Prof. Dr. Béla Tomka


Curriculum Vitae


Von Januar 2012 bis Dezember 2012 Fellow am Imre Kertész Kolleg Jena. Béla Tomka ist seit 2011 Professor für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte an der Philologischen Fakultät der Universität Szeged. Er war Gastprofessor und Research Fellow in Portland (OR), Amsterdam, Edinburgh, Berlin u.a. 2004 wurde er mit einer vergleichenden Studie zur Geschichte der Sozialpolitik in Ungarn im 20. Jh. habilitiert und 1995 mit einer Arbeit zum Bank-Industrie Verhältnis im Ungarn des 19. Jh. promoviert. Er studierte Geographie und Geschichte in Szeged und Budapest.


Forschungsprojekt am Kolleg


Staatliche Fürsorgeprogramme waren wichtige Bestandteile der Formierung von Staaten und beim Nation Building im Europa des 19. und 20. Jahrhunderts und wurden zu entscheidenden Kennzeichen der Hochmoderne. Außerdem sind sie für die soziale Entwicklung des östlichen Teils des Kontinents im vergangenen Jahrhundert von zentraler Bedeutung. Dies wird insbesondere durch die Erfahrung kommunistischer Regimes, die ihre Legitimation aus der Gewährung eines hohen Niveaus sozialer Absicherung für ihre Bürger ableiten, deutlich. Darüber hinaus haben die jüngeren sozialen Sicherungssysteme in Mittelosteuropa die Aufmerksamkeit der Wissenschaft auf sich gezogen, da viele Beobachter in den unterschiedlichen Wohlfahrtssystemen des östlichen und westlichen Europas einen potentiellen Störfaktor für den europäischen Integrationsprozess in Form des wohlbekannten sozialen Dumpings ausmachen. Vor diesem Hintergrund soll das Ziel des Vorhabens darin bestehen entscheidende Charakteristika und Funktionen der mittelosteuropäischen Sozialsysteme in ihrer Hauptformierungszeit und den Reformperioden des 20. Jahrhunderts auszumachen. Unserer Meinung nach liegt der Schlüssel zum Verständnis der Geschichte mittelosteuropäischer Sozialsysteme in der Analyse bestimmter Determinanten, welche die ungünstige Klassenbasis, das explosive politische Umfeld und die Staatsstruktur sowie die Schwäche der Zivilgesellschaft beinhalten. Das Projekt plädiert einerseits für die verstärkte Nutzung der jüngsten Erkenntnisse zur vergleichenden Erforschung von Sozialsystemen in der Soziologie und Politikwissenschaft, andererseits vermag es eine beträchtliche Schwäche dieser Forschung auszumerzen: die Unfähigkeit dynamische Veränderungen zu begreifen, welche sich in statischen und ahistorischen Interpretationen sowie oberflächlichen Typologien niederschlagen.


Forschungsschwerpunkte


  • Vergleichende Sozial- und Wirtschaftsgeschichte
  • Ostmitteleuropa
  • Geschichte des 20. Jahrhunderts mit den Schwerpunkten: Geschichte der Sozialpolitik, Konsum und soziale Verankerung des wirtschaftlichen Wachstums


Funktionen/ Mitgliedschaften



  • seit 2010 Beiratsmitglied des International Social History Association, Amsterdam
  • seit 2007 Beiratsmitglied der István Hajnal Gesellschaft für Sozialgeschichte, Budapest
  • seit 2011 Herausgeber des ISHA (International Social History Association, Amsterdam) Newsletter
  • seit 2004 Redaktionsmitglied von Esély, Zeitschrift für Sozialpolitik, Budapest
  • Seit 1992 Mitherausgeber von Aetas, einem Vierteljahreszeitschrift für Geschichte und Nachbardisziplinen