Dr. Sabine Rutar

Curriculum Vitae


Sabine Rutar ist seit Oktober 2012 Fellow am Imre Kertész Kolleg Jena. Im August/September 2012 war sie Visiting Fellow am Zentrum für Zeithistorische Forschung in Potsdam. Seit April 2011 ist sie Post-Doc Fellow im internationalen Verbundprojekt "Physische Gewalt und Staatslegitimation im Spätsozialismus" . Im selben Jahr nahm Sabine Rutar Gastprofessuren an den Universitäten Koper und Ljubljana wahr. Seit Februar 2008 ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Ost- und Südosteuropaforschung in Regensburg (vormals Südost-Institut); sie ist verantwortliche Redakteurin von "Südosteuropa. Zeitschrift für Politik und Gesellschaft". 2007/08 war Sabine Rutar Feodor-Lynen-Stipendiatin der Humboldt-Stiftung an der Universität Koper. 2004/05 lehrte sie südosteuropäische Geschichte an der Universität Basel. Von 2003 bis 2007 war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für soziale Bewegungen in Bochum, und 2001/02 am Georg-Eckert-Institut für internationale Schulbuchforschung in Braunschweig. Rutar wurde 2001 am Europäischen Hochschulinstitut in Florenz promoviert. Sie hat Geschichte, Anglistik und Romanistik in Münster und Rom studiert (M. A. 1995) und 1992 ein Masters Degree in Education am Carthage College, Kenosha/WI (USA) absolviert.



Forschungsprojekt am Kolleg


In ihrem Buchprojekt untersucht Sabine Rutar die Folgen von nationalsozialistischer Arbeitseinsatzpolitik für regionale Bergbaugesellschaften in Jugoslawien. Arbeitsbeziehungen während des Zweiten Weltkriegs und die Auswirkungen der Kriegswirtschaft werden am Beispiel von vier Bergwerken untersucht. Die Wahl der Fallbeispiele richtet sich nach der kriegswirtschaftlichen Relevanz des jugoslawischen Bergbaus. Das größte Kupfererzbergwerk Europas befindet sich in Bor in Ostserbien. Die zwei größten Bleizinkerzbergbaue in Jugoslawien waren Trepça/Trepča im heutigen Nord-Kosovo und Mežica/Mieß in Südkärnten (im heutigen Slowenien). Die Braunkohle aus Trbovlje/Trifail in der Untersteiermark (heute ebenfalls Slowe­nien) war wichtig vor allem für die Industriebetriebe in der Obersteiermark (heute Österreich). Die vier Bergbaue spiegelten unterschiedliche sozioökonomische und -kulturelle Kontexte innerhalb Jugoslawiens und liegen verteilt in nördlichen und südlichen Landesteilen. Im Zweiten Weltkrieg waren sie allesamt deutsch besetzt. Das Überleben im Krieg wird als soziale Praxis untersucht: Die Lebenserfahrung der Betroffenen - also Formen der Arbeit im Bergwerk, Beziehungen zwischen den Belegschaftsmitgliedern, Wohnsituationen, Ausbildung, Löhne, Lebensstandard, Politisierungsprozesse u. a. m. - war maßgeblich für ihre Reaktionen auf die veränderte Situation. Freiheit und ihr Konterpart Zwang stehen in einem kulturell disponierten Beziehungsgeflecht zueinander, das es aufzuschlüsseln gilt. Die Verbindung von Arbeitseinsatz und Volkstumspolitik bzw. gezieltem gegeneinander ausspielen ethnischer Zugehörigkeitsmomente wirft Fragen nach der Festigkeit und Brüchigkeit, Fragmentierung, Volatilität und Radikalisierung von Loyalitäten auf und nicht zuletzt nach den regional und national geprägten Identifikationen innerhalb Jugoslawiens. Der vergleichende mikrohistorische Zugang soll Aufschluss hinsichtlich makrohistorischer Fragen geben, wie nach den Korrelationen zwischen Akteuren und Strukturen (Handlungsspielräume), nach den Wirkungen der Etablierung und Zerstörung von (jugoslawischer) Staatlichkeit, nach den Prozessen längerer Dauer wie Sozialstrukturen, aber auch Loyalitätsformen und kollektive Identifikationen, nach den Wirkungen des Krieges sowie der deutschen Kriegswirtschafts- und Arbeitseinsatzpolitik (Modernisierung versus Vernichtung).



Forschungsschwerpunkte


  • Vergleichende europäische Geschichte des 19. und 20. Jh. (Schwerpunkt südöstliches Europa)
  • Geschichte der Arbeit Sozialgeschichte Jugoslawiens
  • Sozialismusgeschichte (19.-20. Jh.)
  • Nationalismusgeschichte
  • Geschichte der Kriege und der Gewalt im 20. Jh.
  • Arbeitseinsatz und Zwangsarbeit im Zweiten Weltkrieg
  • Stadtgeschichte
  • Geschichtspolitiken und Erinnerungskulturen



Funktionen/ Mitgliedschaften


  • Verantwortliche Redakteurin: "Südosteuropa. Zeitschrift für Politik und Gesellschaft" (Regensburg)
  • Mitglied des Herausgebergremiums "Narodna Umjetnost: Croatian Journal of Ethnology and Folklore Research" (Zagreb)
  • Mitglied im Verband der Historiker und Historikerinnen Deutschlands
  • Mitglied im Verband der Osteuropahistorikerinnen und -historiker
  • Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft für die Neueste Geschichte Italiens
  • Mitglied bei Clio-Online. Fachportal für Geschichtswissenschaften
  • Mitglied in der Südosteuropa-Gesellschaft München