Deutsche. Wenig bekannt ist dagegen, daß mit der Ausweitung des Krieges und dem Bedarf an Rekruten auch die strengen rassischen und ideologischen Kriterien der SS aufgeweicht wurden. In der Endphase des zweiten Weltkriegs gehörte fast die Hälfte der Waffen-SS-Angehörigen nicht dem germanischen Herrenvolk an. In den Einheiten dienten Litauer, Ukrainer, Ungarn, Wallonen, Franzosen, Spanier, Belgier, sogar Briten. Sie waren teils zwangsrekrutiert worden, teils freiwillig eingetreten. Bis heute sind die Motive dieser Ausländer und ihr späteres Schicksal wenig erforscht, weshalb seit Mai des vergangenen Jahres ein internationales Forschungsprojekt diese wissenschaftliche Leerstelle ausfüllen will. Auf deutscher Seite ist es am Imre- Kertesz-Kolleg an der Friedrich Schiller-Universität Jena angesiedelt, beteiligt ist daran auch die School of History des University College Dublin. Dieser Tage trafen sich in Jena die an diesem Projekt beteiligten Historiker und tauschten sich über den neuesten Stand ihrer Arbeit aus.
Der Beitrag als mp3-Datei

Radio Interview: Central German Broadcasting, MDR
Jochen Böhler on "Non-Germans in the Waffen-SS"
13.01.2015

Further Press Releases:
Jochen BöhlerEuropäer im "Kampf gegen den Bolschewismus"
Friedrich-Schiller-Universität Jena, 12.01.2015

Jenaer Historiker forschen über Ausländer in Waffen-SS
DIE WELT, 12.01.2015

Related articles: 

Wierd DukEin Nazi-Verbrecher bleibt unbestraft
ZEIT ONLINE, 8.01.2015

Ehemalige Offiziere der Wehrmacht und SS planten Geheimarmee
ZEIT ONLINE, 11.05.2014

Prof. Borodziej receives high Polish decoration

On 11 November 2014,  Poland´s National Independence Day, the Kolleg’s Co-Director, Professor Włodzimierz Borodziej, was decorated with the Officer’s Cross of the Order Polonia Restituta by the President of the Polish Republic in recognition of “his outstanding academic achievements in the field of Contemporary History and in popularizing knowledge about the traditions of Polish diplomacy.”
The Kolleg is very proud and offers sincere congratulations!

Order of Saint Stephen awarded to Imre Kertész on August 20, 2014

©Attila Kovács, MTI

Imre Kertész, Nobel laureate in Literature and the eponym of our institute has just received the Order of Saint Stephen, Hungary’s highest award. The Imre Kertész Kolleg would like to warmly congratulate Imre Kertész on this special occasion.

Image: Imre Kertész and János Áder, the President of Hungary at the awarding ceremony of August 20, 2014.

Doktorandenschule des Imre Kertész Kollegs eröffnet

Wissenschaftsministerium fördert Imre Kertész Kolleg mit 264.000 Euro für neue Doktorandenschule


10.03.2013 Mit insgesamt 264.000 Euro unterstützt das Thüringer Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur die Doktorandenausbildung in der Mittel- und Osteuropaforschung an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Wissenschaftsstaatssekretär Prof. Dr. Thomas Deufel übergab am 10. März im Rahmen des Zeitgeschichtlichen Kolloquiums den Fördermittelbescheid anlässlich der Eröffnung der neuen Doktorandenschule des Imre Kertész Kollegs Jena. Das Kolleg ist ein Zentrum der interdisziplinären und transnationalen Forschung zu historischen Ereignissen des 20. Jahrhunderts.
"Wir wollen die Chancen von jungen Nachwuchswissenschaftlern in der Forschung stärken und darüber hinaus die Universität Jena bei ihrer Profilbildung unterstützen", unterstrich Deufel. Dafür hätten das Land und die Universität das Imre Kertész Kolleg bereits als Forschungsschwerpunkt in den neuen Ziel- und Leistungsvereinbarungen benannt. "Jena steht für eine lebendige Forschung in der Geschichtswissenschaft - ganz besonders in dem Schwerpunkt Osteuropa. Das Kolleg eröffnet neue Perspektiven und trägt damit zu einer neuen Dynamik in der Forschung bei", so Deufel weiter.
Den Festvortrag im Rahmen des Zeitgeschichtlichen Kolloquiums hielt Dr. Michal Kopeček "Dissidence between Civil Society and Nationalism: Human Rights, Historical Memory and Post-Socialist Political Cultures in East Central Europe 1968-1989"


