Das Griesbachsche Gartenhaus - Prinzessinnenschlösschen

Im Norden Jenas, dort, wo ein neuer Stadtteil sich beständig weiter auszubreiten bestrebt ist, verbirgt sich auf einem Hügel hinter alten hohen Bäumen eine klassische Stätte, die auch heute noch in ihrem ursprünglichen Wesen erhalten geblieben ist und hoffentlich auch fernerhin dem Ansturm der neuen Zeit zu trotzdem vermag. Das ist der Prinzessinnengarten, vorzeiten Griesbachs Garten genannt, in den Tagen Goethes und Schillers und dann noch weiter darüber hinaus, bis in die Mitte des vorigen Jahrhunderts hinein, ein Lieblingsplatz aller erlauchten Geister, die in Jena lebten oder auch nur vorübergehend die Musenstadt das "Liebe närrische Nest", wie es Goethe gern nannte, besuchten.[1]
1784/85 hatte der Jenaer Theologieprofessor Jakob Griesbach (1745 - 1812) das Haus für sich und seine Frau Juliana Friederike als Sommersitz vor den Toren der Stadt erbaut. Der Blick über die Saaleauen auf den Jenzig und der im englischen Stil angelegte große Landschaftsgarten waren bei den Jenensern und über die Grenzen der Stadt hinaus bekannt und beliebt. Hier trafen sich zur Erholung und zum regen geistigen Austausch die Großen der deutschen Klassik: neben Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich Schiller Johann Gottfried Herder, Wilhelm und Alexander von Humboldt, Johann Gottlieb Fichte und Georg Friedrich Wilhelm Hegel.
Nach dem Tod Jakob Griesbachs wurde das Anwesen durch Vermittlung Goethes 1818 für 6000 Taler an den Weimarer Hof verkauft. Ab 1820 ließ Großherzogin Maria Pavlovna (1786 - 1859) hier ihre beiden Töchter, Prinzessinnen Augusta, die spätere Ehefrau Wilhelms I. Königin von Preußen und Deutsche Kaiserin, und ihre Schwester Marie erziehen. Haus und Garten wurden von den Jenensern nun Prinzessinnenschlösschen und -garten genannt. Zu den Lehrern gehörte neben dem Maler Johann Heinrich Meyer auch Goethe, dem Maria Pavlovna 1821 im Garten als Dank für seine Bemühungen um die Erziehung der Töchter einen Gedenkstein errichten ließ. Eine Replik ist heute wieder zu sehen.
Die Geschichte des Schlösschens ab Mitte des 19. Jahrhunderts ist wechselhaft. Gebäude und Garten, die 1920 von der Carl-Zeiss-Stiftung erworben wurden und seit 1989 im Besitz der Friedrich-Schiller-Universität Jena sind, wurden mehrfach umgebaut. Bereits Maria Pavlovna hatte im Balkonzimmer im ersten Stock zwei Kaminöfen einbauen lassen, die die Statik des Hauses bis heute nachhaltig verändert haben und einen gewölbten Dielenfußboden hinterlassen haben. 1926. Ließ die Carl-Zeiss-Stiftung in den Gartens das Planetarium bauen, in das Prinzessinnenschlösschen zog zunächst der Kunstverein Jena mit Ausstellungen ein, nach 1945 das Stadt- und später Optische Museum. Ab 1977 war in den Räumen die Kustodie der Universität untergebracht.
Der Garten wurde anlässlich des Universitätsjubiläums 2008 wieder in einen Zustand gebracht, wie er wohl um 1800 gewesen ist. 2010/2011 wurde das Gebäude grundständig durch das Weimarer Architekturbüro Aschenbach denkmalpflegerisch restauriert und beherbergt nun seit Dezember 2011 Fellows und Direktoren des Kollegs.

 



[1] Salomon, Ludwig: Der Prinzessinnengarten (ehemals Griesbachsche Garten) zu Jena, in: Velhagen und Klasings Monatshefte, XXIV Jahrgang 1909/1910, S. 297 – 304, hier S. 297.