 

Aleksander-Brückner-Zentrum für Polenstudien entsteht

Foto: Jan-Peter Kasper/FSU
Prof. Dr. Udo Sträter und Prof. Dr. Klaus Dicke und sowie Malgorzata Lawrowska, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit haben den Fördervertrag unterzeichnet.

Die Universitäten Halle-Wittenberg und Jena haben am 25. März 2013 den Fördervertrag mit der Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit unterzeichnet.
An der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und der Friedrich-Schiller-Universität Jena entsteht das Aleksander-Brückner-Zentrum für Polenstudien. Die Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit fördert die Einrichtung des Forschungszentrums mit jährlich 150.000 Euro für zunächst drei Jahre. Eine Verlängerung der Förderung um weitere zwei Jahre ist anschließend möglich. Die Rektoren der Universitäten Halle-Wittenberg und Jena, Prof. Dr. Udo Sträter und Prof. Dr. Klaus Dicke, sowie Małgorzata Ławrowska, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit, haben den Fördervertrag unterzeichnet.
"Mit diesem bahnbrechenden Fördervorhaben, welches von Polen und Deutschen gemeinsam initiiert wurde, können wir die neue Qualität der deutsch-polnischen Beziehungen in Europa auch für die künftigen Generationen institutionalisieren", betonte Małgorzata Ławrowska von der Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit.
Das Aleksander-Brückner-Zentrum für Polenstudien, das die wissenschaftliche Beschäftigung in Deutschland mit unserem östlichen Nachbarn Polen wesentlich bereichern wird, ist an der Universität Halle-Wittenberg angesiedelt. Der Fördervertrag sieht vor, sowohl in Halle als auch in Jena jeweils eine Professur einzurichten. Zudem wird es - deutschlandweit einmalig - einen gemeinsamen Masterstudiengang "Interdisziplinäre Polenstudien" geben. Über zusätzliche Drittmittel sollen gemeinsame Forschungsprojekte und Arbeitsgruppen insbesondere für Nachwuchswissenschaftler etabliert werden. Neben der Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit fördern der Deutsche Akademische Austauschdienst und die Deutsch-Polnische Wissenschaftsstiftung das Vorhaben. Geplant ist, dass das Zentrum für Polenstudien den Forschungs- und Lehrbetrieb zum Wintersemester 2013/14 aufnimmt.
"Von dem neuen Zentrum erhoffen wir uns einen großen Gewinn für die polenbezogene Forschung und Lehre an der Martin-Luther-Universität. Es ist eine große Freude, dass es mit dem seit heute vorliegenden Fördervertrag nun bald arbeitsfähig werden kann. Mit fünf polnischen Hochschulen pflegt die Universität Halle-Wittenberg bereits langjährige Partnerschaften, die damit wichtige weitere Anknüpfungspunkte finden können", erklärt Rektor Prof. Dr. Udo Sträter. "Außerdem trägt mit diesem Projekt auch die gute Kooperation der Universitäten Halle und Jena erneut Früchte."
"Mit dem neuen Zentrum für Polenstudien und der Einrichtung der Professur für Slawistische Sprachwissenschaft verstärkt die Friedrich-Schiller-Universität ihre Ausrichtung nach Osteuropa", sagt Prof. Dr. Klaus Dicke nach der Vertragsunterzeichnung an der Universität Jena. Der Rektor verweist auf die intensiven und traditionsreichen Forschungsbeziehungen der Jenaer Universität zu unseren östlichen Nachbarn, die bis in den Kaukasus und zum Balkan reichen. Vor allem für das exzellente Imre-Kertész-Kolleg mit seinem Schwerpunkt zur Geschichte Osteuropas im 20. Jahrhundert werde das neue Zentrum für Polenstudien ein wichtiger Kooperationspartner sein.
Benannt ist das neue Zentrum für Polenstudien nach dem renommierten polnischen Historiker und Slawisten Aleksander Brückner (1856-1939). Er leistete zu Beginn des 20. Jahrhunderts einen wichtigen Beitrag zur Anerkennung der Slawistik als eigenständigem Forschungszweig.
Ute Schönfelder
Stabsstelle Kommunikation/Pressestelle Friedrich-Schiller-Universität Jena

Doniesienie prasowe w wersji polskiej

Leibniz Chair für Professor Dr. Włodzimierz Borodziej

© Herder Institut
© Herder Institut

5.12.2012 Das Herder-Institut für historische Ostmitteleuropaforschung - Institut der Leibniz-Gemeinschaft hat den Titel eines "Leibniz Chair" an Prof. Dr. Włodzimierz Borodziej verliehen.
Der Leibniz Chair wird an herausragende Forschungspersönlichkeiten vergeben, die mit einem Leibniz-Institut in enger wissenschaftlicher Zusammenarbeit stehen, in Würdigung ihrer besonderen Verdienste. Die Berufung von Włodzimierz Borodziej zum Leibniz Chair erfolgt auf Lebenszeit und wird die schon lange bestehende wissenschaftliche Kooperation zwischen dem Herder-Institut für historische Ostmitteleuropaforschung und dem renommierten Wissenschaftler weiter fördern.
Die besonders enge Zusammenarbeit besteht nicht erst seit dem Editionsprojekt Die Deutschen östlich von Oder und Neiße 1945 - 1950: Dokumente aus polnischen Archiven; "Unsere Heimat ist uns ein fremdes Land geworden ...", die Włodzimierz Borodziej gemeinsam mit Hans Lemberg, ehemaliger Präsident des Herder-Forschungsrates, herausgegeben hatte. Im Rahmen dieses Projektes entstanden in den Jahren 2000-2004 die Bände Zentrale Behörden, Wojewodschaft Allenstein, Zentralpolen, Wojewodschaft Posen sowie Wojewodschaften Pommerellen und Danzig (Westpreußen). Aufgrund dieser engen fachlichen und persönlichen Kontakte zum Herder-Institut hielt Prof. Borodziej auch die 1. Hans-Lemberg-Vorlesung zum Gedenken an den 2009 verstorbenen Marburger Professor, die vom Fachbereich 6 Geschichte und Kulturwissenschaften der Philipps-Universität Marburg, dem Herder-Institut für historische Ostmitteleuropaforschung und dem Collegium Carolinum München veranstaltet wurde.
Polen ist für das Herder-Institut für historische Ostmitteleuropaforschung seit seiner Gründung ein Schwerpunktland, was sich sowohl in den Wissenschaftlichen Sammlungen als auch im Editionsprogramm widerspiegelt.

Włodzimierz Borodziej mit Auszeichnung des Polnischen Kultusministeriums geehrt

Włodzimierz Borodziej erhält Medaille des Polnischen Kultusministeriums 2012 für seine langjährigen Verdienste in der Gemeinsamen Deutsch-Polnischen Schulbuchkommission


Im Rahmen der Feierlichkeiten anlässlich des 40jährigen Bestehens der Gemeinsamen Deutsch-Polnischen Schulbuchkommission, wurde am 16. April 2012 im Senatssaal der Universität Warschau an vier deutsche und polnische Historiker die Medaille der Kommission für Nationale Bildung (Medal Komisji Edukacji Narodowej, KEN) des polnischen Kultusministeriums verliehen. Neben Włodzimierz Borodziej (polnischer Co-Vorsitzender der Kommission 1997-2007) erhielten Klaus Zernack (langjähriger deutscher Co-Vorsitzender), der aktuelle deutsche Co-Vorsitzende Michael G. Müller sowie der Warschauer Zeithistoriker Jerzy Holzer die Auszeichnung für ihre langjährige Arbeit in der Gemeinsamen Deutsch-Polnischen Schulbuchkommission.
Höhepunkt der Veranstaltung war die Verleihung des Maria-Wawrykowa-Preises der Schulbuchkommission an Prof. Władysław Markiewicz, den Gründungsvorsitzenden der Schulbuchkommission.
Staatsekretär Mirosław Sielatycki hob die Bedeutung der Arbeit der Kommission hervor. Ohne die langjährige intensive Zusammenarbeit wären Projekte wie das heute entstehende deutsch-polnische Geschichtsbuch nicht möglich.
Die Gemeinsame Deutsch-Polnische Schulbuchkommission wurde 1972 unter der Schirmherrschaft der UNESCO gegründet und wurde in den nächsten 40 Jahren zu einer institutionalisierten Plattform des Dialogs zwischen deutschen und polnischen Historikern und Geographen. Das Jubiläum steht unter der Schirmherrschaft des Präsidenten der Republik Polen Bronisław Komorowski und des Bundespräsidenten Joachim Gauck.

Griesbachsches Gartenhaus nach Renovierung mit Festakt eröffnet

Griesbachsches Gartenhaus Foto: L. Reichstetter
Griesbachsches Gartenhaus Foto: L. Reichstetter

Nach anderthalbjähriger Bauzeit wurde heute (16. Januar 2012) das Griesbachsche Gartenhaus, in Jena auch als Prinzessinnenschlösschen bekannt, wiedereröffnet und durch den Rektor der Friedrich-Schiller-Universität Jena, Prof. Dr. Klaus Dicke, an den neuen Nutzer, das Imre Kertész Kolleg Jena, übergeben.
Unter Teilnahme der Honoratioren der Friedrich-Schiller-Universität Jena übergab Rektor Prof. Dr. Klaus Dicke im Rahmen eines Festaktes den Direktoren des Imre Kertész Kollegs Jena, Prof. Dr. Włodzimierz Bodorziej und Prof. Dr. Joachim von Puttkamer den Schlüssel für das Griesbachsche Gartenhaus. In den nächsten Jahren werden hier renommierte WissenschaftlerInnen aus dem In- und Ausland zur Geschichte des östlichen Europas im 20. Jahrhundert forschen. "Unsere Fellows werden sich hier sehr wohlfühlen und wir hoffen, dass nicht zuletzt die besondere Atmosphäre des Hauses die Attraktivität und internationale Ausstrahlung des Imre Kertész Kollegs Jena stärken wird" sagte Borodziej während der Eröffnung.
Das Haus aus dem 18. Jahrhundert wurde in den letzten anderthalb Jahren unter Leitung des Weimarer Architekten Klaus Aschenbach denkmalgerecht saniert. Die Fassade aus der Zeit um 1830 und die historischen Holzfußböden im Kaminzimmer und in der zweiten Etage konnten ebenso erhalten werden, wie die beiden Kaminöfen, die Maria Pavlovna hat einbauen lassen. Die historische Bausubstanz wurde vorsichtig durch moderne Ausstattung und Technik ergänzt.
"Die Tradition Maria Pavlovnas ist uns in diesem Haus in unserem Interesse am östlichen Europa eine besondere Freude und Verpflichtung", so von Puttkamer. Nachdem der Weimarer Hof das Gebäude 1820 gekauft hatte, wurden hier die Prinzessinnen Augusta, die spätere Ehefrau Wilhelms I. Königin von Preußen und Deutsche Kaiserin und ihre Schwester Marie erzogen. Zu ihren Lehrern gehörte u.a. Johann Wolfgang von Goethe. Das Schlösschen, das in den letzten 200 Jahren immer wieder umgebaut wurde, beherbergte zuletzt die Kustodie der Universität Jena, bevor die Universität das stark heruntergekommene Gebäude von Grund auf sanieren ließ.
Die Direktoren des Imre Kertész Kollegs Jena danken Rektor und Universität für ihre großen Bemühungen um das Haus und für das Kolleg: "Wir sind der Universitätsleitung ausgesprochen dankbar für ihr großes Engagement um dieses Haus und für das sachgerechte und flexible Eingehen auf die spezifischen Bedürfnisse eines Kollegs", so von Puttkamer.